Russlands Bauernmärkte liegen im Trend

Russlands Regionen mit ihren Bauernmärkten genießen große Beliebtheit. Foto: RIA Novosti

Russlands Regionen mit ihren Bauernmärkten genießen große Beliebtheit. Foto: RIA Novosti

In Russland werden in der warmen Jahreszeit zahlreiche Bauernmärkte veranstaltet. Diese erfreuen sich sowohl bei den Russen als auch bei Ausländern großer Beliebtheit. Russland HEUTE hat eine Liste beliebter Heimatfeste und Feinschmeckermärkte erstellt.

In Russland erfreuen sich Bauernmärkte immer größerer Beliebtheit. Sie haben allerdings kaum etwas mit den europäischen Wochenmärkten oder den US‑amerikanischen „Farmer's markets" gemeinsam. In Russland werden sie nur in der warmen Jahreszeit, die nur drei bis vier Monate andauert, veranstaltet.

Nichtsdestotrotz haben sich manche der russischen Bauernmärkte zu wahren Heimatfesten entwickeln können, die Tausende Menschen aus zahlreichen Regionen und Ländern anlocken. Die Märkte sind nicht nur deswegen so gut besucht, weil man dort frische Lebensmittel und Saatgut kaufen kann, sondern weil die Leute gerne an Wettbewerben teilnehmen, ins Guinness-Buch der Rekorde kommen, traditionelle Trachten anprobieren oder gerne Volksmusik hören möchten.

Das Wichtigste ist für viele dabei, ein kostenloses Frühstück, ein Mittag- oder Abendessen mit russischen Nationalgerichten zu bekommen. Russland HEUTE hat eine Liste mit den besten Provinz- und Bauernmärkten erstellt, die in diesem Sommer stattfindenden. Kommen Sie mit auf eine Reise zu Land und Leuten!

Das Himbeerfest

Wann: 14. Juli

Wo: Nowosjolki, Oblast Rjasan

Anfahrt: Von Moskau nach Rjasan kommt man am besten mit dem Zug vom Kasaner Bahnhof oder mit dem Bus. Die Hinfahrt dauert dabei etwa dreieinhalb Stunden. Um von Rjasan aus in die Ortschaft Nowosjolki zu kommen, nimmt man den Bus Nr. 114 von der Haltestelle „Mjasokombinat". Dieser verkehrt alle 40 Minuten.

Das Himbeerfest wird seit fünf Jahren veranstaltet. Auf dem Himbeermarkt bekommt man frische Beeren, getrocknete Himbeerblätter, wohltuende Marmeladen, süße Säfte und den berühmten Himbeerlikör, eine mittelstarke Spirituose. Auf dem Fest wird man kostenlos verköstigt. Unter anderem mit, nach alten lokalen Rezepten zubereiteten, Tees, süßem Kuchen oder Himbeermarmelade. Jedes Jahr gibt es für die Besucher die Möglichkeit, gemeinsam den größten Himbeerkuchen Russlands zu backen, der einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen kann. Die Region um Rjasan wird gerne als der „Himbeerort" bezeichnet. Die Himbeersträucher hier können bis zu zwei oder gar drei Meter hoch werden.

Das Gurkenfest

Wann: 20. Juli

Wo: Susdal, Oblast Wladimir

Anfahrt: Susdal ist eine Stadt des berühmten Goldenen Rings – eines der beliebtesten Reiseziele Russlands. Die Stadt liegt 150 km östlich von Moskau und ist per Bus oder für Sportliche per Fahrrad erreichbar.

Auf dem XIII. Internationalen Gurkenfest in Susdal hat man die Möglichkeit, Gurkenmarmeladen, Gurkensuppen – wobei eine davon bestimmt eine kalte Okroschka sein wird –, Gurkenrouladen sowie andere Gerichte

auszuprobieren. Die Rezepte dieser Spezialitäten sind seit über 500 Jahren unverändert geblieben.

