Pawel Kolobkow: Fecht-Olympiasieger wird Russlands neuer Sportminister

Pawel Kolobkow soll das Land wieder auf Erfolgskurs bringen.

Pawel Kolobkow soll das Land wieder auf Erfolgskurs bringen.

Yekaterina Shtukina/RIA Novosti
Die Ernennung des Fecht-Olympiasiegers Pawel Kolobkow zum Sportminister ist eher ein Image- als ein Richtungswechsel im russischen Sport. Den Kurs werde weiterhin sein Vorgänger Witalij Mutko bestimmen, der jüngst zum Vize-Ministerpräsidenten unter Dmitrij Medwedew aufgestiegen ist, glauben Experten.

Ein frischer Wind wehte in diesem Monat durch die Amtsstuben des russischen Sports. Am 11. Oktober erklärte der russische Präsident Wladimir Putin, dass Alexander Schukow vom Vorsitz des Russischen Olympischen Komitees zurücktrete. Am 19. Oktober wurde bekannt, dass Witalij Mutko, bis dato Russlands Sportminister, sein Amt abgibt.

Veränderungen in den Reihen russischer Sportfunktionäre wurden erwartet, nachdem die Welt-Antidopingagentur Wada Russland des Staatsdopings bezichtigt und russische Athleten von den Sommerspielen in Rio ausgeschlossen hatte.

Die Neuverteilung der Ämter ist aber eher Formsache. Zwar wechselte Alexander Schukow von der Position des Vorsitzenden des Russischen Olympischen Komitees auf den Posten des Vize-Vorsitzenden der Staatsduma, doch verantwortet er in seiner neuen Funktion unter anderem weiterhin die Belange des nationalen Sports. Und Witalij Mutko wurde befördert: Als Vize-Ministerpräsident der russischen Regierung ist er für Tourismus, Jugendpolitik und eben auch Sport zuständig.

Auftrag: Beziehungspflege

Sein Nachfolger Pawel Kolobkow ist für den russischen Sport kein neues Gesicht. Der heute 47-Jährige gewann Gold im Fechten bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney 2000. Seit 2010 war er stellvertretender Sportminister unter Mutko, verantwortete die Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen in London 2012 und vertrat Russland in der Wada – bis November 2015, als die Russische Antidopingagentur Rusada aus der Weltagentur ausgeschlossen wurde.

Kolobkows vordringlichste Aufgabe ist daher neben der Durchführung der Fußball-WM 2018 vor allem die Beziehungspflege zur Wada und den internationalen Sportverbänden. Für kommenden November wurde der zweite Teil des McLaren-Reports angekündigt, wonach weitere Ausschlüsse Russlands von renommierten Wettbewerben drohen – vor allem von den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea.

Es ist gut möglich, dass der weltweit gute Ruf des neuen Ministers dabei helfen soll, Russlands ramponiertes Ansehen wieder aufzupolieren. Dies erklärte jedenfalls Wladimir Putin bei der Verkündung der neuen Personalie. Kolobkows Erfolge und Sporttitel könnten „in der laufenden Arbeit und beim Kontakt zu internationalen Sportverbänden“ helfen, sagte der Präsident. Es könnte von Vorteil sein, dass sich Kolobkow und der amtierende IOC-Präsident Thomas Bach, auch ein Fecht-Weltmeister, gut kennen.

Auch die russische Tageszeitung „Kommersant“ vermutet, dass die Neuernennung sicherlich auch eine Imagekampagne sei. Kolobkow rufe bei internationalen Partnern keinerlei Abneigung hervor, schreibt das Blatt unter Berufung auf eine Quelle im russischen Sportressort. Zumal der ehemalige Profisportler als Vize-Sportminister für „die Ausarbeitung und Umsetzung der Staatspolitik in der internationalen Zusammenarbeit“ zuständig war.

Der unbesiegbare Mutko

Dass Kolobkows Vorgänger, Witalij Mutko, bei der Neuverteilung der Ämter zu den eindeutigen Gewinnern zählt, ist ein deutliches Signal, auch an den Westen. Als Vize-Ministerpräsident erweitert er seinen Kompetenzbereich und bleibt zugleich Präsident des Russischen Fußballbundes und Chef des Organisationskomitees der Fußball-WM 2018 in Russland. „Damit zeigt Russlands Führung, dass sie auf die Wahrnehmung des russischen Sports im Westen wenig Wert legt“, sagt der Politologe Pawel Salin gegenüber RBTH. „Ihr wolltet Mutko bluten sehen, aber wir befördern ihn“, bringt Salin Russlands Botschaft an den Westen auf den Punkt.

Dabei sei der neue Sportminister Kolobkow zu 100 Prozent eine Personalie Mutkos, betont Salin. „Mutkos größter Verantwortungsbereich auf dem neuen Posten bleibt der Sport. Und der neue Sportminister ist sein Protegé. Diese Kräftekonstellation lässt keine großen Veränderungen erwarten“, resümiert der Politologe.