LinkedIn in Russland: Kommt die Sperre?

Die Aufsichtsbehörde Roskomnadsor möchte einen Präzedenzfall schaffen.

Die Aufsichtsbehörde Roskomnadsor möchte einen Präzedenzfall schaffen.

AFP/East News
Da die Server mit den Daten russischer Kunden noch immer nicht nach Russland verlagert wurden, steht das soziale Netzwerk LinkedIn vor dem Aus. Die zuständige Aufsichtsbehörde Roskomnadsor setzt sich für eine Sperre ein. Im November endet das Berufungsverfahren.

LinkedIn, das größte soziale Netzwerk für Geschäftskontakte und die Jobsuche, könnte in Russland gesperrt werden. Laut der nationalen Internet-Aufsichtsbehörde Roskomnadsor verstoße LinkedIn gegen das russische Gesetz, das Onlinedienste verpflichtet, Daten russischer Nutzer auf russischen Servern zu speichern.

Die Forderung, die seit dem 1. September 2015, also mehr als einem Jahr, besteht, wird von einigen Unternehmen bislang nicht umgesetzt. Im Sommer verklagte Roskomnadsor LinkedIn. Das Gericht sah die Behörde im Recht und fügte LinkedIn dem Index in Russland verbotener Seiten hinzu.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, und so ist das soziale Netzwerk weiterhin verfügbar. Das Unternehmen ging in Berufung, die am 10. November dieses Jahres abgeschlossen werden soll. Sollte es der LinkedIn Corporation nicht gelingen, das Verbot abzuwenden, wäre es der erste Fall, in dem ein großes Internetunternehmen in Russland gesperrt wird, weil es sich weigert, Daten russischer Nutzer in Russland zu speichern. Im August des Jahres 2016 schätzte TNS die russischen LinkedIn-Nutzer auf 2,6 Millionen.

„Jedes Jahr ein Skandal!"

LinkedIn äußerte sich bislang nicht zu dem Fall. Roskomnadsor hingegen warnt alle Unternehmen, die in Russland aktiv sind, aber keinen Firmensitz im Land haben. Zu diesen gehört unter anderem auch Facebook.

„Wir sind der tiefsten Überzeugung, dass jedes Unternehmen, auch ein ausländisches, das hier vielleicht keine Vertretung hat, aber durch unsere Bürger Geld verdient, ihre Daten verarbeitet und damit Marketing betreibt, unter dieses Gesetz fallen muss", sagt Wadim Ampelonski, Vertreter der Behörde, im Gespräch mit RBTH.

LinkedIn hatte die Aufmerksamkeit Roskomnadsors auf sich gezogen, da es laut der Behörde seit 2010 jedes Jahr zu einem Skandal bezüglich der Datensicherheit von Millionen von Nutzern komme.

Das russische Unternehmen DataLine, das Rechenzentren betreibt, lässt verlauten, dass man bislang keine gesteigerte Nachfrage nach Server-Racks in Russland beobachten könne. Es heißt, große ausländische Unternehmen informierten sich noch. Zu einer Verlagerung der Infrastruktur nach Russland sei es noch nicht gekommen. „Bis zum Präzedenzfall versuchen sie, nichts zu unternehmen“, so ein Vertreter von DataLine.

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