Spaziergang durch Wolgograd

In Wolgograd wird derzeit dem 70jährigen Jubiläum der Schlacht von Stalingrad gedacht. Russland HEUTE nimmt dies als Anlass und lädt Sie auf einen Stadtspaziergang ein.

Foto: Michail Mordassow / Focus Pictures

Wolgograd wird als die „sowjetischste" Stadt Russlands bezeichnet. Gründe dafür gibt es viele. Die einst unter dem Namen Stalingrad weltbekannte Stadt rühmt sich noch heute mit seinen Denkmälern für jene Soldaten, die vor 70 Jahren die Stadt verteidigten. Historisch von großer Bedeutung sind beispielsweise der Denkmalkomplex auf dem Mamajew-Hügel oder das Panorama-Museum der Schlacht von Stalingrad. Ein weiterer Grund liegt im Stadtbild Wolgograds selbst, denn das im Krieg völlig zerstörte Stadtzentrum wurde nach Kriegsende sofort wiederaufgebaut. Dadurch spiegelt sich in der Architektur der Stadt der „Stalin-Empire-Stil" in seiner reinsten Form wider.

70 Jahre Schlacht von Stalingrad – so lautet das Leitmotiv der Stadt für das Jahr 2013. Über das ganze Jahr hinweg werden Ausstellungen, Veranstaltungen und Gedenkfeiern Besucher und Bürger der Stadt an dieses historische Ereignis erinnern.

Eines der Wahrzeichen Wolgograds ist das Panorama-Museum der Schlacht von Stalingrad (www.stalingrad-battle.ru, Marschal Tschujkow

Geschichte

 

Die Schlacht von Stalingrad (17. Juli 1942 – 2. Februar 1943) gilt als die größte Landschlacht im 2. Weltkrieg.

Gemeinsam mit der Schlacht bei Kursk stellt sie einen Wendepunkt im Verlauf des Kriegs dar, da die deutschen Soldaten nach dieser Schlacht ihre strategische Initiative verloren hatten.

Laut Schätzungen sind im Zuge dieser Schlacht insgesamt über zwei Millionen Soldaten auf beiden Seiten gefallen.

Straße, 47). Neben einer gigantischen Leinwand, die das Panorama bildet, gibt es im Museum noch eine umfassende Sammlung von Dokumenten und Gegenständen zu bestaunen, die aus der Zeit der Schlacht von Stalingrad stammen. Im Triumphsaal hängen zum Beispiel die originalen Fahnen aller Einheiten und Verbände, die in der Schlacht mitgekämpft haben. Sehenswert ist auch die Sammlung von Geschenken, die der Stadt von Leuten aus aller Welt als Anerkennung für den Mut jener Soldaten, die die Stadt damals verteidigten, überreicht wurden. Diese umfassen Bronzefiguren und Repliken von Statuen wie „Der Kuss" des berühmten französischen Bildhauers Auguste Rodin, die der Stadt 1945 von Lady Westmacott geschenkt wurden. Auch das Schwert des Britischen Königs George VI., das den Bürgern Wolgograds 1943 zum Gedenken an den Sieg in der Schlacht von Stalingrad überreicht wurde, gehört dazu.

 

Panorama-Museum und Pawlow-Haus

Zum siebzigjährigen Jubiläum der Schlacht hat das Panorama-Museum eine neue Ausstellung unter dem Namen „Einer für alle ..." eröffnet. Die Ausstellung ist weder pathetisch, noch gefühlsbetont, jedoch äußerst interessant. Es werden nur originale Gegenstände aus der Zeit der Schlacht gezeigt: Uniformen, Waffen, Trophäen, Alltagsgegenstände sowie Dokumente und Briefe, die von Soldaten verschiedenster Dienstränge, Funktionen und Nationalitäten verfasst wurden.

Neben dem Panorama-Museum befindet sich das Pawlow-Haus (Sowjetskaja Straße, 39). Dieses Haus ist dafür bekannt, dass es während der Schlacht 58 Tage lang von nur einer Handvoll Soldaten verteidigt wurde: 25 Mann, wobei in der Garnison gleichzeitig nicht mehr als 15 Soldaten kämpfen konnten.

Das vierstöckige Haus überragte alle benachbarten Gebäude und war demnach in taktischer Hinsicht sowohl den Deutschen, als auch den Russen gleichermaßen nützlich. Zu dieser schrecklichen Zeit wurde in dem Haus ein Mädchen geboren – Sina. Sinaida Selesnewa beschreitet in diesen Tagen somit ebenfalls ein Jubiläum, welches sie in ihrer Heimatstadt Wolgograd feiern wird. Das zum Denkmalensemble gehörende Gebäude, welches sich auf dem mit einem Flachrelief verzierten Lenin-Platz befindet, ist noch heute ein Wohnhaus.

 

Unterkünfte

 

In Wolgograd gibt es keine 4- und 5-Sternhotels und auch keine bekannten Hotelketten. Doch eine Unterkunft ist hier nicht schwer zu finden.

Übernachten kann man zum Beispiel im Hotel „Wolgograd", das sich auf der Allee der Helden in einem „historischen" Gebäude befindet, welches nach dem Krieg errichtet wurde. Für jene, die lieber moderner wohnen, empfiehlt sich das erst kürzlich erbaute Hotel „Intourist".

Im Hof dieses Hotels und im Keller des zentralen Kaufhauses befindet sich nämlich das Museum „Pamjat" (Erinnerung) – genauer jener Ort, an dem einst der deutsche Feldmarschall Friedrich Paulus gefangen genommen wurde.

