Die Südkurilen: Vulkane, Wasserfälle und Quellen

Die Insel Kunaschir. Foto: Andrei Shapran

Die Insel Kunaschir. Foto: Andrei Shapran

Die südlichen Kurilen sind Inseln, die so weit von Moskau entfernt liegen, dass kaum jemand auf die Idee kommt, einen Ausflug zu dieser Schatztruhe am „Ende der Welt“ zu machen. Dabei bieten die schwer zugänglichen Inseln Kunaschir und Iturup Outdoor- und Wellnessbegeisterten wundersame Einblicke in unberührte Natur.

Eines der berühmtesten Naturwunder der Insel Kunaschir ist der Vulkan Tjatja. Mit seinen 1 819 Metern Höhe über dem Meeresspiegel ist er ein Vulkan vom Somma-Typ, der über einen perfekt geformten Krater verfügt. Er befindet sich im nordöstlichen Teil der Insel, weswegen er auch selbst von den auf der dünn besiedelten Insel lebenden Menschen als abgelegen angesehen wird. Dagegen ist der Vulkan Mendeleew, der nahe an einer Siedlung liegt, leichter zugänglich. Doch selbst der erfahrenste Abenteurer sollte sich hierauf speziell vorbereiten, denn das Durchdringen der wilden Buschlandschaften kann sehr ermüdend sein.


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Die Insel beherbergt auch einen kristallklaren und unberührten See: den Kipjaschee-See, der sich im Krater des Vulkans Golownin befindet. Die Vulkane der Inselgruppe sind Teil des berühmten pazifischen Feuerrings, der sich bis nach Indonesien erstreckt und zu dem auch ein Teil des Vulkans Merapi auf der Insel Java gehört.

Wladimir Larionow ist als Kind viel gewandert und war schon oft auf Vulkanen der Inseln Kunaschir und Iturup, doch für den 34-jährigen Einwohner der Stadt Juschno-Sachalinsk ist die schönste Landschaft der Inselgruppe die Kulisse, die sich dem Besucher auf dem Kap Stolbtschaty eröffnet: „Die Basaltsäulen, die man hier vorfindet, sind überwältigend und der herrliche Ausblick auf die vielen Buchten ist einzigartig auf dieser Welt“, schwärmt Larionow. Der Mitarbeiter eines Ölkonzerns in Sachalin verließ damals die Kurilen, da er der Meinung war, man könne hier nichts als Reiseführer werden: „Die Kurilen sind zwar ein großartiger Ort, wo man seinen Ruhestand inmitten unberührter Natur genießen kann, doch es gibt dort nicht viel, was junge Leute machen können.“

Der Vulkan Tjatja auf der Insel Kunaschir. Foto: Lori / Legion Media

Deswegen haben auch russische Behörden die Notwendigkeit thematisiert, sich stärker einzusetzen, um mehr wirtschaftliche Perspektiven auf den abgelegenen Inseln zu schaffen. So hatte etwa der Premierminister Dmitri Medwedew vorgeschlagen, spezielle Wirtschaftszonen zu etablieren, um von der Nähe zu den asiatischen Wirtschaftsgiganten China, Japan und Südkorea zu profitieren. Die regionalen Behörden in Sachalin glauben, dass die Inseln nach dem Vorbild der Malediven zahlungskräftige Touristen in neue Wellness-Resorts anziehen könnten. Hochwertige Thermen und Spas könnten demnach ein Kurs sein, den die Behörden einschlagen werden, um den Tourismus in Zukunft anzukurbeln. Allerdings ist derzeit die wilde, unberührte Natur Kunaschirs immer noch das Hauptverkaufsargument der Insel.

Iturup wird oft als „Juwel der Kurilen“ bezeichnet. Die Japaner, denen die Insel vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte, hatten auf ihr einen Flugplatz errichtet, der für Kamikaze-Flieger gedacht gewesen war. Dadurch ist Iturup die am einfachsten zugängliche Insel des Archipels. Die Lage des Flugplatzes war aber auch deswegen ausgewählt worden, da von dort aus die Insel vor feindlichen Fliegern geschützt werden konnte. Flüge zur Insel sind zuweilen sehr gefährlich, da sie von den Wetterverhältnissen abhängig sind, doch es werden regelmäßig Fähren von Sachalin aus angeboten.

Foto: Andrei Shapran

Die abgelegene Insel rühmt sich nicht nur mit ihrer unberührten Natur, sondern auch mit ihren vielen Rohstoffen. So glaubt man, dass sie reich an dem seltenen Element Titan ist. Daher war Japan auch sehr daran interessiert, verschiedene Rohstoffe auf der Insel zu fördern. Davon zeugt noch eine stillgelegte Eisenbahn, die mit bis zu 30 Grad Steigung hin zum Gipfel des Vulkans Kudrjavy führt. Von dort aus wollte man aus den wertvollen Lagerstätten Rohstoffe nach Japan transportieren.

Iturups Straßen befinden sich zwar in einem schlechten Zustand, doch da die Insel eher klein ist, kann man sie leicht auf dem Fahrrad erkunden. Da sie außerdem zu den am wenigsten erkundeten Orten des Archipels gehört, erwarten Abenteurer auch eine Vielzahl an Überraschungen. Dazu gehört etwa der Vulkan „Iwan der Schreckliche“, der zu den aktivsten Vulkanen in ganz Asien gehört. Man wird an einem Sommertag kaum schönere Aussichten als das Spiegelbild des Feuerbergs im schimmernden Wasser des an seinem Fuße gelegenen Sees Lopaznoje zu sehen bekommen. Des Weiteren lohnt es sich, auf der Insel den Vulkan Baranski zu besichtigen, der für seinen mit Schwefelsäure angereicherten Wasserfall bekannt ist.

Ein weiterer Grund, die Insel im Sommer zu besuchen, sind seine von Menschenhand unberührten Strände und warmen Gewässer: Von Mitte Juli bis Ende September sind die tiefen Buchten der Insel warm genug, um in ihnen zu schwimmen. Außerdem sind sie bei Weitem die reinsten Gewässer der Kurilen.

Informationen für Reisende

Anfahrt: Der beste Ausgangspunkt für einen Ausflug zur Inselgruppe ist die Stadt Juschno-Sachalinsk. Sie ist per Flugzeug täglich von Moskau, Chabarowsk, Wladiwostok, Seoul und Sapporo erreichbar. Von Juschno-Sachalinsk aus gelangt man mit dem Flugzeug auch nach Iturup, doch der beste Weg, die Insel zu besuchen, ist der mit der Fähre. Diese verkehrt regelmäßig und verbindet zudem Kunnaschir mit Sachalin.

Genehmigungen: Ausländer und russische Staatsbürger, die nicht in der Region Sachalin gemeldet sind, müssen sich spezielle Genehmigungen ausstellen lassen, um die Inseln besuchen zu können. Diese werden kostenlos vom Grenzwachdienst in Juschno-Sachalinsk ausgestellt. Darüber hinaus gibt es einige Reisebüros, die eigene Reisepakete anbieten, in denen die nötigen Genehmigungen bereits enthalten sind.

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