Der Nationalpark Lenskie Stolby zählt zum UNESCO-Weltnaturerbe Russlands

Die unermesslichen Weiten von Jakutien sind so groß wie Europa. Als Visitenkarte der Region gilt zu Recht der bekannte Nationalpark Lenskie Stolby, der 2012 in die Liste der UNESCO aufgenommen wurde.

Bilder: Iwan Dementjewski

Der Weg zu den Lenskie Stolby, in Deutschland auch als Lenafelsen bekannt, ist lange und entbehrlich, aber dennoch äußerst spannend und abwechslungsreich. Von Moskau aus kann man für ungefähr 200 Euro nach Jakutsk in den fernen Osten fliegen. Sieben Stunden dauert ein solcher Flug. Von Jakutsk aus geht es mit Motorbooten weiter zu den Lenskie Stolby. Es ist dieser Teil der Strecke, der den Touristen am häufigsten im Gedächtnis haften bleibt – das wunderbare Panorama ist einfach faszinierend! Man kann den Weg auf einem kleinen Motorschiff oder Schnellboot für 8 Euro pro Person zurücklegen oder auch ein privates Schnellboot mieten - für 90 Euro pro Stunde in der Hauptsaison. Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Website des Nationalparks in englischer Sprache.

Der Jamschtchizkij-Trakt

Den Fahrplan des offiziellen Charterunternehmens Visit Yakutia (in englischer Sprache) zu den Lenskie Stolby finden Sie unter: http://visityakutia.com/1-day-yakutsk-lena-pillars-nature-park-tour-in-september/ und Heart of Siberia: http://en.planetyakutia.com/tours/tours/

Es ist jedoch auch möglich, über die Stadt Pokrowsk und die Siedlung Changalaskij Ulus anzureisen, um von dort aus mit einem Boot zum Nationalpark zu gelangen. Hier verlief einst der Jamschtschizkij-Pfad, vermutlich seit der Gründung der Stadt Jakutsk. An den Handelsweg erinnern heute noch Ruinen von einigen Häusern sowie Friedhöfe, auf denen die bei den Expeditionen Verstorbenen beigesetzt worden waren. Einige Aufschriften auf den Steinen lassen sich noch immer entziffern. Angeblich leben noch immer Nachfahren jener Jamschtschiken in einigen Dörfern. Sie sind recht leicht zu erkennen: Sie haben blaue Augen und kaum Ähnlichkeit mit den Jakuten. 

Sandwüsten in der Taiga

In der Region der Lenskie Stolby herrscht ein für die Region typisches Extremklima. Im Winter kann das Thermometer bis auf unter -35 Grad Celsius sinken, während im Sommer nicht nur +20, sondern durchaus auch +40 Grad Celsius keine Seltenheit sind. Der Fluss sorgt für eine hohe Luftfeuchtigkeit, weshalb es im Winter zu heftigem Frost kommt, während es im Sommer schwül-warm ist.

Die Lena ist ein wahrhaft riesiger Fluss. Geht man an ihrem Ufer entlang, kann es durchaus vorkommen, dass man das gegenüberliegende Ufer überhaupt nicht sehen kann. Und wenn man etwas sieht, muss es sich dabei nicht unbedingt um das gegenüberliegende Ufer handeln. In dem Fluss gibt es Inseln und einige von ihnen sind derart groß, dass sich dort ein ganz eigenes, einmaliges Mikroklima herausgebildet hat. Auf einigen der Inseln gibt es sogar echte Wüsten. Die Jakuten vor Ort bezeichnen sie als „Tukulany“, was aus der ewenkischen Sprache Tukulan übersetzt „Sand“ bedeutet. Man überquert das sumpfige Ufer, begibt sich auf eine Anhöhe und oben angekommen sieht man schon den ersten Sand. Hier lässt sich beobachten, wie sich die Wüste allmählich weiter zum Wald hin vorarbeitet. Sie begräbt dabei immer mehr Bäume unter sich und lässt nur schwarze, vertrocknete Stämme zurück. Wäre am Horizont nicht der Wald zu sehen, könnte man meinen, man sei in der echten Sahara gelandet - schonungslos verbrennt die Sonne alles Lebende. Lediglich ein paar kleine Sträucher und Blumen lugen noch aus dem Sand hervor.

Die Lenskie Stolby

Nach einem Halt in der Steppe von Jakutien geht es dann auf der Lena weiter zum eigentlichen Nationalpark Lenskie Stolby, den Lenafelsen. Zunächst tauchen mal am rechten, mal am linken Ufer kleinere Felsen auf, und schließlich verwandeln sich diese in eine geschlossene Wand. Diese Wand aus verwitterten Überresten zieht sich bald bis zum Horizont hin. Und nach einer halben Stunde steht man staunend unter den Felsennadeln.

Die roten Sandsteinfelsen, die an manchen Stellen mit Wald bewachsen sind, spiegeln sich auf der Wasseroberfläche des großen Flusses. Klippen aus hellgrauem Kalkstein ragen übers Wasser hinaus, und Quarzit-Schichten schimmern in der Sonne. Es ist nicht erlaubt, auf die Felsen zu steigen oder daran zu klettern, doch in dem Naturschutzgebiet gibt es einige Aussichtsplattformen in ungefähr 100 Metern Höhe – von dort aus kann man die sagenhafte Umgebung bewundern.   

Für die Gäste werden im Naturschutzgebiet ein- oder zweitägige Exkursionen in russischer und englischer Sprache angeboten, bei denen man die weltweit einmalige Felsenformation bestaunen, die örtliche Vegetation kennenlernen und Geschichten über die Fauna, die sich hier seit ewigen Zeiten entwickelt hat, lauschen kann.

Herzlich Willkommen im UNESCO-Weltnaturerbe Lenafelsen!

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