Der Zauber der Tschuktschen-Halbinsel

Die Tschuktschen-Halbinsel im weiten Nordosten Russlands und Eurasiens ist eine der entlegensten und rauesten Gegenden Russlands, die noch weitgehend unerschlossen ist.

Foto: Andrej Stepanow, stan-d-art.ru.

Die hier sesshaften Einwohner leben in kleinen Siedlungen, die über die riesige Tundra verstreut sind. Das Gebiet ist im Sommer von einer einmaligen Farben- und Duftpracht geprägt. Im Winter ist es den arktischen Winden ausgesetzt und versinkt in ewige Nacht, meterdicke Schneedecken und die mystische Welt der Polarlichter. 

Als Mensch kommt man sich hier, in der stillen, schneeweißen Wüste, wie ein kleines Sandkorn vor. Wer allerdings hierher fährt, der kann sich von der Frische der Meereswinde, die aus den zwei hier zusammenfließenden Ozeanen kommen, bezaubern lassen, die einzigartige Flora und Fauna der Arktis bestaunen, geheimnisumwogene Zeugnisse und Kultstätten der antiken Tschuktschen entdecken und von einem Kontinent auf einen anderen hinüberblicken.


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Der autonome Kreis der Tschuktschen zählt trotz einer Fläche von 721 500 km², welche jene anderer europäischer Staat um vieles übersteigt, zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Russlands. In den Weiten der Region leben nur etwa 50 000 Menschen, von denen die Hälfte indigene Völker des Nordens ausmachen.

Die Tschuktschen-Halbinsel teilt die dort gelegenen Weltmeere wie ein Keil

Anreise

 

Anadyr, die Hauptstadt des Autonomen Kreises der Tschuktschen, ist von Moskau aus nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Da es auf der Halbinsel keine Straßen gibt, ist es zudem noch sehr schwierig, sich fortzubewegen.

Flugzeuge und Helikopter dienen dazu, von einer Ortschaft zur nächsten zu gelangen. Im Sommer besteht auch die Möglichkeit, das Meer als Verkehrsweg zu nutzen.

Um sich jedoch auf der Halbinsel aufhalten zu dürfen, benötigt man eine Erlaubnis vom russischen Geheimdienst FSB, da sich die russisch-amerikanische Grenze ganz in der Nähe befindet.

Wir empfehlen daher all jenen, die die Halbinsel gerne entdecken möchten, eine Reise über ein Reisebüro zu buchen und mit einer Reisegruppe dorthin zu fahren.

auseinander – an sie grenzen das Nordpolarmeer und der Pazifische Ozean. Wenn man das Kap Deschnjow, den östlichsten Punkt des russischen und asiatischen Festlands erreicht, kann man links von sich das Nordpolarmeer, rechts den Pazifischen Ozean, vor sich Nordamerika und hinter sich die beinahe unendlichen Weiten der Tundra im Nordosten Eurasiens erblicken.

Die Halbinsel ist zudem noch die einzige Region Russlands, die sich auf beiden Hemisphären, der östlichen und westlichen, befindet. Denn auf der Erde gibt es nur zwei Orte, in denen der 180. Längengrad, welcher den Planeten in eine östliche und eine westliche Hemisphäre teilt, über Land verläuft: auf der Tschuktschen-Halbinsel und auf den Fidschi-Inseln. 

 

Die Tundra zwischen Farbenpracht und Kälte 

Das Land wird vollständig von der Tundra bedeckt. Es ist geprägt von weiten, hügeligen Flächen, auf denen Moos, Zwerg-Birken und -weiden sowie andere kleine Baumarten, die dem Boden ihr typisches Bild verleihen und Gras wachsen. Im kurzen Polarsommer verwandelt sich die Tundra dank der dort heimischen arktischen Beeren, Pilze und Blumen buchstäblich in einen bunten Teppich, der in seiner Farben- und Duftpracht einzigartig ist. 

Doch so farbenprächtig die Tundra auch sein kann, so kalt ist sie auch. In den abgelegensten Orten ist sogar im Sommer noch Schnee zu finden, da

hier bereits Ende Oktober, nach der Regen- und Nebelzeit, der erste Schnee fällt. Es schneit bis in den Juni des nächsten Jahres, wobei in dieser Zeit über die Tschuktschen-Halbinsel die langen Winternächte hereinbrechen. Das Sonnenlicht ist dann nur wenige Stunden am Tag sichtbar.

