MH17-Abschuss: Wie viel wussten Russlands Radare?

Kann die russische Flugsicherung tatsächlich nichts geortet haben?

Kann die russische Flugsicherung tatsächlich nichts geortet haben?

Sergei Bobylev/Russian Defence Ministry Press Office/TASS
Angeblich soll eine russische Buk-Rakete die Boeing-777 von Flug MH17 im Juli 2014 über der Ostukraine abgeschossen haben. Russland bezweifelt, dass überhaupt eine Rakete zum Einsatz kam, denn eine solche hätte die russische Flugsicherung zum Absturzzeitpunkt nicht geortet. Experten sehen darin einen Widerspruch zu früheren Aussagen.

Die niederländische Staatsanwaltschaft hat am heutigen Mittwoch einen Bericht zum Absturz der malaysischen Boeing vom Flug MH17 vorgestellt. Darin heißt es, die Passagiermaschine sei von einer russischen Rakete abgeschossen worden. Die Boeing-777 der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 auf dem Flug von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ostukraine abgestürzt. Alle 283 Passagiere und 15 Crew-Mitglieder starben. 

Bereits der Bericht des niederländischen Sicherheitsrats vom Oktober vergangenen Jahres hatte festgestellt, dass die Maschine von einer Buk-Rakete abgeschossen wurde. Doch an dieser Theorie zweifelt das russische Verteidigungsministerium, wie es am Montag noch einmal bekräftigte. Eine Rakete kurz vor dem Absturz der Maschine hätten russische Radarstationen nicht erfasst, erklärte Andrej Koban, Fernmeldetruppen-General der russischen Luftwaffe, auf einer Pressekonferenz.

Nach Informationen der selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk in der Ostukraine wurden in der Nähe der malaysischen Boeing-777 kurz vor ihrem Absturz zwei Passagierjets und eine Drohne vom Typ Orlan-10 festgestellt. Dies könnten Daten russischer Radarstationen, die an der Grenze zur Ukraine stationiert sind, bestätigen, führte Koban aus. 

Was kurz vor dem Absturz westlich der Boeing geschah, hätten die Radarstationen in Russland jedoch nicht erfassen können, behauptete der General. Aufschluss darüber, ob tatsächlich eine Buk-Rakete in einem von den Aufständischen kontrollierten Gebiet in der Ostukraine abgefeuert worden sei, könnten nur Satellitenbilder geben. Darüber verfügten allein die Vereinigten Staaten und die Ukraine, die diese aber nicht freigeben, betonte Koban.

Widersprüchliche Erklärungen

Diese Erklärung löste Irritationen aus, und das nicht nur im Westen. Dass die russische Flugsicherung keine Raketen erfassen könne, wenn diese auf ukrainischer Seite abgefeuert werden, sei strittig, sagt etwa Alexander Chramtschichin, stellvertretender Direktor des Instituts für Politik- und Militäranalyse in Russland, in einem Gespräch mit RBTH. 

„Die Reichweite einer Buk-Rakete beträgt rund 30 Kilometer. Es macht keinen Unterschied, ob die Rakete auf der Seite der Aufständischen oder der ukrainischen Armee abgefeuert wurde. Die Entfernung ist viel zu klein, das Radar kann alles erfassen“, betont der Militärexperte.

Außerdem habe das russische Militär 2014 unter Berufung auf Geheimdienste erklärt, dass kurz vor dem Absturz der malaysischen Boeing ein Kampfjet vom Typ Su-25 in fünf Kilometern Entfernung von der Passagiermaschine geortet worden sei. Später gaben russische Ermittler an, ein ukrainischer Pilot habe bestätigt, am Absturz von MH-17 beteiligt gewesen zu sein.

Auch diese Erklärung hält Alexander Chramtschichin für wenig plausibel. „Wer die technischen Daten einer Su-25 und einer Boeing-777 kennt, versteht, dass die beiden Flugzeuge sich in der Luft niemals begegnen können. Der Jagdbomber kann nicht in 10 000 Metern Höhe fliegen und erreicht auch nicht die Geschwindigkeit einer Passagiermaschine“, stellt der Militärexperte fest.

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