Auf nach Russland!

Der gesamtrussische Stand wird feierlich eröffnet. Foto: Russland HEUTE

Der gesamtrussische Stand wird feierlich eröffnet. Foto: Russland HEUTE

Auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin (ITB) vom 6.-10. März waren Russlands Regionen wieder zahlreich vertreten. Ihr touristisches Potenzial ist enorm. Russland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Reiseland für deutsche Touristen entwickelt.

Russland ist bereits seit vielen Jahren auf der ITB in Berlin, der internationalen Leitmesse für Tourismus, vertreten. Die Zahl der Aussteller steigt von Jahr zu Jahr. Vermehrt befinden sich darunter auch die verschiedensten Regionen der Russischen Föderation, die über ein gigantisches touristisches Potenzial verfügen: die Region Altai, die Republiken Burjatien und Sacha (Jakutien), die Region Krasnodar, die Gebiete Irkutsk, Kaliningrad, Swerdlowsk und Nowgorod sowie der Autonome Kreis der Chanten und Mansen (Jugra).

Im Interview mit unserer Redaktion bestätigte der Generaldirektor der Föderalen Tourismusagentur, Alexander Radkow, das beeindruckende Ausmaß der russischen Präsenz auf der Messe. Am Gemeinschaftsstand Russlands seien 16 Regionen durch mehr als 140 Aussteller vertreten gewesen. Während sich noch im vergangenen Jahr alles um Moskau und Sankt Petersburg gedreht habe, hätte sich in diesem Jahr der Schwerpunkt auf die russischen Regionen verlagert.

Natürlich würden, so Radkow, die beiden Metropolen auch weiterhin ihre Beliebtheit bei den Touristen nicht verlieren. Seine Agentur beabsichtige jedoch, neue Destinationen und Angebote stärker in den Vordergrund zu rücken. Dazu gehörten Flussreisen auf der Wolga, Sibirien, der Baikalsee, Öko-Tourismus und vieles anderes mehr.

In diesem Jahr war Russland Olympiapartner der ITB. Natürlich rechne man, so Radkow optimistisch, mit vielen deutschen Besuchern bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Eigentlich sei die Stadt mit ihren besonderen klimatischen Bedingungen ein ausgesprochener Ganzjahres-Urlaubsort.

Die Anziehungskraft Russlands als touristisches Ziel könne durch eine Erleichterung, wenn nicht sogar die Aufhebung, des Visaregimes gesteigert werden. Bis das der Fall sei, müsste den Touristen die Visabeantragung aber auf jeden Fall so einfach wie möglich gemacht werden.

Rund um den Stand von Russland HEUTE ist viel los. Foto: Russland HEUTE

Natürlich verfügten noch nicht alle Regionen gleichermaßen über eine ausreichend entwickelte Infrastruktur, räumte der Chef der Tourismusagentur ein. Deshalb habe seine Behörde im Jahre 2011 ein Programm zur „Entwicklung des Tourismus in der russischen Föderation" ausgearbeitet. Dessen Ziel sei die Akquisition von Investitionen im Bereich Tourismus. Erste Ergebnisse lägen auf dem Tisch. Nach dem Startschuss durch fünf Pilotprojekte, seien nun bereits 13 Verwaltungsbezirke an dem Programm beteiligt. Die Geschäftswelt habe –endlich – begriffen, dass man in den Tourismus gewinnbringend investieren könne.

Regionen werben mit ihren Attraktionen

Marina Roschkowa, Leiterin des Tourismusverbandes des Gebietes Irkutsk, hob hervor, dass Deutschland gemessen an der Zahl der Touristen Jahr für Jahr entweder den ersten oder den zweiten Platz einnehme. Die Deutschen stünden auf Aktivurlaub. Und den biete zum Beispiel der Baikalsee das ganze Jahr über. Im Winter führe man auf dem zugefrorenen See den Baikal-Marathon durch. Das sei bestimmt der exotischste Marathon, den man sich vorstellen könne. Immerhin sei der Baikal mit 25 Millionen Jahren der älteste und mit einer Tiefe von anderthalb Kilometern der tiefste See der Welt. Erwähnenswert, so Roschkowa, sei auch, dass zu diesem Marathon nur positiv eingestellte Menschen zugelassen würden. Wer sich aggressiv verhalte, dürfe nicht teilnehmen.

Im Frühling, wenn das Eis schmilzt, finden auf dem Baikalsee Ausflüge durch die schmelzenden Eisschollen statt. Die Ausflugsschiffe fahren dabei Ende Mai/Anfang Juni direkt an der Schmelzgrenze der Eisschollen entlang. Ein besonders verwegener Teilnehmer, so erzählt Roschkowa, habe sogar schon einmal eine richtige Meditation auf den Eisschollen abgehalten.