 

Der Mamajew-Hügel

Um die Glorie und Bitterkeit, den Schmerz und Stolz, der am Mamajew-Hügel (Marschal Tschujkow Straße, 47) in Stein verewigt wurde, empfinden zu können, muss man einen Fußmarsch auf sich nehmen. Auf dem Hügel erstreckt sich ein Denkmalensemble, in dem man „blättern" kann, wie in einem Buch. Keine Seite gleicht der anderen: die Pappelallee und der Platz „Stehen bis zum Tod", die Mauerruinen und der See der Tränen, das Pantheon und die Statue der trauernden Mutter – so definiert sich diese

Ausflüge

 

Wolgograd bietet seinen Besuchern Stadtführungen auf Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch. Darauf zielte die speziell für das 70-Jahrjubiläum eingeführte Ausbildung zum Stadtführer ab, die von der Sozialpädagogischen Universität Wolgograd angeboten wird.

Informationen zu Reiseagenturen, Hotels, Museen, Exkursionen, Erholungsdomizilen und zur „Gästekarte" findet man auf der Seite der Agentur für Tourismusentwicklung im Gebiet Wolgograd unter der Adresse www.turizm-volgograd.ru.

Stätte der Erinnerung. Die Kulmination des Denkmalensembles bildet die gigantische Statue „Mutter Heimat", von deren Sockel aus man einen einmaligen Ausblick auf die Stadt und die Wolga genießen kann.

Der Mamajew-Hügel ist zudem auch eine Nekropolis, in der im Großen (auf einem Hügel direkt unter der Mutter-Heimat-Statue) und im Kleinen Kriegergrab 36 000 sowjetische Soldaten begraben sind. Diese Gräber entstanden während der Wiederaufbauarbeiten der Stadt, als die sterblichen Überreste von Soldaten aus allen Stadtbezirken auf den Mamajew-Hügel gebracht wurden. Viele Namen von Gefallenen konnten erst vor kurzem dank einer jahrzehntelang andauernden Recherchearbeit ausfindig gemacht werden. Die Namen von 17 000 gefallenen Soldaten sind auf einer Stelle festgehalten worden, die am 2. Februar auf dem Gedenkfriedhof enthüllt wurde.

Da der Mamajew-Hügel eine Ruhestätte für zehntausende gefallene Soldaten ist, wurde dort in den 2000er Jahren noch ein Denkmal errichtet – eine orthodoxe Allerheiligenkirche. In dieser Kirche können nun alle, die dorthin kommen, um die Namen der Gefallenen zu lesen, für diese auch beten und nach orthodoxer Tradition eine Kerze anzünden, damit die Seelen der Soldaten ihren Frieden finden mögen.

 

Die Straßen Wolgograds sind von Geschichte erfüllt

Dies sind die wichtigsten Denkmäler Wolgograds. Doch auch das neu errichtete Stadtzentrum an sich, erinnert an jene, die es verteidigt und wieder neu aufgebaut haben. Es lädt zu einem Spaziergang durch die von Geschichte erfüllten Straßen ein, in denen sogar ein einfacher Baum oder ein Laternenpfahl Denkmäler sein können. So eine Laterne gibt es tatsächlich – sie hat die Schlacht um Stalingrad mit einigen durch Granatensplitter entstandenen Wunden knapp überlebt und beleuchtet heute noch den Bahnhofsvorplatz neben dem Historischen Memorialmuseum (Gogol Straße, 10).

Und auch ein Baum hat überlebt: Eine Pappel, die auf der Allee der Helden direkt aus der Asphaltstraße wächst und so die Sicht versperrt. Doch

Kulinarisches

 

Die Wolgograder Küche ist reich an Vielfalt. Hier findet man neben der europäischen (italienischen, tschechischen und deutschen) Küche auch Restaurants, die sich auf japanische oder kaukasische Gerichte spezialisiert haben. Schaschlik findet man zudem fast an jeder Straßenecke.

Das trendigste Fastfood-Gericht in Wolgograd ist das Kiewer Kotelett, das Big Mac und Co. weit hinter sich lässt, obwohl auch „McDonalds" in Wolgograd gut vertreten ist.

obwohl der Baum eindeutig „stört", wagte es bisher noch niemand, ihn zu fällen, denn es ist der einzige Baum, der in ganz Stalingrad - welches abgebrannt und bis auf seine Grundfesten zerstört wurde - überlebt hat. Es war der einzige Baum in einer Stadt, in der es kein Grün mehr gab. Womöglich ist das der Grund dafür, warum es die Wolgograder so lieben, ihre Stadt zu bepflanzen. Die Uferpromenade und die Allee der Helden sind übrigens weitläufige Parkanlagen. Und der Lenin-Prospekt, die Hauptstraße Wolgograds, ist eigentlich gar kein Prospekt, sondern ein Boulevard mit einer großen Fußgängerzone, die zwei Hauptverkehrsadern teilt.

Im Frühling verwandelt sich die Stadt in ein Blütenmeer: Erste Vorboten dieses Schauspiels sind die Aprikosenbäume, die entlang der Straßen und in Höfen wachsen sowie die „Wolgograder Kirschblüte". Ihnen folgen Fliederbäume, Akazien, Trompetenbäume und Kastanienbäume. In dieser Zeit sollte man unbedingt einmal die Straße des Friedens entlang flanieren. Diese Straße war die erste, die nach dem Krieg gebaut wurde und erhielt daher auch ihren Namen.

Am Ende der Straße des Friedens trifft man auf das Planetarium, das aus architektonischer und historischer Sicht interessant ist: in diesem Gebäude, dessen Kuppel eine Statue von der sowjetischen Bildhauerin Vera Muchina krönt, findet man eine Ausrüstung vor, die aus Glas der Firma Carl Zeiss gefertigt wurde. Sie wurde Stalin zu seinem 70. Geburtstag von Arbeitern aus der DDR geschenkt.

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