Ebenso faszinierend ist das Küstengebiet der arktischen Halbinsel, das zu den windigsten Regionen Russlands gehört. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 Metern pro Sekunde (288 km/h) gehören die dort wütenden Sturmböen nicht gerade zu den angenehmsten Meeresbrisen. Doch die Kälte und die Stürme des arktischen Winters bergen ebenso Naturwunder, die unvergessliche Eindrücke hinterlassen. So kann man zu dieser Jahreszeit auf der Tschuktschen-Halbinsel die sagenumwogenen Polarlichter bestaunen.

Der kurze Frühling hält hier erst Ende Juni Einzug und mit ihm beginnt die mehrere Meter dicke Schneedecke langsam zu schmelzen. Das Tauwasser fließt in den Dörfern und Ortschaften zu tiefen Lachen zusammen und verwandelt die Tundra in ein unpassierbares, nasses Labyrinth, in dem der Gesang von tausenden Vögeln ertönt, die aus dem Süden hierher geflogen sind. Erst im Juli und August eröffnet der Polarsommer den Bewohnern der Halbinsel seine Farben- und Duftpracht.

 

Begegnung mit Ungewohntem und Unverständlichem

Wenn man zum ersten Mal die Tschuktschen-Halbinsel besucht, stößt man auf viel Ungewohntes und auf den ersten Blick Unverständliches. So lassen sich hier beispielsweise die Haustüren nicht nach außen öffnen, sondern nach innen. Dies hat praktische Gründe: Im Winter, der hier bis zu neun Monate anhält, reicht der Schnee oft bis zu den Dächern hinauf. Damit die Menschen morgens ihre Häuser verlassen können, müssen sie die Haustüren nach innen öffnen und einen Tunnel durch den Schnee graben. Würden sich die Haustüren nach außen öffnen lassen, könnte niemand den Winter über sein Haus verlassen.

Die Urvölker der Halbinsel, die Tschuktschen und die Inuit, sind ein sehr lustiges Volk, das Feste liebt. So werden jeden Winter Hunde- und Hirschschlittenrennen veranstaltet und im Sommer eröffnet am Ufer der Beringstraße das Festival „Beringia“ seine Tore. Auf diesem Volksfest herrscht ein reges Treiben: Volksmusikensembles aus verschiedenen Teilen der Halbinsel treten auf, Meister des Kunsthandwerks präsentieren ihre Arbeiten und Sportmannschaften messen sich in verschiedenen nationalen Sportarten.

 

Kultstätte aus Walknochen und Menschen mit Pilzköpfen

Im Südosten von Tschukotka, auf der Insel Yttygran, befindet sich eine der geheimnisvollsten Kultstätten der Urbevölkerung – die Walallee. Auf dieser Insel, die nie bewohnt war, erstrecken sich auf einer Länge von etwa 500 Metern zwei Reihen von in die Erde eingegrabenen Schädel- und Rippenknochen gigantischer Grönlandwale. Die Walrippen ragen dabei fast fünf Meter in die Höhe.

Erstaunlicherweise wurden diese Knochen extra von anderen Orten hierher gebracht. Zudem wurde auch ein aus Steinen gepflasterter Weg errichtet, der seinen Ursprung in der Allee hat und an einem runden Platz, bestehend aus einem Steinkreis, endet. Die Mitte dieses Steinkreises bildet eine Feuerstelle mit Asche. Wissenschaftler halten diesen Ort für eine Kultstätte der alten Inuit.

Ein weiteres interessantes Fundstück, das aus dieser Zeit erhalten geblieben ist, sind die Petroglyphen am Fluss Pegtymel. Die in einer Höhe von 20 bis 30 Metern in Fels gemeißelten Zeichnungen sind etwa 2000 Jahre alt und zeigen Jagdszenen, bei denen Urmenschen und eigenartige menschenähnliche Wesen mit pilzförmigen Köpfen zu sehen sind. Diese Gebilde werden heute von manchen mit den Zeichnungen der Maya verglichen und mit der Verwendung von halluzinogenen Pilzen in Verbindung gebracht. Andere wiederum meinen daraus schließen zu können, dass die alten Inuit Kontakt mit Außerirdischen hatten.