Roldugins Panama-Konten: Alles für die Kunst?

"Ich wollte nur die besten Instrumente, die besten Professoren, die besten Konzertsäle haben. (…) Das kostet wahnsinnig viel Geld“, sagte Roldugin zu seinem Geschäft.

"Ich wollte nur die besten Instrumente, die besten Professoren, die besten Konzertsäle haben. (…) Das kostet wahnsinnig viel Geld“, sagte Roldugin zu seinem Geschäft.

EPA / Vostock-photo
Der Putin-Vertraute und bekannte Cellist Sergej Roldugin spielt eine Schlüsselrolle bei der Verwicklung russischer Staatsbürger in den „Panama Papers“-Skandal. Dass er ein großes Vermögen besitzt, bestreitet der Künstler nicht. Doch werde es vor allem eingesetzt, um Gutes zu tun.

In den sogenannten Panama Papers tauchen unter anderem die Namen bekannter Russen auf. Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich inzwischen dazu geäußert und zuletzt auch Michail Piotrowski, Direktor der Sankt Petersburger Eremitage. Auch das russische Staatsfernsehen hat nun versucht zu erklären, woher die Milliarden auf den Offshore-Konten stammen.

Am Sonntag berichtete der Fernsehsender Rossija 1 in der Sendung „Westi njedeli“ (zu Deutsch: „Nachrichten der Woche“) über das Panama-Dossier und die russischen Akteure – allen voran über Sergej Roldugin, einem berühmten russischen Cellisten und engen Putin-Freund. Er soll in Trusts und Offshore-Firmen ein Milliardenvermögen angelegt haben. Das behauptet jedenfalls das Internationale Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ), das die Panama Papers recherchiert hat. In der Sendung kam Roldugin auch selbst zu Wort.

Alles für die Kunst

Sein guter Freund, der russische Präsident, hatte zuvor schon Partei für den Cellisten ergriffen. Roldugin sei zwar, wie „viele kreative Menschen in Russland“ auch unternehmerisch tätig. „Er ist Minderheitsgesellschafter in einem unserer Unternehmen und verdient damit Geld“, sagte Putin. Um große Summen gehe es dabei jedoch nicht.

Es ist bekannt, dass Roldugin Minderheitsaktionär der Bank Rossija ist. Laut den Bankunterlagen erwarb er 2005 im Rahmen einer Folgeemission 3,96 Prozent der Aktien für damals umgerechnet 13 Millionen US-Dollar. Zudem hätten namentlich nicht bekannte russische Kunstförderer ihn unterstützt, damit Roldugin nicht um finanzielle Mittel für die Kultur „betteln“ müsse. Dass er das in der Vergangenheit schon hätte machen müssen, gehört zu den Geschichten, die Roldugin selbst gerne erzählt:

„Ich lief herum und schnorrte bei allen möglichen Leuten, denn die Instrumente sind sehr teuer. (…) Ich wollte nur die besten Instrumente, die besten Professoren, die besten Konzertsäle haben. (…) Das kostet wahnsinnig viel Geld.“ Roldugin sei es gelungen, genug Geld zu verdienen, um im Ausland sehr teure Instrumente zu erwerben, die er dann staatlichen Einrichtungen in Russland übergeben habe. Er habe dafür nahezu alle Einnahmen aus seinen geschäftlichen Tätigkeiten eingesetzt, sagte Putin in dem TV-Beitrag.

Ein weiteres Anlagevermögen Sergej Roldugins, in das sehr viel Geld geflossen ist, ist der Alexej-Alexandrowitsch-Palast an der Mojka, einem kleinen Fluss in Sankt Petersburg. Dort ist das Haus der Musik untergebracht, dessen künstlerischer Leiter der Cellist seit 2005 ist. Roldugin betrachtet sich als Bewahrer des historischen Gebäudes.

Der Alexej-Alexandrowitsch-Palast in Sankt Petersburg. Foto: Witold Muratow / wikipedia.org

Zuvor sei es an diesem Ort  immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen, gar von „Schießereien“ erzählt Roldugin. Im Inneren hätten sich „aufgedonnerte junge Frauen mit allen möglichen Banditen“ herumgetrieben. Das Unternehmen, das das Gebäude gepachtet hatte, habe die Immobilie vernachlässigt. Im Keller habe Wasser gestanden, der Palast sei bewusst heruntergewirtschaftet worden, um „das Gebäude dann abreißen oder für einen symbolischen Rubel kaufen zu können“, so Roldugin. „Wir haben den Palast faktisch gerettet.“

Welche Rolle spielt das FBI?

Der Sendebeitrag von Rossija 1 thematisierte auch die Briefkastenfirmen Roldugins in Panama. Auf den Firmenkonten liegen ICIJ-Recherchen zufolge Gelder russischer Staatsunternehmen. Sie waren, so hieß es in der Sendung, Teil eines FBI-Sondereinsatzes und dienten als Tarnung.

Der Hintergrund laut Rossija 1: 2008 erfuhr die Behörde vom Interesse US-amerikanischer Geheimdienste an russischen Telekommunikations-Aktiva. Das bestätigte ein Mitarbeiter des FBI in der Sendung. Vor allem die Holding National Telecommunications des russischen Unternehmers Suleiman Kerimow geriet demnach in den Fokus der US-Ermittler.

Fast sei es den USA gelungen, den russischen Kabelfernseh- und Internetbetreiber, der viele Millionen Zuschauer erreicht, von Kerimow zu übernehmen. Der hätte für den Verkauf bereits Aktiva in Offshore-Firmen überführt. Als aber klar wurde, dass hinter dem geplanten Verkauf ausländische Betreiber steckten, sei beschlossen worden, die Aktiva schnellstmöglich nach Russland zurückzuführen.

Zu diesem Zeitpunkt seien die Aktien von National Telecommunications auf anderthalb Milliarden US-Dollar taxiert gewesen. Einen solchen Betrag habe der Staat nicht kurzfristig an einen Offshore-Finanzplatz überweisen können, was jedoch zur Bedingung gemacht worden sei. „Der Rückkauf der Kabelnetze hat unbedingt dort zu erfolgen“, soll das FBI erklärt haben. Um keine Zeit zu verlieren, soll sich der Staat daher an die Geschäftswelt gewendet haben. Ende April 2008 kaufte ein Pool russischer Unternehmen sämtliche Aktien über Offshore-Firmen in Panama auf und übergab alle Anteile dem Staatsunternehmen Rostelekom.

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