Internationaler Haftbefehl gegen Ex-Yukos-Chef Chodorkowski

Der Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski wird des Mordes verdächtigt.

Der Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski wird des Mordes verdächtigt.

AFP/East News
Der frühere Yukos-Haupteigentümer Michail Chodorkowski ist offiziell zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. In Russland wird ihm Mord und Mordversuch zur Last gelegt.

Gegen Michail Chodorkowski ist ein internationaler Haftbefehl erlassen worden, wie der offizielle Vertreter des russischen Untersuchungsausschusses Wladimir Markin mitteilte.

Dem früheren Yukos-Haupteigentümer wird vorgeworfen, „einen Mord in Auftrag gegeben zu haben“. Es geht dabei um den Tod von Wladimir Petuchow, Bürgermeister der sibirischen Stadt Neftejugansk, im Jahr 1998. Zudem wird Chodorkowski vorgeworfen, versucht zu haben, Petuchows Begleiter Wjatscheslaw Kokoschkin ebenfalls ermorden zu lassen. Weiterhin soll er an Versuchen, den Geschäftsmann Jewgeni Rybin zu beseitigen, beteiligt gewesen sein. Bei einem der Anschläge auf Rybin kam dessen Leibwächter ums Leben.

Chodorkowski habe den Mord an Petuchow beauftragt, weil dieser „als Bürgermeister von Neftejugansk von Yukos hinterzogene Steuern“ eingefordert habe, so die Ermittler. Die Stadt war damals ein bedeutender Förderort für Yukos. Jewgeni Rybin soll ins Visier Chodorkowskis geraten sein, weil er Schadenersatzklagen gegen Yukos wegen „illegaler Aktivitäten des Konzerns“ initiiert habe.

Im Zusammenhang mit den nun auch Chodorkowski zur Last gelegten Straftaten wurden bereits mehrere Personen verurteilt, darunter der frühere Yukos-Sicherheitschef Aleksej Pitschugin, der eine lebenslängliche Haftstrafe verbüßen muss. In Abwesenheit wurde zudem ein Urteil gegen Leonid Newslin, einen ehemaligen Geschäftspartner Chodorkowskis, gesprochen.

Bereits am 8. Dezember hatte der Pressesprecher des russischen Präsidenten Dmitri Peskow mitgeteilt, dass die Ermittler zu neuen Erkenntnissen gelangt seien, die Chodorkowski belasteten. Michail Chodorkowski wurde von der russischen Justiz bereits zwei Mal wegen Wirtschaftsverbrechen schuldig gesprochen und verbrachte zehn Jahre in Haft. Im Jahr 2013 wurde er vom russischen Präsidenten Wladimir Putin begnadigt. Er verließ daraufhin Russland und lebt heute im Exil in London.

Eine Auslieferung ist unwahrscheinlich

Michail Chodorkowski bestreitet seine Schuld und spricht von einem „politisch motivierten Verfahren“. Er kritisiert die Politik von Wladimir Putin und rief Anfang Dezember zur „Revolution“ in Russland auf.

Die Politikwissenschaftlerin und Dozentin an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst beim Präsidenten der Russischen Föderation Jekaterina Schulman ist der Meinung, dass der Haftbefehl nicht im Zusammenhang mit den politischen Aktivitäten des früheren Yukos-Haupteigentümers zu sehen sei. Er stelle keine ernst zu nehmende Bedrohung für den Kreml dar. Dennoch sei keine Auslieferung Chodorkowskis zu erwarten: „Es ist klar, dass er nicht nach Russland kommen wird. Der zweite Yukos-Prozess wurde vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) als politisch motiviert bewertet. Niemand wird ihn also ausliefern und Interpol wird auch nicht nach ihm fahnden“, ist sie überzeugt.

Haftbefehl: Hat Chodorkowski einen Mord in Auftrag gegeben?

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