Ein Wochenende in Petrosawodsk und auf Kischi

Die Uferpromenade des Onegasees in Petrosawodsk. Foto: Lori / Legion Media

Die Uferpromenade des Onegasees in Petrosawodsk. Foto: Lori / Legion Media

Die Hauptstadt Kareliens ist ein idealer Ausflugsort für all jene, die sich für große Seen und wilde Wälder, Holzkirchen und Denkmäler begeistern.

Ein Wochenende reicht, um die hübsche Insel Kischi zu besuchen, die kulinarischen Spezialitäten der nationalen Küche zu kosten, einen Spaziergang am zweitgrößten See Europas zu unternehmen und die eigenwillige russische Stadt zu erkunden. Peter der Große ließ 1703 eine Waffenfabrik in Petrosawodsk erbauen, um Russland für den Krieg gegen Schweden zu rüsten. Der Name der Stadt bedeutet „Peters Fabrik". Mit zwei Universitäten hat die Stadt ein junges Flair. Die nahegelegene Grenze zu Finnland verleiht ihr einen europäischen Charakter.


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Freitag

16. Uhr: Spaziergang am Seeufer und Skulpturenrundgang

Für einen frühabendlichen Spaziergang an Europas zweitgrößtem See ist die Uferpromenade des Onega direkt anzusteuern. Der Onegasee mit seinen Hunderten Inseln und alten Felszeichnungen inspirierte Alexander Puschkin, den Helden seines Versepos Eugen Onegin zu nennen. In der Puschkinskaja Uliza steht ein Denkmal für den Dichter, das ihn lässig in einem Gehrock und mit verschränkten Armen zeigt. Es ist nur eine von vielen Skulpturen in Ufernähe.

Einige dieser dekorativen Kunstwerke haben Partnerstädte von Petrosawodsk der Stadt geschenkt. Die markante Skulpturengruppe

Anreise

 

Es gibt Inlandsflüge von Moskau Domodedowo nach Petrosawodsk-Flughafen (12 Kilometer außerhalb der Stadt). Die Preise für Hin- und Rückflug von Moskau liegen bei 8000 Rubel (etwa 200 Euro). Die Flugdauer beträgt 90 Minuten.

Nachtzüge von Sankt Petersburg brauchen rund acht Stunden, die Fahrscheine pro Strecke kosten zwischen 500 und 800 Rubel (etwa 20 Euro).

Es gibt auch Zugverbindungen aus dem etwa 1000 Kilometer entfernten Moskau. Die Fahrtzeit pro Strecke beträgt 15 bis 20 Stunden, eine einzelne Fahrt kostet bis zu 5000 Rubel (etwa 225 Euro).

„Fischer" auf einem Fels über dem Wasser mit ihren dünnen, durch den Wind fliegenden Metallnetzen ist ein Geschenk der Hafenstadt Duluth, Minnesota, aus dem Jahr 1991. Das norwegische Mo i Rana auf dem Rjanford nahe der Arktis stiftete eine Gruppe stilisierter Figuren mit dem Titel „Meeting Place". Die älteste Skulptur ist ein klassisches Bronzedenkmal für den Stadtgründer Peter den Großen, das sich seit 1873 am Ende der windgepeitschten Uferpromenade imperial erhebt.

 

19. Uhr: Fischsuppe und Moltebeeren

Versorgt mit frischer Luft und Kultur wird man gerne im 10 Minuten vom Stadtzentrum entfernten Restaurant Karelskaja Gorniza einkehren und karelische Spezialitäten kosten. Das Lokal ist gnadenlos touristisch und nach der Art eines traditionellen karelischen Holzhauses mit einer Menge bäuerlichen Kunsthandwerkes ausgestattet wie ein Heimatmuseum. Das Servicepersonal ist in Trachten gekleidet. Lassen Sie sich davon aber nicht abschrecken, die Gerichte sind schmackhaft und die Atmosphäre behaglich.

Man kann, wie hier üblich, mit einem Wodka-Cranberry-Cocktail anstoßen und dann die eingelegten Waldpilze oder den gesalzenen Kabeljau mit

Hotels

 

Schnäppchenjäger können im Hostel Kischi absteigen, dort gibt es Mehrbettzimmer für bescheidene 340 Rubel (noch nicht einmal 10 Euro) und Zweibettzimmer ab 2000 Rubel (etwa 50 Euro).

 Wir sind im zentral gelegenen Hotel Sewernaja untergekommen (Prospekt Lenina 21; +7 8142-59-97-77). Dort kann man in einem Familienzimmer für rund 5000 Rubel (125 Euro) übernachten. Das Gebäude aus der Sowjetära wirkt etwas verwittert, das Hotel aber ist gemütlich und sauber.

Die derzeit exklusivste Unterkunft ist das an der rechten Uferseite des Sees gelegene 4-Sterne Onego Palace mit großartigem Blick über das Wasser. Im Hotel gibt es ein Gourmet-Restaurant, Sauna, Fitness und Spa. Die Preise für eine Übernachtung beginnen ab 4250 Rubel (etwas mehr als 100 Euro) für ein Einzelzimmer und liegen bei rund 20.000 Rubel (500 Euro) für eine Doppelzimmer-Suite.

Gurken probieren. Karelien ist reich an Flüssen und Seen. Die große Auswahl an Gerichten aus Süßwasserfischen – beispielsweise Ucha (Fischsuppe) nach karelischer Art aus Forelle oder Lachs oder gebackener Zander mit Kartoffelpüree – überrascht daher nicht.

