Donald Trump: Ein besserer Präsident für Russland?

Donald Trump.

Donald Trump.

Reuters
Donald Trump im Weißen Haus scheint eine gute Wahl für Russland, kritisiert er doch offen die Nato und bescheinigte Wladimir Putin „Cleverness“. Doch Vorsicht ist angebracht, meint Wladimir Mikheew. Trump wird die US-Politik nicht alleine bestimmen.

Für ein Land wie die USA mit ihrem großen Arsenal an Nuklearwaffen und ihren Schulden  in Höhe von 19 Billionen US-Dollar, die, sollte die Spekulationsblase einmal platzen, die Weltwirtschaft zum Einsturz bringen könnten, ist die Wahl der Führungskräfte von essenzieller Bedeutung. Bei den laufenden Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl in diesem Jahr polarisiert keiner der Kandidaten, die die Nominierung durch ihre Partei anstreben, die öffentliche Meinung mehr als Donald Trump.

Eine gute Frage

Russische Bürger sind alarmiert, hören sie von Trumps Äußerungen über seine angebliche Kompetenz, mit Putin verhandeln und einen konstruktiven Dialog führen zu wollen. Sie klingen nämlich erstaunlich bekannt, erinnern sie doch an die frühen Versuche Obamas, die Beziehungen mit Russland „neu zu starten“.

Ich würde allerdings den Ball flach halten, was diesen Neustart im Falle einer tatsächlichen Präsidentschaft Trumps betrifft. Dieses Amt bringt ihn nicht automatisch in eine Position, aus der er die Außenpolitik des Landes lenken und alle bestehenden Machtzentren der US-amerikanischen Politik- und Wirtschaftselite in Einklang bringen könnte. Ich traue Trump nicht zu, eine neue Ära der Entspannungspolitik in die Wege zu leiten.

Nichtsdestoweniger ist Trumps Einstellung zur Nato, die er für eine kostspielige Unternehmung mit wenig Nutzen für die USA hält, ein willkommener Stimmungswechsel. Zitat Trump: „Wir können uns das sicherlich nicht mehr leisten.“ Dennoch ist alles andere als sicher, dass er bei einem Amtsantritt im Weißen Haus das amerikanische Engagement in der Nato und die finanzielle Unterstützung der Allianz tatsächlich so signifikant einschränken würde, wie er das derzeit verkündet.  

Wahrscheinlicher ist, dass die Beziehungen zur Nato unter einem Präsidenten Trump vorhersehbarer werden. „Warum sind es immer wir, die führen müssen, möglicherweise sogar den Dritten Weltkrieg gegen Russland?“, fragte er in Richtung der europäischen Verbündeten der USA. Das ist eine gute Frage.

Ich, der im ehemaligen „Reich des Bösen“ lebt, wie es Ronald Reagan so schön formuliert hat, bin mir sehr wohl bewusst, dass meine Landsleute den westlichen Militärapparat fürchten, der in den letzten Jahrzehnten seine Fühler in Richtung russischer Grenzen ausgestreckt hat. Die Neubewertung der nordatlantischen Allianz durch Trump ist ein Schritt in eine Richtung, die vielen Russen gefallen würde: das Zugeständnis, dass die Nato ein Überbleibsel des Kalten Krieges ist.

Ein harter Brocken

In der Politik geht es sowohl um politische Entscheidungen als auch um Wahrnehmungen. Von der Persönlichkeit des US-Präsidenten hängt direkt ab, was andere Nationen von ihm erwarten und inwiefern sie bereit sind, mit der US-amerikanischen Staatsführung zusammenzuarbeiten.

Nach russischem Verständnis ist Trump eigentlich ein gefährlicher Ketzer. Er schlägt dreist vor, Muslimen die Einreise in die USA temporär zu verbieten, und attackiert Mexikaner und andere lateinamerikanische Migranten auf eine unverschämte Art und Weise. Eine solch offensichtlich rassistische und voreingenommene Einstellung würde in Russland niemals akzeptiert werden.

Mit seiner ethnisch vielfältigen und multikonfessionellen Bevölkerung ist Russland ein Vielvölkerstaat und nicht nur ein christliches, sondern auch ein muslimisches Land. Wir sind auf Toleranz angewiesen und können uns solche Verbalattacken nicht leisten. Trumps Unterstützung durch rassistische Gruppierungen ist ebenfalls eine besorgniserregende Entwicklung. Trump ist definitiv nicht „einer von uns“ und wäre sicherlich ein harter Brocken, sollte er tatsächlich die Nummer eins in Washington werden.

The American Way of Perestroika?

 

Aus den Reaktionen vieler Internetnutzer auf Medienberichte über den Präsidentschaftskandidaten wird jedoch ersichtlich, dass viele US-Amerikaner mit der Vorherrschaft der Familien Bush und Clinton in den vergangenen 25 Jahren die Nase voll haben. Viele fragen: „Was haben wir jetzt für eine Alternative?“

Es läuft darauf hinaus, dass Trump die Alternative ist. Der gesunde Menschenverstand sagt aber, dass nicht alle Alternativen bessere Zukunftsperspektiven bieten als die altgewohnten Strukturen mit der alten Garde an der Spitze.

Eine realistische Chance besteht, dass die USA mit Trump an der Spitze sich zum Besseren verändern könnten. Denn in der Regierung wären Personen neu vertreten, die weder mit den „Missionaren“ aus dem demokratischen Lager noch mit den republikanischen „Neokonservativen“ verbunden sind. Es stellt sich die Frage, ob die Amerikaner offen für eine US-Version der Perestroika sind, deren Endergebnisse alles andere als vorhersagbar sind.

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