Ein Wochenende in Moskau

Foto: Igor Stepanow

Foto: Igor Stepanow

Moskau in nur drei Tagen zu erleben, ist eine Herausforderung – doch es geht. Wir zeigen, was man alles an einem Wochenende in der russischen Hauptstadt erlebt haben muss.

Freitag

16 Uhr, Geschichte

Sich die Füße vertreten ist wohl das Erste, was man nach einem mehrstündigen Flug tun möchte. Ein weiterer Grund also, Moskau ganz klassisch vom Roten Platz aus kennenzulernen (Metrostation „Ochotnyj Rjad“). Der eigentliche Grund, hier mit der Besichtigungstour anzufangen, ist der, dass hier einige berühmte Gebäude versammelt sind: Hier befinden sich die berühmte Basilius-Kathedrale, das Historische Museum und der Richtplatz, von dem aus zwischen dem 14. und dem 17. Jahrhundert dem Volk die Erlasse des Zaren verkündet wurden. Auch das Lenin-Mausoleum steht hier, das jedoch bis Mai dieses Jahres noch von einer riesigen weißen Kuppel aus Plastikplane umhüllt sein wird, unter der Spezialisten an dessen Restauration arbeiten.

Der Rote Platz grenzt an einer der Kremlmauern. Parallel zu dieser erstreckt sich auf der anderen Seite des Platzes das riesige historische Kaufhaus GUM aus dem 19. Jahrhundert. „GUM“ ist eine russische Abkürzung, die ausgeschrieben und ins Deutsche übersetzt „Hauptkaufhaus“ bedeutet. Hier werden Bekleidung, Schuhe, Schmuck und Souvenirs angeboten, wobei die Preise alles andere als günstig sind. Dennoch lohnt sich ein Besuch des GUM schon allein wegen seines beeindruckenden Interieurs, das aus Glas, Marmor und Rundbögen aus Stahlverstrebungen besteht. Das Gebäude wurde vom berühmten russischen Architekten Wladimir Schuchow erbaut, der auch den bekannten Schuchow-Radioturm entworfen hat.

18 Uhr

Den Spaziergang kann man bei der der Christus-Erlöser-Kathedrale beenden, die der Welt in der jüngsten Vergangenheit vor allem durch die Aktion der Punk-Band Pussy Riot im Februar 2012 bekannt wurde. Die Kirche erreicht man vom Roten Platz aus durch das große Woskresenski-Tor. Dort biegt man nach links ab und geht an der auf der rechten Seite gelegenen Lenin-Bibliothek, der größten Bibliothek des Landes, und dem Puschkin-Museum vorbei bis zur Wolchonka-Straße, die direkt zur Kathedrale führt.

23 bis 6 Uhr, Tanzen

Eine würdige Fortsetzung des Abends bildet der Besuch eines der ältesten Clubs von Moskau, dem Propaganda, oder, wie er von den Einheimischen liebevoll genannt wird, dem Propka. In den 15 Jahren seines Bestehens sind dort Quentin Harris, DJ Deep, Jephte Guillaume, Timmy Regisford und viele andere Gurus der elektronischen Musik aufgetreten. Tagsüber verwandelt sich das Propaganda in ein gemütliches Café mit gutem Essen. Am Abend verschwinden dann die Tische und Stühle wieder, und der Platz wird erneut freigemacht für wildes Tanzen bis in die Morgenstunden.

 

Samstag

12 Uhr, Frühstück

Der Samstag beginnt am besten mit einem Frühstück im Café „Ljudi kak ljudi“, was etwa so viel bedeutet wie „So sind Menschen nun einmal“ (Metrostation „Kitaj Gorod“). Das Lokal ist so klein, dass man sich den Teller mit dem Essen von der Theke nehmen kann, ohne von seinem Stuhl aufzustehen. Das Café ist sehr beliebt und die Chancen, einen Tisch zu ergattern, sind daher vor allem morgens am besten. Berühmt ist das Lokal für seine Kuchen und die Vitamincocktails aus frischen Früchten und Beeren.

14 Uhr, Sport und Erholung

Der Gorki-Park (Metrostationen „Oktjabrskaja“ und „Park Kultury“) war bis vor Kurzem ein Relikt aus der Sowjet-Ära und ist erst in letzter Zeit zu einem Schmelztegel neuer Trends in der Popkultur geworden. Nach seiner grundlegenden Sanierung im Jahr 2011 ist der Park zum neuen Treffpunkt der kreativen Massen und von Individualisten geworden. Wenn gerade kein Konzert, keine Sportveranstaltung oder Ausstellung stattfindet, verwandelt sich der Gorki-Park zurück in den angenehmen Park mit Sitzbänken an der Uferpromenade des Moskau-Flusses mit Alleen und Seen. Im Sommer gibt es hier für Liebhaber des süßen Nichtstuns Hängematten, einen Strand und ein Freiluftkino. Im Winter kann man mit Schlittenhunden fahren oder seine Zeit auf der größten Open-Air-Eisbahn Europas verbringen.

