Haftbefehl: Hat Chodorkowski einen Mord in Auftrag gegeben?

Der Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski soll einen Mord in Auftrag gegeben haben.

Der Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski soll einen Mord in Auftrag gegeben haben.

Ria Nowosti/Vasilij Prokopenko
Das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation sucht Michail Chodorkowski per Haftbefehl. Der Ex-Yukos-Chef, erst vor rund zwei Jahren von Präsident Putin begnadigt, wird verdächtigt, 1998 einen Mord in Auftrag gegeben zu haben. RBTH beantwortet die wichtigsten Fragen zum Fall.

Was ist passiert?

Michail Chodorkowski, Ex-Chef des Ölkonzerns Yukos, teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass er als Verdächtiger zu einer Vernehmung in einem Mordfall nach Moskau vorgeladen worden sei. Eine entsprechende Aufforderung habe man seinem Vater in Moskau übergeben, erklärte er. Chodorkowski selbst lebt seit seiner Freilassung im Dezember 2013 in der Schweiz. Auf Twitter gibt er die Stadt Jona am Obersee als seinen derzeitigen Wohnort an. Seitdem war er nicht mehr in Russland.

Das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation hat Chodorkowski zudem zur landesweiten Fahndung ausgeschrieben. Die Behörden drohten auch mit einem internationalen Haftbefehl, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf eigene Quellen berichtet.

Worum geht es in der Strafsache?

Die Strafsache Nr. 18/35-03 beschreibt die Ermittlungen gegen Alexei Pitschugin, den ehemaligen Leiter der Sicherheitsabteilung von Yukos. Ein Gericht hatte ihn 2007 zu lebenslanger Haft verurteilt, unter anderem wegen der Ermordung des Bürgermeisters der Stadt Neftejugansk, Wladimir Petuchow, im Jahr 1998. Die Gewalttat ereignete sich am Geburtstag Chodorkowskis. Laut Ermittlungen wurde der Mord infolge eines Konflikts zwischen dem Bürgermeister und Yukos verübt. Petuchow hatte demnach gedroht, ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung gegen den Konzern einzuleiten.  

Warum wird Chodorkowsi vorgeladen und zur Fahndung ausgeschrieben?

Ende Juni 2015 teilte der offizielle Vertreter des russischen Ermittlungskomitees Wladimir Markin mit, die Ermittlungen in dem Mordfall seien wieder aufgenommen worden. Chodorkowski werde verdächtigt, die Ermordung Petuchows, die für große Aufregung sorgte, sowie „eine Reihe anderer schwerer Straftaten“ in Auftrag gegeben zu haben, sagte Markin. „Die Tatsache, dass er sich im Ausland aufhält, wird die Justiz nicht hindern, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen“, ließ der Jurist wissen. 

Aber wurde Chodorkowski nicht von Putin begnadigt?

Als Präsident Wladimir Putin die Entscheidung über die Begnadigung Chodorkowkis traf, sei er über dessen mögliche Mitwirkung an weiteren Straftaten nicht informiert gewesen, sagte der Sprecher des russischen Präsidenten Dmitrij Peskow. „Es gab einen Verdacht und vage Informationen, aber die Behörden haben ja weiter ermittelt. In diesem Fall mussten die Ermittlungsbehörden zunächst über neue Umstände aufklären“, erklärte Peskow.

Wie geht die Geschichte weiter?

Chodorkowski werde mit den Behörden in der Mordsache des Bürgermeisters von Neftejugansk nicht zusammenarbeiten, kündigte die Sprecherin des Unternehmers Olga Pispanen im Interview mit dem Radiosender Goworit Moskwa an.

An eine Verurteilung Michail Chodorkowskis glaubt nicht einmal die Witwe des Bürgermeisters Farida Islamowa. „Ich wünschte mir ein Urteil zu Chodorkowskis Rolle bei der Ermordung. Die Bewohner der Region warten noch immer auf eine Antwort auf die Frage, warum das Verfahren damals eingestellt wurde und einer der Auftraggeber immer noch auf freiem Fuß ist. Die Täter müssen nach Russland gebracht und für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte die Witwe der Nachrichtenagentur Tass.

Chodorkowski: Politische Ikone oder westliches Heiligenbild?

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