Chakassien: Putins Angelrevier und Ort der Schamanen

Foto: Lisa Lewizkaja

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Fernab der pulsierenden Metropolen bietet Chakassien einen Einblick in die russische Natur. Ob Berge, Seen oder ehemalige Bergbauschächte – die Kräutersauna danach verdient man sich hier wirklich.

Die Republik Chakassien ist in ganz Russland für ihre Naturreservate, sibirischen Aprikosen, Seen und den Schamanismus bekannt. Auch ist es eines der bevorzugten Angelreviere Wladimir Putins. Zum Itkulsee im Naturreservat kommt man vor allem, um Vögel zu beobachten, die Steppenvegetation zu erforschen oder um einen Freiwilligendienst an der Natur abzuleisten.

Die Straße aus Abakan, der Hauptstadt der Republik Chakassien, verläuft durch die weite, hügelige Steppe Sibiriens. Nachdem man zum wiederholten Mal einen Hügel hinaufgefahren ist, öffnet sich plötzlich das Panorama auf den Itkulsee, einen Teil des Chakassischen Naturreservats. Die einzelnen Teile sind auf die ganze Republik verteilt und umfassen mit der Steppe, der Gebirgstaiga und der Waldsteppe gleich verschiedene Naturzonen.

Der Itkulsee liegt in der Steppenzone. Wer hierher kommt, kann viele majestätische Vögel beobachten, zum Beispiel Kraniche, Wanderfalken oder Adler. Außerdem kann man hier die große Vielfalt der Steppenvegetation in ihrer natürlichen Umgebung erforschen, darunter befinden sich auch seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten.

 

Hoch auf die Truhen, hinunter in den Schacht oder ab in die Sauna?

Nicht weit vom Itkulsee befindet sich der Höhenzug der Sunduki (deutsch: „die Truhen") – ein Ort, der unter Archäologen und Schamanismusexperten sehr bekannt ist. Die Sunduki werden auch als das sibirische Stonehenge bezeichnet. Auf seinen Erhebungen, die eine ungewöhnlich flache Form haben, wurden eine Vielzahl von Piktogrammen, uralte Felsenzeichnungen, entdeckt. Noch heute kommen einheimische Schamanen bei bedeutenden astronomischen Ereignissen hierher. Sie glauben, dass sich an der Stelle im Altertum natürliche Observatorien befanden. Die in die Felsen getriebenen Vertiefungen halfen den Priestern bei der exakten Bestimmung der Jahreszeiten und der richtigen Tage für die Aussaat und die Ernte.

Zu den Sunduki kann man auch für einen Tagesausflug zum Trekking fahren. Der Höhenzug besteht aus acht Erhebungen, die man auch als Tourist ohne große Probleme besteigen kann. Von dort aus eröffnet sich ein wunderbarer Rundblick auf die grüne Steppe, die sich zum Horizont hin ausdehnt.

Begeistert man sich eher für den Blick in die Tiefe, wird man sich für einen Besuch des „Tuimski prowal" entscheiden. Bis 1954 gab es hier einen Bergwerksschacht zum Abbau von Wolfram, aber ein unvorsichtiger Ingenieur schlug vor, anstatt den Schacht in erprobter Weise nach unten zu vertiefen, ihn nach oben zu erweitern. Der Schacht stürzte ein und die folgende Erderschütterung vergrößerte den Einsturzkrater noch. Aus diesem unfreiwilligen Zusammenspiel von Mensch und Natur bildete sich eine riesige Grube mit einem smaragdgrünen See auf dem Grund und malerischen natürlichen Steilwänden. Auf dem höchsten Punkt des Schachtes wurde eine Bungee-Jumping-Anlage aufgestellt und die Wagemutigen können 100 Meter im freien Fall nach unten springen.

Foto: Lisa Lewizkaja

Fünf Kilometer vom Süßwassersee Itkul entfernt befindet sich der salzhaltige Schirasee. Nur ein Teil seiner Ufer gehört zum Naturreservat. An den nicht geschützten Uferbereichen stehen touristische Einrichtungen, Siedlungen und der Kurort Schemtschuschina („Perle"). Dort kann man nicht nur komfortabel übernachten, sondern auch im heilenden Wasser des Salzsees baden oder eine Kräutersauna genießen – eine Erfindung der einheimischen Schamanen. Der Gast wird in ein Zedernfass gesetzt, in das Dampf eingelassen wird, der mit aromatischen Steppenkräutern und -blumen versetzt ist. Aus diesen Kräutern wird auch Heilkosmetik hergestellt.

Der Besuch des Naturreservats ist nur mit einer Gruppenführung möglich. Dafür muss man sich vorher bei den Mitarbeitern anmelden und Gruppengröße und Besuchszweck angeben. Von den Mitarbeitern bekommt man auch Informationen über Reisebüros, mit denen die Naturreservatsverwaltung zusammenarbeitet. Kontakt: Igor Jegorow (stellvertretender Direktor für Tourismus im Chakassischen Naturreservat), tour.

 

Ökotourismus am Itkulsee

Auf einem kleinen abgesperrten Gelände, dem einzigen bewohnten Teil des Naturreservats am Itkulsee, befindet sich das Besucherzentrum für Touristen. Das Gebäude hat Panoramafenster, durch die man stundenlang den See und das Leben um ihn herum beobachten kann. Neben dem Beobachtungspunkt gibt es auch noch ein Museum.

Foto: Lisa Lewizkaja

In der Schutzzone sind Wander- und Radwege unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit vorhanden. Es gibt Routen zur Vogelbeobachtung oder mit pflanzenkundlichem Schwerpunkt. An den landschaftlich reizvollen Uferstellen sind Aussichtspunkte eingerichtet. Fahrräder kann man im Besucherzentrum ausleihen, dort besteht auch die Möglichkeit, Exkursionen um den See herum oder in die angrenzenden Gebiete zu buchen. Das Naturreservat wird normalerweise im Rahmen einer Tagesexkursion besucht, die direkt über die Naturreservatsverwaltung organisiert wird. Es gibt auch englischsprachige Mitarbeiter.

 

Arbeiten im Naturreservat

Man kann das Naturreservat in einer ökologischen Einsatztruppe unter Führung der Mitarbeiter unterstützen oder bei der Verbesserung der touristischen Infrastruktur mithelfen. Gebraucht werden auch Leute, die

einen Beitrag im Bereich der ökologischen Bildung leisten können wie Fotografen, Kameraleute oder Übersetzer. Die Freiwilligen werden von den Mitarbeitern im nächstgelegenen Flughafen in Abakan abgeholt (es gibt Linienflüge aus Moskau und Wladiwostok) und zur Zeltunterkunft gebracht. Um die Verpflegung müssen sich die Freiwilligen jedoch selbst kümmern. Ein paar Kilometer vom Besucherzentrum entfernt gibt es eine kleine Ortschaft mit Lebensmittelläden.

Wenn man über das Freiwilligenprogramm zum Itkulksee fahren will, muss man sich unbedingt vorher unter reserve@khakasnet.ru bewerben und ein Bewerbungsgespräch per Skype führen. Die Fachberaterin für Bildungsarbeit, Uljana Kuimowa, bemerkt: „Wir bemühen uns, alles zu tun, damit es für die Freiwilligen interessant ist und sie sich bei uns wohl fühlen, aber wir erwarten von ihnen auch eine wirkliche Hilfe."

Übrigens gibt es die Freiwilligenprogramme und Öko-Touren nicht nur am Itkulsee, sondern auch in den anderen Zonen des Chakassischen Naturreservats.

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