MH17-Absturz: Einigkeit über Absturzursache?

Michail Malyschewskij vom russischen Rüstungskonzern Almas-Antei stellte seinen Bericht zu MH17 am 13. Oktober auf einer Pressekonferenz in Moskau vor.

Michail Malyschewskij vom russischen Rüstungskonzern Almas-Antei stellte seinen Bericht zu MH17 am 13. Oktober auf einer Pressekonferenz in Moskau vor.

AP
Am Dienstag wurden gleich zwei Berichte zum Absturz von Flug MH17 veröffentlicht. Ein Bericht basiert auf den Ermittlungen der niederländischen Luftfahrtbehörde, der andere stammt von einem russischen Rüstungskonzern. Die Frage nach dem Schuldigen bleibt offen.

Der niederländische Sicherheitsrat hat den Abschlussbericht zum Absturz von Flug MH-17 der Malaysia Airlines über der Ostukraine veröffentlicht. Die Maschine war am 17. Juli 2014 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über ukrainischem Staatsgebiet abgestürzt. Der niederländische Bericht, der am Dienstag veröffentlicht wurde, nennt zwar keine Schuldigen, betont jedoch, dass das Flugzeug von einer Rakete des Luftabwehrraketensystems Buk abgeschossen worden sei, dessen Modelle noch immer in Russland produziert würden.

Das russische Außenministerium hat den Bericht als „voreingenommen“ bezeichnet. Der russische Vize-Außenminister Sergey Ryabkov kritisiert, die Katastrophe in den Niederlanden sei nicht flächendeckend und unvoreingenommen, unter Berücksichtigung „der Informationen, die Moskau zur Verfügung stehen“, untersucht worden.

Weitgehend übereinstimmende Berichte

Die niederländischen Experten weisen darauf hin, dass das Flugzeug von einer Boden-Luft-Rakete der Serie 9M38 abgeschossen worden sei, die von einem Buk-Raketensystem abgefeuert worden sei. Die Rakete sei etwa einen Meter vom Cockpit der Boeing entfernt explodiert. In der Leiche des Piloten seien  Raketenteilchen nachgewiesen worden, berichtete der Vorsitzende des Sicherheitsrats während der Präsentation des Abschlussberichts.

In diesem wird kritisiert, dass der Luftraum über der Ostukraine nicht gesperrt gewesen sei, obwohl in dem Kampfgebiet tags zuvor bereits Kampfjets abgeschossen worden waren. „Ukrainische Behörden haben nicht bedacht, dass ein Zivilflugzeug auf der normalen Flughöhe (cruising altitude) abgeschossen werden könnte“, heißt es in dem Bericht.  

Ein Abschussort der Rakete wird nicht genannt. Es ist unklar, ob sie von einem Gebiet abgefeuert wurde, das sich unter der Kontrolle des ukrainischen Militärs oder der selbst ernannten Volksrepubliken befand. Das Abschussgebiet wurde auf eine Fläche von 20 bis 63 Quadratkilometern eingegrenzt. Dem Vorsitzenden des Sicherheitsrats zufolge bedarf die Feststellung der genauen Raketenabschussstelle weiterer Ermittlungen. 

Der Bericht besagt allerdings, dass die Kalkulationen des Rüstungskonzerns Almas-Antei mit den Daten der ukrainischen und niederländischen Experten in etwa übereinstimmen. Nach der beigefügten Karte umfasst dieses Gebiet auch die Stadt Snischne, die zum Zeitpunkt des Boeing-Absturzes von den Aufständischen kontrolliert wurde. Aus dieser Stadt sei laut den ukrainischen Behörden die Rakete abgefeuert worden.

Die Vorstandsmitglieder des Rüstungskonzerns Almas-Antei widersprachen dieser Behauptung jedoch am nächsten Tag. Der Konzern habe einige Simulationen durchgeführt, darunter eine Explosion von einer Buk-Rakete neben dem Cockpit eines Flugzeugs. Als möglichen Ort, von dem aus die Rakete abgefeuert wurde, nennen sie die Gemeinde Zaroschtschenskoje, wo zum damaligen Zeitpunkt ukrainische Soldaten stationiert waren. 

Die Abschussstelle sei eines von wenigen Details, die in den russischen und der niederländischen Berichten einander widersprächen, sagte der Chefredakteur des Magazins „Arsenal Otetschestva“ Viktor Murakhovskiy zu RBTH – obwohl sich die beiden Berichte „grundsätzlich nicht widersprechen“. Der Experte meint, dass die niederländischen Fachleute ein „recht weitreichendes“ Raketenabschussgebiet skizziert hätten, das beide „konkurrierende Abschussstellen“ umfasse.

Über den Waffentyp besteht endlich Klarheit

Auch Alexandr Chramtschischin, stellvertretender Direktor des Instituts für politische und militärische Analysen, sieht Übereinstimmungen der Berichte. Der größte Unterschied besteht seiner Meinung nach darin, dass die russischen Fachleute „den Schuldigen eindeutig bezeichnen, während die Niederländer auf eine Schlussfolgerung in dieser Hinsicht verzichten“. Dabei könne „der echte Schuldige mittlerweile nicht mehr ausgemacht werden“, da „man nicht nachträglich feststellen kann, wessen Luftabwehrraketensystem die Boeing abgeschossen hat“. 

Der Militärexperte Pavel Felgenhauer meint, dass beide Berichte erneut bestätigt hätten, dass das Flugzeug durch das Luftabwehrraketensystem Buk abgeschossen worden sei. „Es war von Anfang an klar, dass es eine recht schwere Buk-Rakete mit einem mächtigen Gefechtskopf war und keine Flugzeugrakete. Nach der Veröffentlichung der Berichte können Diskussionen darüber, dass es irgendwas anderes war, endgültig beigelegt werden“, so Felgenhauer.

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