Sorokin: „Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit im Investitionsbereich“

Wiktor Sorokin ist Berufs­di­plomat. Er arbeitete im Kongo und in Frankreich, danach in Genf bei der ständigen UN-Vertretung.

Wiktor Sorokin ist Berufs­di­plomat. Er arbeitete im Kongo und in Frankreich, danach in Genf bei der ständigen UN-Vertretung.

Editpress/Jean-Claude Ernst
Wiktor Sorokin, der neue russische Botschafter in Luxemburg, trat am 15. Feb­ruar seinen Dienst an. RBTH hat sich mit dem Diplomaten getroffen, um über die wichtigsten Fragen der Beziehungen beider Länder zu sprechen.

Als eines der Kernziele Ihrer Tätigkeit im neuen Amt formulieren Sie die Entwicklung der russischen und luxemburgischen Wirtschaft. Welche Schritte müssen Ihrer Ansicht nach un­ternommen werden?

Es ist unerlässlich, das akkumulierte „Kapital“ der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu erhalten und zu mehren. Angesichts der heutigen Abkühlung zwischen Russland und den westlichen Ländern dürfen keine Rückschritte zugelassen werden. Schließlich wurde am 7. März das 125-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen beider Länder begangen.

Bei den Prioritäten ist die Zusammenarbeit im Investitionsbereich besonders hervorzuheben. Luxemburg nimmt den dritten Platz beim gesamten Investi­tionsvolumen in Russland nach Zypern und den Niederlanden ein und den zweiten Platz nach Zypern bei Direktinvestitionen. Auf das Jahr 2015 gesehen ist der Umfang direkter Investitionen Luxemburgs in Russland im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Ich hoffe, dieser Trend ändert sich in nächster Zeit.

Welche Branchen sollten russische und luxemburgische Wirtschaftsvertreter vom Standpunkt der Investitions­attraktivität aus ins Auge fassen?

Der Finanz-, Innovations- und Weltraumsektor sind es wert, in Betracht gezogen zu werden. Auch die Logistik verdient Interesse: die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit in den Logis­tik-Hubs für europaweite Warenströme etwa – im Luxair Cargo Center, im Luxembourg Freeport oder im multimodalen Hub in Bettemburg. Ungeachtet des instabilen Umfelds in der Wirtschaftskooperation bleiben Investitionen in den Realsektor zukunftsweisend. 2015 haben luxemburgische Unternehmen die Weiterentwicklung ihrer Produktionen in Russland fortgesetzt. In Toljatti (Region Samara) hat Accumalux ein Werk für Fahrzeugkomponenten eröffnet. Zudem wurde ein Vertrag zwischen der luxemburgischen Paul Wurth und der russischen NLMK-Group unterzeichnet.

Was würden Sie über luxemburgische Unternehmen in den russischen Regionen sagen?

Letztes Jahr haben luxemburgische Wirtschaftsdelegationen Moskau, Sankt Petersburg, die Regionen Murmansk, Samara, Wolgograd, Nischni Nowgorod und Chabarowsk besucht. Vertreter des Ministeriums für die Entwicklung des Fernen Ostens haben dem Großherzogtum einen Besuch abgestattet, um die Erfahrungen luxemburgischer Kollegen bei der Anwendung des Rechtstatus eines freien Hafens zu erkunden. Im Zuge der Verhandlungen haben die Seiten vereinbart, ihre Kontakte mit dem Ziel der gemeinsamen Entwicklung des freien Hafens in Wladiwostok fortzusetzen.

Am 18. Februar 2016 hat in Moskau ein wichtiges Ereignis für die Beziehungen stattgefunden: die Sitzung der Gemischten Kommission für Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und der Benelux-Union. Auf der Sitzung legte Dmitrij Rogosin, Vizepremier der Russischen Föderation, luxemburgischen Unternehmen die Pläne der russischen Regierung zur administrativen Unterstützung derjenigen dar, die bereit sind, die Wirtschaft im Fernen Osten und in Sibirien zu entwickeln. Momentan sprechen wir über die Organisa­tion einer Reise von Spitzenvertretern der luxemburgischen Wirtschaft in die Region mit der Option auf den Besuch der größten Industriezentren, beispielsweise in Wladiwostok und Irkutsk.

Ungeachtet der Krisensituation in der russischen Wirtschaft und der EU-Sanktionen ist das Handelsvolumen im vergangenen Jahr gestiegen. Worauf ist Ihrer Ansicht nach der stetige Anstieg zurückzuführen?

Leider ist die Situation nicht so positiv, wie Sie sagen. Der negative Einfluss der antirussischen EU-Sanktionen und der von unserem Land unternommenen ­Gegenmaßnahmen konnte nicht ohne Auswirkung auf die Handelsbeziehungen bleiben. Aufs Jahr 2015 gesehen ist das Handelsvolumen zwischen Russland und Luxemburg im Vergleich zu 2014 um 26,4 Prozent zurückgegangen. Russlands negative Handelsbilanz ­
mit Luxemburg belief sich in 2015 auf ­
56,9 Millionen Euro. Trotzdem ­de­
mons­trieren die Wirtschaftskreise beider Länder selbst unter den Bedingungen des nicht immer legitimen Kurses der EU bei der Erhaltung des Sanktionsdrucks auf Russland ein weiterhin nicht nachlassendes gegenseitiges Interesse.

Welche weiteren Aspekte der Zusammenarbeit halten Sie für besonders wichtig?

Ich setze große Hoffnung auf den Austausch im Bereich der Kultur, Bildung und Wissenschaft. Eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit in den genannten Bereichen wurde bereits am 28. Juni 1993 unterzeichnet. Vor Kurzem kam das Ausführungsprotokoll für den Zeitraum zwischen 2015 und 2018 hinzu. Das Russische Zentrum für Wissenschaft und Kultur und die Vertretung von Rossotrudnitschestwo dienen der Festigung kultureller Beziehungen. Für das laufende Jahr planen sie zahlreiche Bildungs- und Kulturevents, die bedeutenden Daten der russischen ­Geschichte und Kultur gewidmet sein werden.

Herr Botschafter, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Biografie

Wiktor Sorokin (59) ist Berufs­di­plomat. 1978 schloss er sein Studium an der Fakultät für Internationales Recht am Moskauer Institut für Internationale Beziehungen ab. Er arbeitete im Kongo und in Frankreich, danach in Genf bei der ständigen UN-Vertretung. Von 1999 bis 2016 koordinierte er die russischen Beziehungen zu der Ukraine, Weißrussland und Moldawien.

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