16 Uhr, Russische Küche

Zu günstigen Preisen kann man z.B. verschiedene Buchweizen-Speisen („Gretscha“) genießen. Foto: Lori/Legion Media

In den vergangenen Jahren versank Moskau zunehmend in einer schier endlosen Anzahl von Pizzerien, Sushi-Bars, Bäckereien und Pubs. Die traditionelle Küche muss man hingegen etwas suchen. Zu günstigen Preisen kann man diese vor allem in eigens spezialisierten Ketten genießen wie zum Beispiel den Imbissen und Cafés von „Teremok“. Dort gibt es verschiedene Buchweizen-Speisen („Gretscha“) und die berühmten Bliny mit verschiedenen Füllungen. In den „Jolki-Palki“-Restaurants kann man traditionelle Suppen oder auch Fischkuchen ausprobieren. Filialen gibt es in der ganzen Stadt.

18 Uhr, das Künstlerviertel

In der ehemaligen Schokoladenfabrik „Roter Oktober“ gibt es heute viele Galerien, Ateliers, Restaurants und Clubs. Foto: RIA Novosti

„Krasnyj Oktjabr“ („Roter Oktober“, Metrostation „Kropotkinskaja“) ist ein alter Industriegebäude-Komplex aus rotem Backstein, der sich auf der Insel im Moskau-Fluss mitten im Zentrum befindet. Früher war dies eine Fabrik, die in der Sowjetzeit unter diesem Namen Schokolade herstellte. Heute tummelt sich in den verschachtelten Gebäuden mehrere Galerien, Ateliers, aber auch Restaurants und Clubs. Man kann sich hier Ausstellungen anschauen, Vorträge über Kunst oder Architektur anhören und zu Konzerten tanzen. Egal an welchem Wochentag Sie hierherkommen, es ist immer etwas los. Als Beispiele seien die wechselnden Fotoausstellungen in der Galerie der Lumière-Brüder, Konzerte in der Gipsy-Bar oder das Art-House-Kino im Club Dome genannt.

 

Sonntag

12 Uhr, Kunst

In der berühmten Tretjakow-Galerie sind die Werke von Malern Wasnezow, Surikow, Sawrassow und Wrubel zu sehen. Foto: RIA Novosti

Es wird höchste Zeit für eine Zusammenkunft mit den Klassikern der russischen Malerei. Dafür sollte unbedingt die berühmte Tretjakow-Galerie (Metrostation „Tretjakowskaja“) besucht werden. Das von außen eher klein wirkende Gebäude an der Lawruschinski-Gasse beherbergt eine der weltweit größten Sammlungen russischer Kunst zwischen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Die vermeintlich geringe Größe des Museums täuscht: Es ist ein fast sinnloses Unterfangen, sich alles auf einmal anschauen zu wollen. Daher empfiehlt es sich, vorher auf der Internetseite des Museums die interessanten Säle herauszusuchen. Die Redaktion empfiehlt vor allem die den Malern Wasnezow, Surikow, Sawrassow und Wrubel gewidmeten Räume.

16 Uhr, Mittagessen im Restaurant

Ein Essen im berühmten Restaurant „Jar“ (Metrostation „Dinamo“), dem Nachfolger der gleichnamigen Moskauer Restaurantkette des ausgehenden 19. Jahrhunderts, ist etwas ganz Besonderes. In früheren Zeiten war das „Jar“ bekannt für seine überschwänglichen Feste mit Zigeunertänzen. Heute kommt man vor allem wegen des herrlichen Essens und der besonderen Atmosphäre aus vergangenen Tagen hierher. Zu den Highlights des Menüs zählen die Wareniki (Teigtaschen) mit Kamtschatka-Krabben-Füllung und Borschtsch mit Entenleber.

18 Uhr, Theater

Das Moskauer Tschechow-Theater (MChAT) wurde 1898 gegründet und ist eines der berühmtesten Theater Moskaus. Auf den Bühnen dieses Theaters gelingen immer wieder erstaunliche Verbindungen von klassischer Theaterschule und dramaturgischen Experimenten vielversprechender Jungregisseure. Liebhaber des traditionellen Theaters können sich Tschechows „Möwe“ ansehen, während Kennern der Avantgarde das Stück „Isobraschaja schertwu“ des populären Regisseurs Kirill Serebrennikow empfohlen sei. Tickets sollten im Voraus auf der Internetseite oder an der Kasse des Theaters gekauft werden.

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