Putin ernennt neuen Chef des Auslandsgeheimdienstes

Der neue Leiter des Auslandsgeheimdienstes Sergej Naryschkin ist ein guter Freund Putins.

Der neue Leiter des Auslandsgeheimdienstes Sergej Naryschkin ist ein guter Freund Putins.

Reuters
Wladimir Putin hat einen neuen Leiter des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR ernannt – Russlands Chefspion ist nun der bisherige Duma-Präsident und langjährige Freund des russischen Präsidenten Sergej Naryschkin.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat seinen langjährigen Gefolgsmann Sergej Naryschkin am vergangenen Donnerstag aus dem Amt des Duma-Präsidenten entlassen. Der studierte Ökonom übernimmt stattdessen die Leitung des Auslandsgeheimdienstes SWR. Putins treuer Gefährte seit den gemeinsamen Zeiten in Sankt Petersburg wird damit zum Nachfolger von Michail Fradkow, der die russische Auslandsspionage neun Jahre lang leitete.

Fradkow hatte vor seiner Ernennung zum SWR-Chef keinerlei Verbindungen zum Geheimdienst. Ganz anders sein Nachfolger: Sergej Naryschkin kehrt dorthin zurück, wo er angefangen hat. Ende der Siebziger kam er in die Erste Hauptabteilung des KGB: das Ressort für Auslandsspionage. Später wurde der Bereich in eine eigenständige Struktur, den SWR, ausgelagert.

Agent des Vertrauens

Offiziell verlässt Fradkow den SWR aus Altersgründen. Er wechselt zum staatlichen Bahnkonzern RZD, wo er dem Aufsichtsrat vorstehen wird. Hinter den Kulissen aber heißt es, der Kreml sei mit seiner Arbeit beim SWR unzufrieden. Es gehe um interne Abläufe des Geheimdienstes und die „übermäßig optimistischen Berichte der Auslandsaufklärung über die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union zum Freihandelsabkommen“, berichtet das Nachrichtenportal „Slon Magazine“.

Sergej Naryschkin soll also frischen Wind in die etwas verkrusteten Amtsstuben des SWR bringen. Zudem verspricht der Chefposten für Putins treuen Gefolgsmann eine durchaus einträgliche Entlohnung. Laut Einkommensklärung betrug das Gehalt des SWR-Chefs im letzten Jahr rund 20 Millionen Rubel, also etwa 270 000 Euro – damit ist es das höchste Gehalt aller russischen Geheimdienstchefs.

Im Unterschied zum fachfremden Fradkow sei Naryschkin den Belangen des Geheimdienstes gegenüber nicht gleichgültig und deshalb der passendere Chef, meint der Präsident des unabhängigen Instituts für nationale Strategie, Michail Remisow: „Er wird seinen neuen Verantwortungsbereich stärken können, weil er in die höchste Liga der russischen Politik, in den vertrauten Kreis des Präsidenten, eintritt. Außerdem hat er eine erfolgreiche Laufbahn beim Auslandsgeheimdienst hinter sich“, sagt der Beobachter.

Neue Strategie?

Und im gegenwärtig angespannten Verhältnis zwischen Russland und dem Westen muss die Auslandsspionage ihre Prioritäten neu setzen: „Der SWR muss sich verändern – zu einer Struktur, die die kognitive Weltkarte entwirft und Russlands politische Strategie danach ausrichtet“, erklärt Remisow. Es sei wichtig, nach dem Muster des britischen Intelligence Service zu arbeiten, fügt er hinzu. Der Auslandsgeheimdienst müsse eine Synergie aus komplexer Bedrohungsanalyse und effektiven Bewältigungsstrategien anbieten.

Alexej Sudin vom Institut für sozialwirtschaftliche und politische Studien betont indes, dass für Naryschkin die Ernennung auch eine Degradierung bedeuten könnte: „Sollten die Gerüchte über die Gründung eines Ministeriums für Staatssicherheit unter der Ägide des FSB stimmen, könnte Naryschkin zum Verlierer dieser Reform werden“, sagt er. Denn: „Der SWR würde in das neue Ministerium eingegliedert werden, das einen eigenen Chefposten hätte“, erklärt Sudin.

Im Amt des Duma-Präsidenten wird er nun von Wjatscheslaw Wolodin, dem ehemaligen Vizechef des Präsidialamts, abgelöst.

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