Drei Jahre Russland: Das Leben von Edward Snowden

Edward Snowden wird bei einer Pressekonferenz am 14. September 2016 in New York via Skype live zugeschaltet.

Edward Snowden wird bei einer Pressekonferenz am 14. September 2016 in New York via Skype live zugeschaltet.

Reuters
Vor drei Jahren ist er in Russland gestrandet: Edward Snowden, der weltberühmte Whistleblower. Heimisch ist er hier seitdem nicht geworden, stattdessen quält ihn Heimweh. Bei einer Rückkehr in die USA droht Snowden jedoch die Strafverfolgung. Seine letzte Chance: die Begnadigung durch Präsident Obama.

Seit Edward Snowden im Jahr 2013 die Bespitzelung von Bürgern und führenden Politikern durch den US-Geheimdienst NSA aufdeckte, ist er auf der Flucht. In den Vereinigten Staaten warten ein Gerichtsprozess und, sehr wahrscheinlich, eine langjährige Haftstrafe auf den Whistleblower. Dennoch will er zurück in die USA. Das behauptet zumindest US-Regisseur Oliver Stone, dessen Film über Snowden ab Donnerstag in den deutschen Kinos läuft. In einem Interview mit der „Huffington Post“ sagte Stone: „Ed liebt die Vereinigten Staaten und will nach Hause zurück.“

Snowden selbst betont immer wieder, dass Russland für ihn nur ein vorübergehendes Zuhause sei. Der frühere CIA-Mitarbeiter äußerte zuletzt vergangene Woche im Gespräch mit „The Guardian“ die Hoffnung, von US-Präsident Barack Obama begnadigt zu werden. Viel Zeit bleibt nicht mehr, Obamas Amtszeit endet im Januar 2017. 

In Russland gelandet sei er nur zufällig, sagte Snowden im Interview. Moskau sei im Juni 2013 zunächst nur als Zwischenstopp auf dem Weg nach Lateinamerika vorgesehen gewesen. Die US-Regierung habe jedoch seinen Ausweis für ungültig erklärt, sodass er keine andere Wahl gehabt habe. Russland war zudem als einziges Land bereit, Snowden Asyl zu gewähren. Im August 2014 erhielt er eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis.

Wo genau der Whistleblower wohnt, ist nicht bekannt – mitten in der russischen Hauptstadt oder doch eher in der Umgebung? Er kann sich zumindest offenbar frei in Russland bewegen. Der Zeitung „The Nation“ erzählte er von einem Besuch in Sankt Petersburg, wo es ihm gut gefallen habe.

Seine Welt ist das Internet

Am liebsten verbringe er seine Zeit zu Hause am Computer, denn er sei ein Stubenhocker, gestand Snowden Reportern. Er lebe gewissermaßen im Internet. Zwar beherrsche er die russische Sprache mittlerweile gut genug, um sich etwas zu Essen zu bestellen, doch seine Alltagssprache bleibe Englisch. Und das ganz bewusst: Er wolle in Russland gar nicht sesshaft werden. Auch seinen Lebensunterhalt bestreitet Snowden durch das Internet. Er bietet Webinare und Softwarelösungen an, die die Cybersicherheit von Journalisten erhöhen.

Trotz der Flucht hielt er den Kontakt mit seiner Familie. Seine Freundin Lindsay Mills ist 2014 gar eigens nach Russland gezogen, um mit Snowden zusammen sein zu können. Im Oktober 2013 besuchte auch der Vater seinen Sohn in Russland.

Kritik am Gastland

Im September 2015 kritisierte Snowden die Internet-Politik des Kremls sowie die Missachtung der Rechte sexueller Minderheiten in Russland. Fundamental falsch sei „das Bestreben der russischen Regierung, das Internet immer mehr zu kontrollieren und festzulegen, was für Menschen angemessen oder unangemessen beim Ausdruck ihrer Liebe ist“, sagte er „The Guardian“.

Auch die im Juli 2016 verabschiedeten Anti-Terror-Gesetze (das sogenannte Jarowaja-Gesetzespaket) kritisierte er vehement: „Putin hat ein neues repressives Gesetz unterzeichnet, das nicht nur die Menschenrechte verletzt, sondern auch den gesunden Menschenverstand. Ein schwarzer Tag für Russland“, twitterte er. Das Gesetzespaket, welches die Telekommunikationsdienstleister dazu verpflichtet, den E-Mail-Verkehr und die Telefonate der Nutzer zu speichern und bei Bedarf an Sicherheitsbehörden auszuhändigen, bezeichnete er als „Big-Brother-Gesetz“.

Der Kreml reagierte auf die Kritik gelassen: „Er lebt in Russland, was nicht heißt, dass ihm etwas aufgezwungen wird“, sagte der Sprecher des russischen Präsidenten Dmitrij Peskow. „Es gibt eine Diskussion. Das ist absolut normal.“

Was bringt die Zukunft?

Wie stehen die Aussichten auf eine Rückkehr in die US-amerikanische Heimat? Experten haben Zweifel, dass Obama den Whistleblower begnadigen wird. „Obama reagierte recht scharf darauf, dass Snowden plötzlich in Russland auftauchte. Ich denke nicht, dass er seine Meinung ändern wird“, sagt etwa Jurij Rogulew, Direktor der Franklin-Roosevelt-Stiftung für Amerikastudien.

Snowdens Zukunft bleibt also unklar. Sein russischer Anwalt, Anatolij Kutscherena, erklärte, sein Mandant wisse noch nicht, wie es für ihn nach dem Ablauf der russischen Aufenthaltserlaubnis im August 2017 weitergehen wird: „Das Leben ist überraschend und vielfältig. Wer weiß schon, wie sich alles wenden wird“, sagte der Anwalt der Nachrichtenagentur Interfax.

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