Warum Russland seine Luftwaffe aus dem Iran abziehen muss

Die iranische Regierung fühlt sich von Russland vor den Kopf gestoßen.

Die iranische Regierung fühlt sich von Russland vor den Kopf gestoßen.

AP
Die russische Luftwaffe wird den Luftstützpunkt Hamadan im Iran zunächst nicht weiter für Angriffe in Syrien nutzen. Laut Militär- und Nahost-Experten sei der erste Versuch einer militärischen Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran aufgrund diplomatischer und technischer Fehler seitens Moskaus misslungen.

Russische Luftstreitkräfte stellen die Nutzung des iranischen Luftstützpunktes Hamadan im Kampf gegen den IS in Syrien ein. Das gab der Zweisternegeneral und Sprecher des Verteidigungsministeriums Igor Konaschenkow gestern bekannt. Konaschenkow teilte mit, dass die Bomber die von ihnen gestellten Aufgaben erfüllt hätten. Die Kampfjets, die von Hamadan Einsätze flogen, würden nun zurück nach Russland beordert.

Der Luftstützpunkt in der Islamischen Republik könnte wieder genutzt werden, alles hänge von der Lage in Syrien ab, betonte der Sprecher. Die offizielle Stationierung russischer Kampfjets im Iran wurde erst vor rund einer Woche bekannt gegeben.

Einseitige Kommunikation aus Russland

„Die Russen wollen sich als Großmacht präsentieren, um sich einen Einfluss auf die zukünftige politische Lage in Syrien zu sichern. Das geht natürlich nicht ohne ein gewisses Prahlen und unfaires Benehmen“, sagte der iranische Verteidigungsminister Hossein Dehghan im Interview mit der Presseagentur „Associated Press“, nachdem die russische Stationierung in Hamadan verkündet worden war.

Der stellvertretende Leiter des GUS-Instituts und Militärexperte Wladimir Jewsejew meint, Teheran reagiere sehr empfindlich auf die fehlende Abstimmung russischer Politiker mit der iranischen Seite. „Teheran ist ein schwieriger Partner und die Informationen, die man für die Medien bereitstellt, müssen mit dem Iran abgestimmt werden. Man hätte ein Treffen des iranischen Botschafters Mehdi Sanai mit dem russischen Außenminister Lawrow organisieren müssen. Dann hätten beide die Nutzung des Stützpunktes gemeinsam bekannt machen können“, betont der Experte. „Und was haben wir getan? Wir haben die Informationen über unser Militär einseitig an die Medien weitergegeben.“ Zudem gebe es einige politische Gründe, die einen Abzug der russischen Bomber nötig mache.

Kooperation mit dem Iran löst politische Spannungen aus

Russland müsse unter anderem auch mit Saudi-Arabien über eine Lösung des Syrienkonflikts verhandeln, meint Jewsejew. Die Stationierung russischer Truppen beim Erzfeind Saudi-Arabiens sorge in Riad für Empörung, betont der Experte. Auch für die Friedensverhandlung sei die Stationierung ein Problem, glaubt Jewsejew: „Während der Genf-III-Verhandlungen muss Russland mit allen Konfliktparteien zusammenarbeiten: sowohl mit westlichen Partnern, als auch mit der syrischen Opposition. Für alle Gesprächspartner ist die Nutzung des Luftstützpunktes durch russische Kampfjets ein Störfaktor.“

Probleme bei der Umsetzung

Bereits früher nutzte Russland den Luftstützpunkt in Hamadan für die Betankung seiner Flugzeuge, nämlich während der Truppenverschiebung nach Hmeimim vor dem Einsatz der Luftwaffe in Syrien im Herbst 2015. „Der Luftstützpunkt wurde ursprünglich als eine Ersatztankstelle für unsere Kampfjets genutzt. Genauso war es auch im Fall der Tu-22M3-Bomber, die dort nur einen Zwischenstopp machten, um Wartungsarbeiten durchzuführen und dann weiterzufliegen“, sagt Nina Mamedowa, Leiterin der Iran-Abteilung am Institut für Asienstudien der Russischen Akademie der Wissenschaften. Laut Experten zeigten die russischen Bomber nach den ersten zwei Einsatztagen in diesem Monat einige technische Probleme.   

Damit die russischen Luftstreitkräfte richtig arbeiten könnten, hätte man im Iran einen Führungspunkt mit entsprechenden Fernmeldewegen einrichten müssen. Zudem bräuchte man ein Munitionslager für die Tu-22M3-Bomber: Jeder Kampfjet kann bis zu 20 Tonnen Munition transportieren. Dieses Lager müssten gewartet und überwacht werden. „Der Status der russischen Militärs im Iran ist auch ungeklärt. Wenn etwas passiert, würde das große Probleme nach sich ziehen. Eine diplomatische Immunität wie für Soldaten in Syrien gibt es im Iran nicht“, erzählt Jewsejew.

Iranische und russische Politiker müssten ein Abkommen schließen, das alle technischen und diplomatischen Fragen regelt. Erst dann könne das russische Militär in der islamischen Republik arbeiten und den Luftstützpunkt mieten und benutzen.

Militärische Zusammenarbeit sollte fortgeführt werden

Dabei betrachten Experten den Abzug der russischen Luftwaffe als eine vorübergehende Erscheinung. „Die russischen Luftstreitkräfte sind beinahe der einzige Schutz für iranische Soldaten in Syrien. Laut neuesten Informationen sind bislang mindestens 400 iranische Soldaten gefallen. Das sind große Verluste“, betont Jewsejew. Man müsse die Zusammenarbeit und die Nutzung von Hamadan klar regeln, meinen Experten. Sollte sich die Lage in der Region aber zuspitzen, könnten russische Kampfjets sofort zurückkehren.

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