Ein Wochenende in Ulan-Ude

Foto: Igor Gluschko

Foto: Igor Gluschko

Wer es etwas exotischer mag, der sollte nach Ulan-Ude im südlichen Sibirien fahren. Hier treffen Buddhismus, Orthodoxie und sowjetische Vergangenheit aufeinander. Mittendrin leben die Bräuche alter Nomadenvölker fort. Wir sagen Ihnen, was Sie an einem Wochenende sehen sollten.

Die im südlichen Sibirien gelegene Stadt Ulan-Ude gilt als wichtigstes buddhistisches Zentrum Russlands. Dieser Ort ist außerdem ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen und Weltanschauungen des Vielvölkerstaats. Buddhismus, Orthodoxie und wissenschaftlicher Atheismus, der zu Sowjetzeiten an die Stelle der Religionen trat, existieren hier nebeneinander.

Wer mit der Transsibirischen Eisenbahn Richtung Baikalsee unterwegs ist, sollte auf einen Abstecher in diese ungewöhnliche Stadt nicht verzichten.


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Samstag: Eine Reise durch Russlands Epochen

 
10 Uhr: Zaristisches Russland
Einen Stadtspaziergang durch Ulan-Ude sollte man, wie in jeder beliebigen anderen Stadt, im historischen Zentrum beginnen. Hier kann man unbekümmert die Tatsache hinter sich lassen, dass wir mittlerweile das 21. und nicht mehr das 19. Jahrhundert schreiben. Die mit Holzschnitzereien

Souvenirs

 

Die typischen Souvenirs aus Ulan-Ude sind alle möglichen Gegenstände mit buddhistischer Symbolik aus Edelstein und Halbedelstein. Das traditionelle burjatische Handwerk ist das Ziselieren von Silber.

Die Geschäfte in Ulan-Ude bieten Schmuck in burjatischem Stil und Haushaltsgegenstände an.

und Steinmetzarbeiten geschmückten Häuserzeilen russischer Kaufleute lassen die Atmosphäre einer wohlhabenden Kreisstadt des zaristischen Russlands im 19. Jahrhundert entstehen.

Ein Muss beim Besuch von Ulan-Ude ist der Basar-Platz. Mehr als 100 Jahre lang kamen  hier russische Kaufleute auf Jahrmärkten zusammen. Heute umgeben den Platz wie früher zahlreiche Cafés und Geschäfte, die von Gebetsmühlen bis Pfeil und Bogen alle erdenklichen burjatischen Souvenirs anbieten. 

Der Ort lädt auch ein, bei einem leichten Lunch eine kleine Pause einzulegen, etwa im Café Ulger (ul. Lenina 46), das traditionelle burjatisch-mongolische Gerichte mit europäischer Küche kombiniert. Auf dem Speiseplan steht unter anderem Scharbin, ein burjatischer Fladen mit Fleischfüllung (1,50 Euro) und Chuschuur (1,50 Euro). Die zuletzt genannte Speise nennen die Burjaten „Fleischbirnen“. Von den Getränken ist der Firmen-Tee aus der Region „Nogoon saj“ zu empfehlen.


12 Uhr: Symbol des Sozialismus

 Auf dem Platz der Sowjets entfaltet eines der wohl originellsten architektonischen Kunstwerke der sowjetischen Epoche eine monströse Wirkung: eine Porträtbüste Wladimir Lenins. Die weltweit größte Büste des Bolschewikenführers misst 13,5 Meter und wiegt zwölf Tonnen. Das Monument wurde sogar in das Guinnessbuch der Rekorde aufgenommen.

Die Einwohner Ulan-Udes halten bis heute Legenden über dieses Denkmal wach. Einer der beliebtesten Geschichten zufolge sollte ursprünglich eine vollständige Skulptur errichtet werden, die aber hatte sich beim Hubschraubertransport vom Seil gelöst. Übrig blieb lediglich der Kopf. Übrigens nähten in einem Winter aufmerksame Einwohner Ulan-Udes der Büste eine Ohrenmütze, um sie vor der Kälte zu schützen.


13 Uhr: Komplex der Epochen

 In Ulan-Ude gibt es über zehn verschiedene Museen. Reisenden mit begrenztem Zeitbudget empfiehlt sich ein Besuch des Ethnografischen Museums der Völker Transbaikaliens. Das Freilichtmuseum besitzt über 40

Verkehr

 

Ulan-Ude ist über 4 000 Kilometer von Moskau entfernt. Das Flugzeug ist daher praktisch das einzige Verkehrsmittel, das sich zur Anreise aus der russischen Hauptstadt eignet.

Die Flugzeit beträgt etwa sechs Stunden, die Preise für Hin- und Rückflug beginnen bei ca. 500 Euro.