Auf dem Gurkenfest werden auch Gurkensetzlinge, frische und marinierte Gurken sowie Salzgurken zum Kauf angeboten. Letztere gelten in Russland als die beliebtesten Häppchen zum Wodka. Am Fest kann man darüber hinaus an Workshops teilnehmen, in denen regionale Köche ihre geheimen, traditionellen Rezepte preisgeben. Zudem werden Besuchern, die an diesem Tag ihren Geburtstag feiern, ein kleines „Gurkenfest zum Namenstag" bereitet. Zu den Teilnehmern und Besuchern am Gurkenfest in Susdal zählen schon viele Jahre Gäste aus Bulgarien, Serbien, Frankreich oder auch Mexiko.

 

Das Tomatenfest

Wann: 24. August

Wo: Sysran, Oblast Samara

Anfahrt: Um von Moskau nach Sysran zu gelangen, bietet sich zum einem der Kasaner Bahnhof an. Auf dieser Strecke verkehren täglich 15 Züge. Die Hinfahrt dauert etwa zwölf Stunden. Die bessere Alternative ist jedoch, eine

Wolgaschifffahrt dorthin zu machen. Von der Stadt Samara aus kann man dann den Bus nach Sysran nehmen (rund 175 Kilometer).

Das Tomatenfestival „Sysranskij pomidor" gilt seit 2001 als Visitenkarte der Region Samara. An diesem Tag werden die Straßen der Stadt zu Ehren der Tomate umbenannt. Am Morgen kann man die „Tomatenparade" bestaunen und am Abend an der berühmten Tomatenschlacht teilnehmen, welche das Pendant zur Spanischen „La Tomatina" ist. Während des Festes können die Besucher kostenlos alle Gerichte auf dem Markt probieren, Tomatensamen erwerben oder frische und konservierte Tomaten kaufen. Zudem findet man auf dem Festival zahlreiche Souvenirs aus Birkenholz und andere traditionell von Hand gefertigte Gegenstände.

 

Das Zwiebelfest

Wann: 31. August

Wo: Luch, Oblast Iwanowo

Anfahrt: Wenn am Goldenen Rings entlangfährt, sollte man auf jeden Fall dessen „Perle" besuchen – die „Stadt der Bräute" Iwanowo. Von Iwanowo nach Luch verkehren an allen Wochentagen Linienbusse, über Nischni Nowgorod fährt auch ein Bus. Eine Ausnahme bilden die Sonntage, um 10:25 und 12:00 Uhr.

Die „flache Zwiebel" aus der Region Iwanowo ist in Zentralrussland sehr

beliebt. Zar Iwan IV, auch „Iwan der Schreckliche" genannt, war im 16. Jahrhundert von den weißen Zwiebeln aus Luch so angetan, dass er sich das Gemüse sogar direkt an den Hof liefern ließ.

Heute findet in der kleinen Ortschaft jährlich ein Zwiebelfest statt, bei dem man Zwiebeln an den Marktständen kaufen und eine große Auswahl an mit Zwiebeln gefüllter Teigwaren probieren kann. Ebenso wird dort die größte Zwiebel Russlands ausgestellt und eine „Zwiebelkönigin" gewählt. Wem das noch nicht reicht, der kann an zahlreichen Koch- und Gartenworkshops teilnehmen.

 

Das Wassermelonenfest

Wann: 15. September

Wo: Astrachan, Oblast Astrachan

Anfahrt: Bei einer Schifffahrt auf der Wolga zählt die Stadt im Delta Astrachan zu den Hauptstationen. Kürzer ab Moskau wäre aber ein Flug. Tickets für den Hin- und Rückflug kosten etwa 300 Euro und können auf den offiziellen Webseiten der Fluglinien S7, Utair und Aeroflot gebucht werden.

Wassermelonen werden in Astrachan seit dem 7. Jahrhundert angebaut. Allerdings wurde dieses Kürbisgewächs, dessen große Frucht ein Beers ist, in Russland erst beliebt, als Peter I. sie auf einem Basar in Astrachan probierte. Zu dieser Zeit genoss man das Obst jedoch nicht in roher Form. Vielmehr legte man die Wassermelonen in Marinade ein und kochte sie danach mit Paprika und scharfen Gewürzen. In den letzten zehn Jahren betrug der durchschnittliche Ertrag aus dem Wassermelonenanbau in der Region Astrachan rund 110 000 Tonnen.

Das Fest der Wassermelonen „Rossijskij arbus" wird in Astrachan jährlich zeitgleich mit dem Tag der Stadt Astrachan gefeiert – jeweils am dritten Sonntag im September. Auf dem Markt kann man Wassermelonensamen kaufen und die ausgefallensten Melonensorten probieren, etwa die Wassermelonenart „Luna", die ein süßes, hellgelbes Fruchtfleisch hat.

Auf dem Fest kann man zudem den Durchmesser sowie das Gewicht der größten Wassermelonen erfahren und an Wassermelonenwettessen teilnehmen. Die Sieger dürfen danach kostenlos so viele Wassermelonen mit nach Hause nehmen, wie sie tragen können.

 

Das Kartoffelfest

Wann: 6. Oktober

Wo: Wodowatowo, Oblast Nischni Nowgorod

Anfahrt: Wodowatowo besucht man entweder im Rahmen einer Reise in die Stadt Nischni Nowgorod, dem „russischen Detroit" oder im Zuge einer Kreuzfahrt auf der Wolga.

Das Kartoffelfest in der Ortschaft Wodowatowo wird jedes Jahr am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Im Rahmen dieses Ereignisses bieten Bauern aus dem Süden Russlands ihre Kartoffeln zu günstigen Preisen an und Köche stellen ihr Können in Wettbewerben unter Beweis.

Lokale Gärtner veranstalten zudem Workshops für diejenigen, die erfahren möchten, wie man Kartoffelsetzlinge richtig pflanzt. Im Arsamasskij rajon der Oblast Nischni Nowgorod werden jährlich etwa 200 000 Tonnen Kartoffeln geerntet. Würde man alle geernteten Kartoffeln auf Güterwagons verteilen, so würde die Länge des Güterzugs 40 Kilometer betragen.

 

Das Erntefest

Wann: 4.- 6. Oktober

Wo: Abakan, Republik Chakassien

Anfahrt: Von Moskau aus lässt sich Abakan am bequemsten mit dem Flugzeug erreichen. Die Flüge werden von den Fluglinien S7 und Aeroflot angeboten. Die Tickets für den Hin- und Rückflug kosten etwa 300 Euro und können auf den offiziellen Webseiten der jeweiligen Fluglinien gebucht werden. Naturbegeisterte können das Fest zudem über Chakassiens Naturschutzgebiet auf dem Fußweg erreichen.

Erntefeste werden im September und Oktober praktisch in jeder Region Russlands gefeiert. Wenn man allerdings ein Erntefest der besonderen Art erleben möchte, dann sollte man auf jeden Fall beim Fest „Urun Toy" in der Republik Chakassien dabei sein.

Hier kann man nämlich nicht nur alle Arten von Gemüse, Obst, Beeren, Kräutern und Samen erwerben, sondern auch bekannten Hochzeiten, die nach chakassischer Tradition gefeierten werden, beiwohnen. Darüber hinaus werden an diesen Tagen traditionelle Sportwettkämpfe wie Ringen oder Pferderennen veranstaltet, bei denen starke Männer ihre Kräfte messen können.

Eine weitere Sehenswürdigkeit des Erntefestes sind zudem die in traditionellen Trachten gekleideten Bewohner Chakassiens. Mit ihnen kann man gemeinsam an den Straßenfesten teilnehmen und sich im Kehlgesang üben.

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