Zwischen Meer und Bergen: Sotschi ist eine Reise wert

Auch in Zeiten der Sowjetunion zählte Sotschi für Millionen Menschen zu den beliebtesten Kur- und Erholungsorten. Foto: Michail Mordasow / Focus Pictures

Auch in Zeiten der Sowjetunion zählte Sotschi für Millionen Menschen zu den beliebtesten Kur- und Erholungsorten. Foto: Michail Mordasow / Focus Pictures

Auch in Zeiten der Sowjetunion zählte der mondäne Badeort am Schwarzen Meer für Millionen Menschen zu den beliebtesten Kur- und Erholungsorten. In Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 2014 werden viele romantische Ecken der Stadt modernisiert und umgestaltet.

Sehenswert in Sotschi

Alle, die das künftige „Mekka des Sports“ noch in seinem ursprünglichen Flair erleben wollen, sollten unbedingt noch vor der Olympiade der Stadt einen Besuch abstatten. Dann kann der Tourist noch die typischen Kerle mit ihren aufgeputzten Püppchen antreffen und den exzentrischen Mix der alten Stadt erleben, der aus Meer und Bergen, weitläufigen Parks, dem weltoffenen Hafen, russischer Folklore, vergangenem sowjetischen Lifestyle und schicken Restaurants mit traditioneller kaukasischer Küche besteht.

Der Großraum Sotschi umfasst 250 Quadratkilometer. Seine Küstenlinie zieht sich sage und schreibe 145 Kilometer am Schwarzen Meer entlang. Die Stadt zählt somit zu den längsten Städten der Welt. Auch die einzigartige Kombination aus subtropischem Klima an der Küste und den sich dahinter erhebenden schneebedeckten Bergen des Nordkaukasus macht die Stadt zu einer der populärsten Touristendestinationen in ganz Russland. Kein Wunder, liegt sie doch auf dem gleichen Breitengrad wie Nizza und bietet dasselbe mediterrane Flair wie ihr französisches Pendant an der Côte d’Azur.

 

Der Botanische Garten von Sotschi

„Der Sommer in Sotschi beginnt, wenn der betörende Duft von blühenden Magnolien sich mit Rauch von würzig gegrillten Schaschlik paart“, erklärt ein Reiseführer im Dendrarium, wie hier der Botanische Garten genannt wird. Er zählt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

"Dendrarium" - der Botanische Garten

Kurortnij prospekt 74. Im Sommer täglich geöffnet von 8:00 bis 21:00 Uhr. Eintritt 6 EUR. Führung durch den Garten 1,30 EUR.

Der eine Fläche von 50 Hektar einnehmende Botanische Garten kann sich einer einzigartigen Sammlung von etwa 2 000 Baum- und Straucharten rühmen, die aus allen Teilen der Welt nach Sotschi gebracht wurden. Der Park wurde 1892 vom St. Petersburger Verleger Sergej Chudekow angelegt. Er kaufte das Areal, um seiner Gattin Nadeschda in einem stattlichen Park eine Villa einzurichten. Das paradiesische Dendrarium ist zweigeteilt. Man spricht vom Oberen und Unteren Garten. Beide Teile sind durch einen Tunnel verbunden. Eine Seilbahn führt hinauf in den oberen Teil.

Im Oberen Garten ist an der Terrassenform deutlich der Einfluss italienischer Baukunst zu erkennen. Hier wurde die Villa Nadeschda, der mauretanische Pavillon und der Märchenbrunnen errichtet. Allerorten gibt es Skulpturen zu bewundern. Der Obere Garten beherbergt auch den größten Teil der Baum- und Pflanzensammlungen, die den Park in einen schier endlosen Urwald verwandeln. Wenn man in diesem Teil des Dendrariums lustwandelt, verirrt man sich leicht zwischen zahlreichen Palmen, Zypressen, Magnolien, Wacholderbäumen und Kiefern. Allein 80 von weltweit 120 bekannten Kiefernarten gibt es hier zu bewundern. Beim Spaziergang durch diesen Urwald wird man nicht nur von der Vielfalt der paradiesischen Landschaft überwältigt, sondern erliegt auch dem Duft unzähliger exotischer Kräuter und Blumen.

Der Untere Garten ist hingegen ein Ort purer Entspannung. In der Efeu-Allee kann man verspielten Bibern zusehen und darf sie auch  füttern. Gleich daneben gleiten schwarze und weiße Schwanenpaare graziös übers Wasser. 

