US-Angriff auf syrische Luftwaffenbasis: Wie reagiert der Kreml?

Das Risiko eines globalen Konflikts wird immer größer.

Das Risiko eines globalen Konflikts wird immer größer.

AP
Anders als sein Vorgänger Barack Obama hat US-Präsident Donald Trump seinen Willen demonstriert, in Syrien hart durchzugreifen. Der Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt al-Schairat richtete relativ wenig Schaden an. Doch wie sehen die politischen Folgen aus?

Die USA haben am Freitagmorgen eine Luftwaffenbasis in Syrien angegriffen. Die Aussagen einiger Experten, bei dem Angriff handle es sich um eine „emotionale Reaktion“ von Trump, entsprechen kaum der Realität. Der Zeitpunkt war passend gewählt, die Wahrscheinlichkeit eines direkten Konflikts mit Russland unwahrscheinlich. Das russische Militär, das bereits im Vorfeld von den Plänen des Angriffs erfuhr, warnte seine syrischen Verbündeten, die daraufhin die Militäranlage evakuierten.

All das spricht für einen politischen Hintergrund des Vorfalls, der mit dem US-Besuch des chinesischen Generalsekretärs Xi Jinping zusammenfiel. Darüber hinaus zeigte Trump der gesamten Welt eine Entschlossenheit, die Obama seiner Meinung nach gefehlt habe. Der Kreml steht nun vor der Frage, wie er auf die direkte Aggression gegen einen Verbündeten reagieren sollte.

Vereinbarungen sind zerschlagen

Der erste US-Angriff im syrischen Bürgerkrieg auf regierungstreue Truppen wird das Kräfteverhältnis in der Region von Grund auf verändern. Die Fortschritte, die in den letzten anderthalb Jahren von der syrischen Armee mithilfe der russischen Verbündeten erreicht wurden, gehören der Vergangenheit an. In Syrien hat praktisch ein Krieg begonnen nach dem Motto „Jeder gegen Jeden“.

Die russische Regierung ging immer davon aus, dass Stabilität in Syrien nur dann möglich sei, wenn die von den Rebellen besetzten Gebiete zurück unter die Kontrolle von Damaskus kommen. Nach dem heutigen Raketenangriff wurden alle Vereinbarungen über den Haufen geworfen. Assad kann nun den Kampf gegen gegnerische Gruppierungen wiederaufnehmen. Die durch den fünf Jahre langen Krieg geschwächte Regierungsarmee ist dazu aber nicht mehr in der Lage. Nach dem US-Angriff wird es keine Koordinierung der westlichen Koalition im Irak und der russischen Armee in Syrien geben, was dazu führen könnte, dass der IS in den Angriffsmodus übergeht.

Darüber hinaus wird Damaskus stets mit dem Gedanken eines erneuten US-Angriffs im Hinterkopf handeln. Mithilfe der russischen Raketenabwehr kann Assads Regierung die Auswirkungen solcher Angriffe zwar minimieren. Das würde jedoch de facto zu einer offenen Konfrontation zwischen den USA und Russland führen. Das Szenario eines solchen Konflikts könnte den Ereignissen in Vietnam ähneln, als sowjetische Flakschützen US-amerikanische Flugzeuge abschossen.

Moskau unter Druck

Da der Einsatz von Giftgas durch Damaskus bisher nicht bewiesen wurde, ist es offensichtlich, dass Moskau im Interesse des Verbündeten an das internationale Recht appellieren wird. Ob das helfen wird, bleibt äußerst fraglich.

Diese offene Machtdemonstration der USA wird zudem den Glauben der Verbündeten stärken, dass der Druck auf Assad bis zu seinem Rücktritt bestehen bleiben muss, damit eine Koalitionsregierung gebildet werden kann. Ein solches Szenario, das für Moskau die Niederlage bedeuten würde, ist für den Kreml untragbar. Russlands einzige Option ist die weitere Unterstützung von Damaskus und die Gewährleistung der Luftsicherheit über dem gesamten Gebiet Syriens. All das wird zu einem globalen Konflikt führen.

Allerdings erweckt der Verzicht auf die Raketenabwehr im Rahmen des heutigen Angriffs den Eindruck von einem „vereinbarten“ Angriff, was darauf schließen lässt, dass Washington und Moskau die Beziehungen nicht verschlimmern wollen. Dennoch benötigen Moskau und Damaskus einen Erfolg im Kampf mit den Islamisten und der Opposition, um zu zeigen, dass Assads Regime nicht am Ende ist und der Kreml seinen Verbündeten weiterhin unterstützt.