Träumen in der Kapsel

Das Sleepbox-Hotel in Moskau sieht wie eine Bühnenbilddekoration aus einem Science-Fiction-Film aus. Foto: ITAR-TASS

Das Sleepbox-Hotel in Moskau sieht wie eine Bühnenbilddekoration aus einem Science-Fiction-Film aus. Foto: ITAR-TASS

In Anlehnung an japanische Kapselhotels ist in Moskau das erste Sleepbox-Hotel entstanden. Der praktische Nutzen der komfortablen Schlafkapseln soll vor allem Flugreisende überzeugen.

Auf der Suche nach effektiver Wohnraumnutzung haben die Japaner eine einfache und billige Übernachtungsmöglichkeit erfunden: die Schlafkapsel. Die Übernachtungsgäste sind in Schlafkojen untergebracht, die der Größe nach an die Kapseln erinnern, in denen Astronauten in Science-Fiction-Filmen auf lange intergalaktische Reisen geschickt werden. In Moskau eröffnete nun am 28. Januar 2013 das erste Hotel dieser Art. Die Moskauer „Kapseln" sind jedoch deutlich größer als in Japan und auch der Preis für ein solches „Zimmer" ist höher.

 

Komfortable Science Fiction

Das Moskauer Sleepbox-Hotel liegt drei Gehminuten vom Belorussischen Bahnhof entfernt. Die Lage ist nicht zufällig gewählt, denn von diesem Bahnhof aus fahren die Expresszüge zum internationalen Flughafen Scheremetjewo ab. Ihr Hauptaugenmerk legen die Hotelbesitzer auf Flugreisende. Man kann also von Scheremetjewo in weniger als einer Stunde das Hotel erreichen und kommt genauso schnell wieder zurück zum Flughafen.

Das Hotel selbst sieht aus wie eine Bühnenbilddekoration aus einem Science-Fiction-Film. Eine strahlend weiße Eingangshalle, in der iPads an den Wänden befestigt sind, über die man seine E-Mails checken oder die Flugzeiten abrufen kann, empfängt den Gast. Die eigentlichen Sleepboxes befinden sich auf drei Etagen, zehn bis 15 Stück pro Stockwerk. Die Doppelzimmer sind aus Holz gefertigt, die Einzelzimmer aus Kunststoff und Aluminium. Sie ähneln kleinen futuristischen Häuschen oder Raumschiffkajüten. Der irreale Eindruck verliert sich auch während des ganzen Aufenthaltes nicht.

Von innen erinnert die Sleepbox stark an ein Schlafwagenabteil. Der erste wesentliche Unterschied, der einen erkennen lässt, wo man ist, sind jedoch die großen Fenster auf einer Wandseite. Sie sind dazu da, dass man sich nicht wie in einer Kiste eingesperrt fühlt. Jeder, der schon einmal in einer solchen Sleepbox übernachtet hat, kann bestätigen, dass keine Klaustrophobie-Zustände eintreten. Falls man sich zurückziehen will, kann man die elektrisch und stufenlos betriebenen Jalousien an den Fenstern herunterlassen. Die Qualität der Matratze und Bettwäsche steht hinter der von besten Hotels nicht zurück – beim Komfort wird hier also nicht gespart.

 

Pragmatismus statt Luxus

Der Sinn einer solchen Hotelunterbringung besteht darin, dass der Hotelgast nicht für unnötigen Luxus bezahlen muss. Im Wesentlichen geht es den Leuten ja nur um die Übernachtung, wofür ein komfortables Bett völlig ausreichend ist. Die Sleepboxes genügen diesen Anforderungen vollkommen. Jedes Zimmer verfügt über Steckdosen, kostenloses Wi-Fi, hochwertige Beleuchtung und Regale. Größere Gepäckstücke werden gesondert in speziellen Kammern aufbewahrt. Das Design der Sleepboxes entwarfen Alexej Gorjanow und Michail Krymow vom Architekturbüro Arch Group. Sie bemühten sich, einen platzsparenden und dabei sehr funktionalen Raum zum Arbeiten und Erholen zu schaffen.

Toiletten und Duschen befinden sich auf der Etage, zur Verpflegung gibt es nur einen Automaten mit Schokolade und Chips. Wenn man richtig essen will, kann man außer Haus gehen. Schließlich darf man nicht vergessen, dass das Hotel in der Twerskaja-Jamskaja-Straße liegt, einer der belebtesten Straßen von Moskau. Cafés und Restaurants gibt es dort an jeder Ecke. In der wärmeren Jahreszeit kann man im Sleepbox-Hotel ein Fahrrad ausleihen und auf eigene Faust das Zentrum der russischen Hauptstadt erkunden.

„Von dem Moment, als wir den Standort entdeckten, bis zur Eröffnung des Hotels verging ein Jahr", erzählt Natalja Tschernikowa, Managerin des Sleepbox-Hotels. „Früher befand sich in diesem Gebäude ein Schönheitssalon und deshalb mussten wir die ganzen Räumlichkeiten von Grund auf umbauen. Ich denke, ein Jahr bis zur Hoteleröffnung ist eine sehr kurze Dauer. Nach optimistischer Einschätzung sollten sich unsere Investitionen nach eineinhalb Jahren auszahlen, aber wir geben uns eine Frist von drei Jahren."

Die Preise in so einem Hotel sind niedriger als der Moskauer Durchschnitt. Eine Sleepbox für zwei Personen kostet 65 Euro pro Nacht, für eine Person etwas mehr als 70 Euro. Wem die futuristischen Boxen nicht gefallen, kann auch ein komplettes Dreibett-Zimmer für 115 Euro nehmen.

„Wir haben große Pläne", fährt Tschernikowa fort: „Sobald klar ist, dass sich das Hotel rentiert, werden wir noch eins oder gleich zwei weitere in Moskau eröffnen. Da ist im Moment im Hotelgeschäft noch eine riesige freie Nische, die wir unbedingt besetzen wollen. Wir suchen schon geeignete Locations in der Nähe der Bahnhöfe, von denen Expressbusse zu den Flughäfen fahren, sowie auch direkt in den Flughäfen."

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland