Schickt Russland Bodentruppen nach Syrien?

In this photo taken on Saturday, Oct. 3, 2015, Russian military support crew attach a satellite guided bomb to SU-34 jet fighter at Hmeimim airbase in Syria. Russia has insisted that the airstrikes that began Wednesday are targeting the Islamic State group and al-Qaida's Syrian affiliates, but at least some of the strikes appear to have hit Western-backed rebel factions

In this photo taken on Saturday, Oct. 3, 2015, Russian military support crew attach a satellite guided bomb to SU-34 jet fighter at Hmeimim airbase in Syria. Russia has insisted that the airstrikes that began Wednesday are targeting the Islamic State group and al-Qaida's Syrian affiliates, but at least some of the strikes appear to have hit Western-backed rebel factions

AP
Der US-amerikanische Fernsehsender CNN berichtete, dass Russland Artilleriesysteme ins syrische Inland verlegen lässt. Der Kreml äußerte sich zu diesen Behauptungen bisher nicht eindeutig, stellte allerdings klar, dass eine Bodenoffensive nicht geplant sei.

Der Kreml hat sich bislang nicht direkt zu der von dem US-Fernsehsender CNN veröffentlichten Meldung über eine Verlegung russischer Artilleriesysteme aus der syrischen Küstenstadt Latakia in das Landesinnere geäußert. „Vielleicht hat CNN etwas durcheinandergebracht. Man hat einmal schließlich auch Putin mit Jelzin verwechselt“, kommentierte der Pressesprecher des russischen Präsidenten Dmitri Peskow am Dienstag auf einer Pressekonferenz. In der Woche zuvor hatte der Vorsitzende der Präsidialverwaltung Sergej Iwanow bereits erklärt, Russland werde in Syrien ausschließlich Luftangriffe fliegen und damit dem Wunsch des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad Folge leisten.

Nikita Mendkowitsch, Experte vom Russischen Rat für internationale Angelegenheiten, glaubt dem Kreml. Russland ziehe die Möglichkeit einer Bodenoperation in Syrien derzeit nicht in Betracht, da die bestehenden Aufgaben in der Region ein solches Engagement gegenwärtig nicht erforderten, sagt er. „Russlands Ziel ist es, die vom IS ausgehende Gefahr durch eine Unterstützung der Militärkräfte der rechtmäßigen syrischen Regierung einzudämmen. Die ersten Tage dieser Operation haben gezeigt, dass durch die Luftwaffe bedeutende taktische Erfolge erzielt und die Frontlinie nach der Krise im Sommer stabilisiert werden konnte“, erklärt Mendkowitsch. Zu dem CNN-Bericht bemerkt er: „Es handelt sich dabei wohl um Waffen, die der syrischen Armee im Rahmen von Militärverträgen geliefert wurden. Das ist syrische Artillerie und nicht unsere.“

Für einen Bodeneinsatz fehlen die Ressourcen

Laut Wladimir Chrustaljew, Experte der Lifeboat Foundation, überschritten die vom amerikanischen Fernsehsender beschriebenen Militärgüter nicht den Rahmen regulärer Waffenlieferungen an Assad. „Es gibt in Latakia bereits russische Bodenkräfte – zumindest ein Kontingent an Einsatzkräften und Mittel zur Sicherung des Luftwaffenstützpunktes“, erläutert er und fügt hinzu: „Was die mögliche Existenz von Bodenoperationen betrifft, so gibt es keine belastbaren Beweise.“

Der Orientexperte und Dozent an der Higher School of Economics Leonid Issajew dagegen hält einen Sieg über die Terrororganisation IS ohne Bodeneinsätze für nicht möglich. „Die Unterstützung aus der Luft hilft der syrischen Armee bei der Sicherung von Gebieten, die sie ohnehin kontrolliert. Die syrische Armee hat in den vergangenen Jahren große Verluste hinnehmen müssen, sie hat die Grenzen ihrer Kapazitäten erreicht. Um weiterzukommen, müssen Truppen nach Syrien geschickt werden“, betont der Experte.

Für einen Bodeneinsatz in Syrien fehlten Russland jedoch die Ressourcen, fährt er fort. „Außerdem könnten wir damit Assad auch schaden. Je markanter unsere Präsenz in Syrien wird, desto deutlicher fallen die Reaktionen des Westens, Saudi-Arabiens und der Türkei aus“, ergänzt Issajew. Das Wichtigste sei, dass der Kreml die Fehler der UdSSR nicht wiederholen wolle: „Zu erwarten ist, dass Russland seine Luftschläge zu einem bestimmten Zeitpunkt einstellt und sich nicht tiefer in den syrischen Konflikt hineinziehen lässt.“

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