 

Die repräsentativen Staatsvillen

Sotschi war schon immer ein beliebter Erholungsort für viele einflussreiche russische und sowjetische Politiker. Der bauwütige Partei- und Staatschef Josef Stalin, der nicht gern von Moskau aus regierte, sondern überall im Land unzählige Villen und Datschen bauen ließ, errichtete auch in Sotschi Residenzen. Im nördlichen Ortsteil Dagomys steht eine seiner Datschen - "Botscharow Rutschei". Sie dient heute als Residenz des russischen Präsidenten, in der das Staatsoberhaupt auch ranghohe Gäste empfängt.

„Seljonaja Roschtscha" - die Ehemalige Villa von Stalin

Kurortny Prospekt 120 im Ortsteil Chosta. Übernachtung in Stalins 111 Quadratmeter großer Suite: 337 EUR; einfache Übernachtung im "Zelenaya Roscha VIP Hotel", Kurortny Prospekt 120/2 ab 79 EUR.

Während einem normalen Sterblichen dort kaum Einlass gewährt wird, lässt sich immerhin in einer anderen Villa fürstlich übernachten: Auch „Seljonaja Roschtscha“ (deutsch „Grüner Hain“) gehörte einst Stalin. Die Residenz des einstigen Staatsoberhaupts thront auf dem Gelände des wortgebenden ehemaligen Sanatoriums auf einem Hügel 50 Meter über dem Meeresspiegel. Das festungsartige Herrenhaus bietet heute ein Museum sowie zwölf Suiten, die als Hotel dienen und auch vermietet werden.

Gleich beim Eintritt in die gepflegte Villa begegnet man dem einstigen Gastgeber, besser gesagt seiner Wachsfigur, und könnte ihr glatt die Hand schütteln. Doch die wahre Hüterin des Hauses ist heute eine resolute Frau mit rauer Stimme. Sie hat früher für den KGB gearbeitet und führt nun durch die Geschichte des Hauses. So berichtet sie, wie das Haus im Jahre 1937 erbaut wurde. Das bleibt nicht ohne den Hinweis, dass damals die stalinistischen Säuberungsaktionen ihren Höhepunkt fanden. Weil die Villa nie umgestaltet wurde, ist hier alles authentisch: Alle Räume und viele Einrichtungsgegenstände sowie persönliche Gegenstände von Stalin sind noch bestens erhalten.

Nach ein paar interessanten historischen Fakten über das Haus, geht es dann zum Kaminsaal, wo Stalin seine Empfänge veranstaltete, jedoch „niemals mit den Gästen trank“, wie die Führerin wissend erläutert. Er soll sich bescheiden und volksverbunden gegeben haben und sich am liebsten einsam zurückgezogen haben. Die heutige Dame des Hauses führt dann weiter zum ehemaligen Büro des Diktators, wo seine lebensgroße Wachsfigur am Schreibtisch nur auf den Besucher zu warten scheint. Hier sieht man auch ein schweres Ledersofa, auf der sich Stalin in aller Stille Filme ansah. Die Hausdame beteuert, dass er eine sehr zurückgezogene Person war und nicht wollte, dass jemand seine Gefühle errät. "Und wehe, man wagte es, ihm auf die Schulter zu klopfen oder seine Pfeife zu berühren! Das konnte schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen."

 

Sotschier Lebensart

In Sotschi habe sich mehr Stereotypen erhalten, als in jeder anderen Stadt Russlands. Auch heute noch trifft man alle naselang auf die Epoche, die Russland zu Anfang der 90er Jahre prägte. Hier gibt es sie noch: Brutale Kerle, die wie Mafiosi aussehen und ihr Püppchen im Arm halten, oder Musiker, die in Restaurants und Bars auftreten und vom harten Schicksal der Gangster, dem rauen Leben im Gefängnis und dem ungestillten Verlangen nach Freiheit singen.

Dies mag in gewisser Hinsicht sogar berechtigt sein, da Sotschi einerseits ständig versucht ist, Moskau in seiner Entwicklung einzuholen. Beispielsweise werden schicke Restaurants und Clubs mit so trendigen Namen wie "London" oder "Malibu" eröffnet. An deren Eingängen bauen sich grimmige Türsteher auf, die so gefährlich und böse dreinblicken, dass man schon lachen muss. Doch andererseits läuft der russische Badeort ewig der Zeit hinterher.

Auch die Frauen sind ein Kapitel für sich. Betrachtet man die Schönheiten der Stadt, so sind sie krampfhaft bemüht, die Aufmerksamkeit aller Männer auf sich zu ziehen. Sie zwängen sich in hautenge Jeans und superkurze Miniröcke und tragen natürlich gefährlich hohe High-Heels zu jedem Anlass. Fast jede zweite tritt im Kim-Kardashian-Look auf, wozu sie immer einen bösen Buben an ihrer Seite braucht, dessen Wagen ein Modell zwischen hochgetuntem Lada oder schnittigen Porsche ist. Natürlich immer mit den obligaten dunklen Fensterscheiben.

