Der Föderale Dienst für Bewachung: Mehr als Personenschutz

Maxim Shemetov / TASS
Präsident Putin hat einen neuen Direktor des Föderalen Dienstes für Bewachung (FSO) ernannt und dessen langjährigen Chef in den Ruhestand verabschiedet. Der FSO ist weit mehr als Personenschutz. Er ist ein riesiger Machtapparat.

Der Föderale Dienst für Bewachung (FSO) ist eine mächtige, multifunktionale und streng geheime Institution, die ihresgleichen innerhalb der russischen Machtstrukturen sucht. Über seine Aktivitäten kann man nur mutmaßen. Es gibt über ihn keine öffentlich zugänglichen Informationen.

Chef des FSO war 16 Jahre lang General Jewgeni Murow, ein langjähriger Weggefährte des russischen Präsidenten. Beide kommen aus St. Petersburg. Nur elf Tage nach dem ersten Amtsantritt von Putin wurde Murow FSO-Direktor. Letzten Donnerstag entband Wladimir Putin General Murow von seinen Pflichten und ernannte an dessen statt seinen bisherigen Stellvertreter, den Moskauer Dmitri Kotschnjow, zum Nachfolger.

Murows Ausscheiden wurde von offizieller Seite mit dem Erreichen der Altersgrenze für einen Beamten erklärt. Im November letzten Jahres beging der General, der zu einem der einflussreichsten Menschen des Landes geworden war, seinen 70. Geburtstag. Die Medien hatten schon lange über seinen bevorstehenden Rücktritt spekuliert.  

Über seinen Nachfolger ist nur sehr wenig bekannt. Eine offizielle Biografie gibt es nicht. Bekannt ist nur, dass er ab Ende 2015 Chef des Sicherheitsdienstes des Präsidenten war, der Teil des FSO ist. Seine Frau soll im selben Jahr laut Einkommenssteuererklärung 58,1 Millionen Rubel (etwa 745 000 Euro), mehr als alle anderen Mitarbeiter, verdient haben. Über den strenggeheimen FSO weiß man da schon etwas mehr.

Schutz des ersten Mannes hat höchste Priorität

Die Wurzeln des FSO reichen zurück zum KGB, einem Staatsorgan aus Sowjetzeiten mit sehr weitreichenden Befugnissen. Dieser Geheimdienst war, ähnlich des FSO heute, unter anderem für die Sicherheit führender Funktionäre zuständig.

Über die Aufgabe des FSO, das „Objekt Nummer 1“ zu schützen, ist am meisten bekannt. Seit 15 Jahren kursieren Gerüchte, dass bei riskanten Auftritten von Präsident Putin, wie etwa beim Tauchen bis zum Grund des Baikalsees oder beim Kampfjetfliegen, FSO-Mitarbeiter als Putin-Double eingesetzt wurden.

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Beim FSO arbeiten nur absolut vertrauenswürdige Personen. Manchmal sind sie in schwarzen Anzügen gekleidet und tragen einen Enpfänger im Ohr. Ein andermal mischen sie sich als Zivilisten unter die Menschenmassen. Allerdings unterliegen auch FSO-Leute gelegentlich der Versuchung, ein paar Selfies vom Arbeitsplatz in soziale Netzwerke hochzuladen. Journalisten fanden bereits des Öfteren solche Bilder sowie private Informationen über die Sicherheitsleute des FSO. Sie beschützen übrigens nicht nur den Präsidenten, sondern auch Richter, Zeugen und Beamte. Auch der Gebäudeschutz wie des Kremls oder der Staatsduma gehören zu ihren Aufgaben. Unter General Murow kämpfte der FSO lange und offensichtlich erfolgreich um weitere Befugnisse und den Status des wichtigsten russischen Geheimdienstes in der Auseinandersetzung mit seinem Hauptkonkurrenten, dem FSB (Föderaler Dienst für Sicherheit der Russischen Föderation).

Kontrolle über Milliarden

Mitte der 2000er war der FSO gemeinsam mit anderen Geheimdiensten an den Konfrontationen zwischen den Militärs aus der nahen Umgebung des russischen Präsidenten beteiligt. Diese Auseinandersetzungen begannen nicht nur wegen der Nähe zum „Objekt Nummer 1“, sondern auch wegen der Kontrolle über Zahlungsströme, Vermögenswerte und Ressourcen. Im Jahr 2007 wurde der Konflikt öffentlich. Vom „Bruderzwist der Geheimdienste“ sprachen damals nicht nur die wichtigsten Medien des Landes, sondern auch die Leiter der jeweiligen Dienste.

Auseinandersetzungen des FSO gab es mit dem FSB sowie mit dem Präsidialamt, in dem „Putins Wachen“ die Oberhand behielten. Der Kampf entfaltete sich rund um die Besitztümer des Landes. Das Präsidialamt verwaltet Sanatorien, Bau- und Transportorganisationen, Lebensmittelkombinate für die föderalen Einrichtungen sowie Staatsimmobilien im Ausland und dutzende Entwicklungsprojekte.

Unter den bedeutendsten „Aktiva“ des FSO befindet sich das ihm angeschlossene Unternehmen „Ateks“. Die „Tochter“ des FSO entstand durch ein Dekret seines damaligen Direktors Murow aus dem Jahr 2003. Das Unternehmen ist verantwortlich für den Bau von föderalen Objekten und die Verwaltung des Staatshaushalts. Dabei geht es um Staatsverträge und Ausschreibungen in Millionen- und Milliardenhöhe beispielsweise die Aufarbeitung der Mauern und Türme des Kremls oder die Restaurierung des Tschaikowski-Konservatoriums.

Soziologische Untersuchungen für den Präsidenten

Der FSO ist als Geheimdienst in der Tat fast allmächtig. Seine Mitarbeiter haben das Recht Ermittlungen zu führen, abzuhören, Korrespondenzen mitzulesen, Bürger festzunehmen, Häuser zu durchsuchen oder Autos zu beschlagnahmen.

Bei der Überwachung von Behörden und anderen Objekten sind die FSO-Mitarbeiter gleichzeitig auch für die jeweiligen Zufahrtsstraßen verantwortlich. Unter ihrer Kontrolle steht jede zwölfte Straße Moskaus. Über diejenigen, die das vermeintliche Glück haben, dort zu wohnen, werden traditionell Akten angelegt.

Zudem beschäftigt sich der FSO mit soziologischen Studien der Bevölkerung sowie Ratings von Partei- und Oppositionsführern. Auch die Beobachtung der sozioökonomischen Situation in den Regionen gehört dazu. Natürlich handelt es sich dabei um vertrauliche Dokumente. Diese Daten werden für die Führung des Landes gesammelt. Es wird vermutet, dass sich der Präsident, der Sicherheitsrat und die Regierung an eben diesen Daten orientieren, wenn wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen. Der FSO hat wohl auch seine Hände im Spiel, wenn einer der Gouverneure seinen Rücktritt aufgrund eines Vertrauensverlusts erklärt.

Eine der letzten Erweiterungen der Befugnisse des FSO ist die Entwicklung eines Intranets für die russischen Behörden, der nun auch für die sichere verschlüsselte Kommunikation der Staatsorgane verantwortlich ist.

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