Über das touristische Potential des Autonomen Kreises der Chanten und Mansen berichtete Inna Arkanowa, Chefin der Tourismusverwaltung Jugra. Die Touristen aus Europa interessierten sich nicht nur für ethnographische Museen, sondern auch für die traditionellen Dörfer und Siedlungen der einheimischen Völker. Deshalb bringe man sie in die Taiga, wo sie vollständig in den Alltag der Völker des Nordens eintauchen könnten. Dort kochten sie die für sie exotischen Gerichte der indigenen Völker, lauschten den jugorischen Märchen und Mythen, gingen zusammen mit den Einheimischen auf Fischfang und zur Jagd, führen mit Rentier-Schlitten und fertigten Erzeugnisse aus Fell oder Fischhaut an.

„Unsere Region wird häufig mit der Erdölförderung in Verbindung gebracht. Deshalb organisieren wir bei uns in Jugra auch so genannte „Erdöl-Touren". Ist es etwa nicht interessant, den gesamten Produktionszyklus der Förderung des „schwarzen Goldes" hautnah mitzuerleben, sich selbst als Erdölspezialist zu fühlen und als Souvenir ein Fläschchen mit richtigem Erdöl mit nach Hause zu bringen?", fragte Arkanowa enthusiastisch in die Runde.

Über den Tourismus im Altai erzählte der Regierungschef der Region Altai, Viktor Korschunow. Natürlich biete die Region eine Vielzahl besonderer Möglichkeiten für Touristen. Hervorzuheben sei das breite Angebot für Spa-Liebhaber. Exklusiv in seiner Region sei die Behandlung mit Panty. Dazu würden die noch nicht verknöcherten Geweihe junger Hirsche verwendet. Diese würden zermahlen und in allen möglichen Varianten für Wellness-Prozeduren verwendet: Salben, Extrakte, Aufgüsse und Pulver.

Der Stand der Altai-Region. Foto: Russland HEUTE

„Das ist ein wahrhaftes Lebenselixier, das im Osten als ‚enorme Energiequelle' angesehen wird und mit dessen Hilfe man die Lebenszeit verlängern kann. Früher wurden diese Präparate lediglich von Koreanern verwendet, mittlerweile werden sie auch von den Chinesen aktiv genutzt. Es hat sich gezeigt, dass die meisten Länder, in denen die Menschen eine außergewöhnlich lange Lebenserwartung haben, dieses Produkt verwenden! Im Osten heißt es, was der Ginseng im Pflanzenreich darstellt, sind die Panty unter den tierischen Produkten", erläutert Korschunow euphorisch.

Die Republik Burjatien ist für Touristen vor allem durch ihre Vielfalt der Völker und Religionen interessant. Hier kann man Dörfer altgläubiger Christen oder burjatischer Bewohner besuchen und die Traditionen der hiesigen Völker kennenlernen: Mit Pfeil und Bogen schießen, eine Jurte bauen und indigene Speisen zubereiten. Nicht weit entfernt von Ulan-Ude befindet sich der Iwolginskij Dazan, was auf Burjatisch so viel wie „Kloster des Glücks und Fülle der Freude bringendes Rad des Lernens" bedeutet. Es ist das größte buddhistische Zentrum Russlands. Die Touristen können Lamas besuchen und sich mit der Tibetischen Medizin vertraut machen. Ein besondere Attraktion ist die Teilnahme an den Ritualen von Schamanen, unter anderem das Aufnahmeritual in die Reihen der Burjaten.

Für die Europäer war Weliki Nowgorod schon immer ein nationales Symbol und ein poetisches Sinnbild Russland, das seit jeher Touristen angezogen hat. Unter den vielen Geschichts- und Kulturdenkmälern sollte das Nowgoroder Museum für Ikonenmalerei besonders erwähnt werden. Es ist eine der bedeutendsten Schulen dieser alten russischen Kunst. In 14 Ausstellungsräumen können 268 Ikonen bewundert werden.

Das Museum für lebendige Geschichte „Slawisches Dorf des 10. Jahrhunderts" ist ein einzigartiger Ausstellungskomplex, der in Form eines Freiluftmuseums das Leben eines mittelalterlichen slawischen Dorfes nachstellt. Dabei wurden alle Gebäude in der damaligen Bauweise errichtet. Hier kann man lernen, wie die Slawen in grauer Vorzeit lebten, wie sie Getreide anbauten und Häuser bauten, Stahl schmolzen, Geschirr herstellten, Fische fingen und Vieh hielten. Die Besucher erhalten die Möglichkeit, sich mit den Bräuchen und Glaubensvorstellungen der Slawen bekannt zu machen, sich als ein richtiger Krieger im Kettenpanzer zu fühlen oder einen Speer zu werfen. Unter der Anleitung eines Meisters können sie aus Lehm wahrhafte Kunstwerke fertigen oder aus Birkenrinde ein Souvenir für die Lieben daheim basteln.

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