Diese Eigenarten machen die Stadt so einzigartig. Yoga, gesundes Bio-Essen und affektierte Manieren? Fehlanzeige. Die Stadt scheint sich bewusst vom traditionellen westlichen Lifestyle abzugrenzen. Wie andere russische Städte und Gegenden auch hat Sotschi eben seine Besonderheiten. Entweder liebt man diese Stadt oder hasst sie, aber gleichgültig lässt sie einen nicht.

Essen und Trinken

Essen und Trinken

Für Touristen gibt es kein größeres Glück, als den Genuss landestypischer kulinarischer Spezialitäten; und das Ganze auch noch zu moderaten Preisen.

Gerade in Sotschi kann jeder das Restaurant finden, das seinem Geschmack und Budget entspricht. Denn die Nähe der Stadt zum Meer, zum Kaukasus sowie zu den vielfältigen Kulturen in Abchasien und Georgien ist die Quelle für die Vielfalt an ethnischen Restaurants. Hier versammeln sich mannigfaltige Angebote und bieten diverse Köstlichkeiten, angefangen von Schaschlik und Chinkali (Teigtaschen), über Mazoni (Joghurt), bis hin zu Saziwi (Sauce). Die Gerichte und Zutaten aus aller Herren Länder sind so vielfältig, dass man nicht einmal ihre Namen richtig aussprechen kann.

Belye Notschi

„Belye Notschi“ (dt. "Weiße Nächte") ist das Restaurant schlechthin, wenn es darum geht, georgische Chinkali und noch viele andere Teigtaschen mit Füllungen aus faschiertem Rind- und Schweinefleisch zu kosten. Das Restaurant bietet diese Delikatessen nämlich gedämpft, gebraten oder gekocht, wozu vielfältige Saucen gereicht werden. Eine Portion aus fünf Chinkali kostet etwa 4,50 EUR. Das ist sogar für Sotschi wahnsinnig günstig. Und wem das nicht reicht, für den gibt es noch Stör-Suppe oder gar die typisch russische „Ucha“. Diese traditionelle Fischsuppe war  einst dem Zaren vorbehalten und hat die Bezeichnung "Zarengericht" mehr als verdient.

Wer hier einkehren will, sollte früh genug einen Tisch reservieren, da das Restaurant für gewöhnlich gut gefüllt ist.

Stary Basar

Nur wenige Gehminuten von Sotschis Hafen liegt das Restaurant „Stary Basar“ (dt. "Alter Markt"), das mit seinen günstigen Preisen nicht nur Touristen anlockt, sondern auch die Ortsansässigen mit einem Speisenangebot verführt, dem man einfach nicht widerstehen kann. Sollte man hier auf einen Gaumenschmaus vorbeischauen, so muss man unbedingt Chatschapuri probieren, ein rundes Gebäck mit Käsefüllung. Es ist schwer, sich zwischen den leckeren, typisch imeritischen und den exklusiven adscharischen Chatschapuri zu entscheiden: Der Teig der adscharischen Variante hat die Form eines Schiffchens und wird mit weichgekochtem Ei und Butter gefüllt. Die Chatschapuri sind groß genug, um als vollwertige Mahlzeit durchzugehen. Die unwiderstehliche Fischsuppe Ucha wird hier mit Forelle und Fenchel zubereitet.

Tschajka

Anders als die Mehrheit der Restaurants, die den Gast in landestypischer Umgebung mit traditioneller kaukasischen Kost bewirten, huldigt das Restaurant „Tschajka“ (dt. "Möwe") der europäischen Küche. Auch mit seiner Einrichtung gibt es sich überaus mediterran. Das Etablissement  befindet sich in einem Gebäude, das am Hafen im Stalinistischen Imperialstil erbaut wurde und von seiner Terrasse aus einen atemberaubenden Blick auf das weite Meer mit seinen Schiffen und Segeln bietet.

Hier kann man exklusiv und schick dinieren, und die relativ hohen Preisen erklären sich schnell, wenn man erfährt, dass das Restaurant einem Moskauer Luxus-Unternehmen gehört. Aber eben nur hier wird eine perfekte Champignon-Cremesuppe serviert.

Informationen im Detail 

"Belye Notschi"

Uliza Odschonikidse 9. Preiswert, Gerichte schon unter 10 EUR.

"Stary Basar"

Uliza Neserbskaja 4. Rustikales Restaurant, dreigängiges Menü ab 20 EUR.

"Tschajka"

Uliza Wojkowaja 1. Gehobenes Restaurant mit Meerblick, Speisen ab 50 EUR.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland