Putin: „Alles gelogen, habe ich gesagt“

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Interviews geben besondere Einblicke – so auch bei dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der erst kürzlich wieder der „Bild“-Zeitung Rede und Antwort stand. RBTH hat die wichtigsten Zitate der vergangenen Jahre zusammengestellt.

„Alles gelogen, habe ich gesagt“, verbessert Putin seinen Dolmetscher während des Interviews mit der „Bild“-Zeitung, das in den letzten Tagen viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Putin wurde gefragt, ob Russland nicht die Terrororganisation „Islamischer Staat“, sondern – wie westliche Medien behaupten – Assad-Gegner in Syrien bombardiere. Seine Antwort hat der Übersetzer etwas weicher mit „Sie sagen alles falsch“ wiedergegeben. Doch Putin scheut sich nicht, seine Weltansicht mit härteren Worten darzulegen. Und wenn auch Schuld oft die anderen tragen, so gibt der Präsident zu, habe Russland selbst einiges falsch gemacht. Interviews wie dieses zeigen, wie Putin die Rolle seines Landes sieht – die wichtigsten Zitate aus den vergangenen Jahren im Überblick. 

 

Putin in der „Bild“-Zeitung: „Die Nato und die USA wollten allein auf dem Thron sitzen“ (Januar 2016)

1. „Die Nato und die USA wollten den vollen Sieg über die Sowjetunion. Sie wollten allein auf dem Thron in Europa sitzen – aber da sitzen sie nun und wir reden über die ganzen Krisen, die wir sonst nicht hätten.“

2. „Wir beanspruchen die Rolle einer Supermacht nicht. Das ist viel zu teuer und unnötig.“

3. „Es war sicherlich schwieriger, Herrn Snowden Asyl in Russland zu gewähren, als es im Fall von Assad wäre.“ 

4. „Für mich sind nicht Grenzen und Staatsterritorien wichtig, sondern das Schicksal der Menschen. (...) Wenn das Volk der Kosovaren das Selbstbestimmungsrecht hat, warum sollen es die Menschen auf der Krim nicht haben?“ 

 

Putin in der ARD: „Nichts anderes als das, was im Kosovo passierte, passierte auch auf der Krim“ (November 2014)

1. „Sind es russische Stützpunkte, die in der ganzen Welt verstreut sind? Nein. Das sind Nato-Stützpunkte. Amerikanische Stützpunkte sind in der ganzen Welt verstreut, unter anderem auch nahe unserer Grenzen.“

2. „Nichts anderes als das, was im Kosovo passierte, passierte auch auf der Krim.“

3. „Wir haben Angst, dass die Ukraine in diese Richtung abdriften könnte, zum Neonazismus. Es sind ja Menschen mit dem Hakenkreuz am Ärmel unterwegs. (...) Wenn es ein zivilisierter Staat ist – wo schaut die Regierung hin? Sie könnte ihnen wenigstens diese Uniformen wegnehmen. (...) Deswegen befürchten wir, dass es ein Abdriften in diese Richtung geben könnte. Das wäre eine Katastrophe für die Ukraine und das ukrainische Volk.“

 

Putin in der ARD: „Die Führung Georgiens selbst hat die territoriale Integrität und Staatlichkeit des Landes untergraben“ (August 2008


1. „Nach dem nicht legitimen Beschluss über die Anerkennung von Kosovo haben alle erwartet, dass Russland die Unabhängigkeit und die Souveränität von Südossetien und Abchasien anerkennen wird. (...) Aber wir haben dies nicht getan. Wir haben uns mehr als zurückhaltend verhalten. (...) Und was haben wir dafür bekommen? Eine Eskalation des Konflikts, den Überfall auf unsere Friedenskräfte, den Überfall und die Vernichtung der Zivilbevölkerung in Südossetien!“

2. „Leute, die ihr Land in eine Katastrophe gestürzt haben – die Führung Georgiens selbst hat mit ihren Handlungen die territoriale Integrität und Staatlichkeit Georgiens untergraben. Solche Menschen dürfen meiner Meinung nach natürlich an gar keiner Staatsspitze stehen. Egal, ob das kleine oder große Staaten sind.“

 

Putin im ZDF: „Schröder und ich duzen uns“ (April 2001)


„Für mich ist der Herr Bundeskanzler der einzige von meinen westlichen als auch östlichen Politikerkollegen, mit dem ich wirklich eine Sprache sprechen kann, im wahrsten wie im übertragenen Sinne des Wortes. (...) Wir duzen uns und sprechen uns beim Vornamen an. Das macht natürlich viele Sachen einfacher und lässt uns aufrichtig über Themen sprechen, wie es mit Politikern dieses Rangs nicht immer möglich ist.“ 

Quelle: Auszug aus dem gemeinsamen Interview von Wladimir Putin und Gerhard Schröder für das ZDF und russische Fernsehen auf der offiziellen Seite des Kremls in russischer Sprache 

Im aktuellen Interview für die „Bild“-Zeitung wurde Putin auch eine Frage zu seinen Beziehungen mit Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder gestellt. „Ich bleibe Schröders enger Freund. Aber in den internationalen Beziehungen zwischen Staaten geht es anders zu: Da bin ich weder Freund noch Braut noch Bräutigam“, antwortete er. Auf die Frage, ob er Merkel vertraue, antwortete Putin ausweichend: „Ja, ich vertraue ihr, sie ist ein sehr offener Mensch. (...) Aber was die Europäische Union mit den Sanktionen aufführt, ist trotzdem nur noch absurdes Theater.“

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