Für ein Festgelage im Karelskaja Gorniza muss man etwas tiefer in die Tasche greifen. Ein Drei-Gänge-Menü kann an die 2000 Rubel (50 Euro) kosten, aber wer Moskauer Preise gewohnt ist, wird das gelassen hinnehmen. Das Lokal ist von 11.00-23.00 geöffnet.

Uliza Engelsa, 13. Telefon: +7 (8142) 785 300

 

21. Uhr: Bier oder Balsam

Für einen abendlichen Drink, einen Kaffee oder Kuchen stehen einige Bars und Cafès auf dem Prospekt Lenina zur Auswahl. Das studentische Kaffee im Haus Nummer 23 und die vom gleichen Eigentümer betriebene Neubrandenburg Bar haben die feinsten Getränke im Angebot. Bei einem schlichten russischen Bier für 70.00 Rubel (1 Euro 75 Cent) kann man hier die Welt an sich vorüberziehen lassen. Eine exotischere Alternative ist Karelischer Balsam, ein kräftiger Likör aus 20 verschiedenen Kräutern.

 

 

Samstag

10. Uhr: Ikonen, Meeresblick und Nationale Epen

Das Karelische Museum für Schöne Künste befindet sich am Prospekt Karla Marxa mit ein paar Frühstückscafès und Kantinen in näherer Umgebung.

Es besitzt eine stattliche Ikonen-Sammlung aus dem 15. Jahrhundert und späteren Zeiten, farbenfrohe Beispiele lokaler Stickerei und bemalter Rocken. Besonders bemerkenswert sind die Arbeiten russischer Maler des 19. Jahrhunderts von Isaak Lewitans stimmungsvollen Landschaften bis zu Iwan Aiwasowskis brillanten Marinebildern. 

 

14. Uhr: Karelisches Heimatskundemuseum

Wer mehr über das Mythos Kalevala erfahren möchte, sollte einen Besuch des Karelischen Heimatkundemuseums am Lenin-Platz einplanen. Dort ist ein ganzer Saal dem finnischen Epos, einschließlich Manuskripte und Musikinstrumente, gewidmet. 

 

19. Uhr: Lied und Tanz

Kareliens Nationaltheater am Kirow-Platz ist einen mehrstündigen Besuch wert. Architektur und Ausstattung stellen eine verrückte Mischung aus klassischem, barockem und sowjetischen Stil mit Kronleuchtern und Deckenmalerei dar. Die Ticketpreise sind moderat. Die Stücke reichen von musikalischen Aufführungen und Rockopern bis zu skandinavischen Dramen, romantischen Komödien, Märchen für Erwachsene und Shakespeares Tragödien.

 

Mitternacht: DJs im Das Kapital

Nachtaktive, für die der Abend mit dem Theaterbesuch gerade erst anfängt, sollten den Petrosawodsker Trend-Club Das Kapital ganz in der Nähe des Prospekt Karla Marxa kennenlernen. Hier gibt es die ganze Nacht Musik. Zwei Dance Floors, Live-Darbietungen, legendäre DJs und exotische Cocktails machen Das Kapital zum Magneten für unermüdliche junge Leute und solche, die im Herzen jung geblieben sind. 

 

Sonntag


8.30 Uhr: Wunder aus Holz


Die Erlöser-Verklärungs-Kirche auf der Kischi-Insel. Foto: long-way.ru

Ein Ausflug zur atemberaubenden Insel Kischi, die seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, ist ein Muss für Reisende in dieser Region. Das

Tragflächenboot vom Petrosawodsker Fährhafen braucht pro Strecke 15 Minuten. Tickets für die Hin- und Rückfahrt kosten etwa 2500 Rubel (62,5 Euro) . Die Fähre verkehrt, wenn genug Fahrgäste zusammenkommen, von Mai bis September um 8.45 Uhr (oder 11.00 Uhr).

Das Wahrzeichen der Insel ist die von 22 Kuppeln gekrönte Verklärungskirche, deren Giebel eine weithin über das grasbewachsene Ufer des Onegasees sichtbare Silhouette bilden. Die Insel beherbergt jedoch auch zahlreiche andere architektonische Perlen. Das 1951 eröffnete Staatliche Freilichtmuseum für Holzarchitektur auf Kischi zeigt auf einer 6 Kilometer langen Strecke eine Sammlung von Kirchen und Bauernhäusern, Windmühlen, Wassermühlen, Schmieden, Scheunen, Glockentürmen und Banjas in einer wunderschönen natürlichen Umgebung. Die Eintrittspreise für das Museum betragen 625,00 Rubel (15,5 Euro) für Ausländer. 

In der Nähe der Anlegestelle gibt es ein paar Cafès, in denen man Blinis oder eine Tasse Kaffee bekommt. Im Sommer laden die Blumenwiesen am Ufer zu einem Picknick ein.

 

15. Uhr: Souvenirs

In Petrosawodsk reicht die Zeit noch, um ein paar Souvenirs zu besorgen. Geschäfte wie Chudoschestwennyj Salon in der Uliza Gerzena 41 bieten traditionelles karelisches Kunsthandwerk an – Birkenrindenbilder, Keramik, Strickwaren, Goldstickerei, Puppen oder Spielzeug.