Den Abenteurern unter den Reisenden ist die Transsibirische Eisenbahn zu empfehlen. Ein Schnellzug erreicht das Ziel in drei Tagen.

Die günstigsten Tickets kosten 105 Euro. Am Abteilfenster ziehen abwechslungsreiche Abschnitte von Russland vorüber.

Architekturdenkmäler und mehr als 11 000 Exponate. Mit diesen umfassenden Beständen unternimmt es den ehrgeizigen Versuch, die Realien Ostsibiriens von den alten Zivilisationen der Hunnen im 3. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu rekonstruieren.

Das Museum befindet sich nur zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt im Bezirk Werchnjaja Beresowka. Es ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, mit dem Linientaxi Nr. 37 oder einem einfachen Taxi. Werktags ist der Museumskomplex bis 18 Uhr geöffnet, an Feiertagen bis 20 Uhr.


18 Uhr: Quartier in der Jurte Baatar

 Ein ganzer Tag auf den Beinen, auch wenn er interessante Eindrücke verschafft, macht müde. Schön, dass neben dem Ethnografischen Museum eine der beliebtesten Gaststätten gelegen ist, in der man verweilen und sich verköstigen lassen kann: das Café der Jurte Baataraj Urgoo, was übersetzt so viel wie „tapferer Kämpfer“ bedeutet. Die Eigentümer des Cafés haben alle Bestandteile der ursprünglichen Kultur vollständig erhalten, die traditionelle Ausstattung einer Wohnstätte nomadischer Steppenvölker und die nationale Küche.

Die Basis der Fleischspezialitäten sind Hammelfleisch, Rindfleisch, im Fluss Selenga beheimatete Fischarten und sogar Bärenfleisch. Das bekannteste Fleischgericht sind Buusy oder Posy, große Pelmeni nach burjatischer Art.

Wer nach einem reichhaltigen Abendessen nicht in die Stadt zurückkehren möchte, kann direkt hier übernachten. Auf dem Gelände stehen Touristen, die ein richtiges Nomadengefühl auskosten wollen, Zwei- und Vier-Bett-Jurten zur Verfügung. Im gleichen Komplex gibt es aber auch ein kleines Hotel, in dem Nationalkolorit behutsam mit Satellitenfernsehen und WiFi zusammengeführt wird. Der Preis für eine Übernachtung liegt hier bei etwa 76 Euro.


Sonntag: Auf Buddhas Spuren 

 
8 Uhr: Unterwegs mit Buddha

 30 bis 40 Minuten Fahrtzeit von Ulan-Ude entfernt, im kleinen Dorf Iwolginsk, liegt das berühmte buddhistische Kloster Iwolginski Dazan, das Zentrum der Sangha Russlands. Zum Dazan gelangt man mit dem Linientaxi Nr. 130, das vom Bansarow-Platz in Ulan-Ude nach Iwolginsk fährt. Dort muss man in die Linie Iwolginsk-Dazan umsteigen.

 

14 Uhr: Lagerstätte heiliger Gebeine 

Noch ein weiteres für Russland besonderes buddhistisches Kloster liegt in Ulan-Ude: Es ist der Frauen-Dazan Sungon Darschaling, heute das einzige buddhistische Kloster Russlands. Die burjatische Mythologie besagt, dass die Urahnin der ersten Erdenbewohner eine Frau war. In dem Dazan gibt es einen Schrein mit heiligen Gebeinen: Spuren von Blut und Knochen Buddhas. 

Sungon Darschaling liegt fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt in der Kljutschewskaja ul., im sogannten 18. Bezirk.

17 Uhr: Auf dem Gipfel des Lyssaja Gora

 Die Begegnung mit Buddha kann man am malerischsten Ort von Ulan-Ude abschließen, auf dem Berg Lyssaja Gora. Von dort eröffnet sich ein Panoramablick über die gesamte Stadt und ihre Umgebung in den Niederungen der Flüsse Selenga und Uda. 

 

Saisonale Sonderattraktionen

Wer Ulan-Ude im Winter bereisen möchte, sollte das Ende Februar bis Anfang März tun. In diesen Tagen begehen die Burjaten das wichtigste Fest der mongolischsprachigen Völker: Sagaalgan, Frühlingsbeginn und Neujahr nach dem mongolischen Mond- und Sonnenkalender, dem jedes Jahr der genaue Tag des Neujahrsfestes zu entnehmen ist.

Im Sommer, am ersten Samstag und Sonntag im Juli, kann man der spektakulären Veranstaltung Surcharbaan beiwohnen. Dieses burjatische Volkssportfest, die sogenannten „Kämpfe dreier Männer“, gliedert sich in drei rituelle Etappen: Bogenschießen auf eine Lederzielscheibe, Wettkämpfe in burjatischen Kampftechniken und Galopprennen. Im Juli findet außerdem das internationale World-Music-Festival Voice of Nomads statt.

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