Winter in Moskau: Was man beachten muss

Die kalte Jahreszeit verlangt in Russland besondere Vorkehrungen. Foto: PhotoXPress

Die kalte Jahreszeit verlangt in Russland besondere Vorkehrungen. Foto: PhotoXPress

Gebürtige Russen und Menschen, deren Wahlheimat Russland ist, verraten Russland HEUTE, wie man sich auf den russischen Winter vorbereiten kann.

Kleidung

Im Winter ist in Russland Zwiebellook angesagt, da es in Gebäuden oftmals genauso heiß ist wie draußen kalt. Die Italienerin Barbara Valfre' Corrias, die bereits sechs russische Winter überstanden hat, empfiehlt daher: „Tragt keine schweren Pullover und zieht euch für drinnen andere Schuhe an." Was die Kleiderfrage zudem noch etwas erschwert, ist, dass man in Russland auch unter den härtesten Wetterbedingungen stets elegant gekleidet ist. In diesem Zusammenhang wird daher noch Folgendes empfohlen: „Wenn du dich als Frau optisch in Russland anpassen möchtest, dann sind Stiletto-Stiefel ein Muss!" Dem stimmt auch die Niederländerin Danielle Eversdijk zu: „Ja, als Frau sollte man immer Schuhe mit Absatz – natürlich mit Winterprofil – tragen, sonst wird man in Bars und Clubs nur verächtlich angesehen."

Linda Stacey, die lange in Russlands Hauptstadt lebte, erzählt mit einiger Verwunderung: „Mein Sohn flog im Dezember von Australien nach Moskau und kam in kurzen Hosen und Flip Flops hier an!" Wenn man allerdings plant, ein Bad im Eiswasser zu nehmen, sollte man in der Tat auf einen Badeanzug nicht verzichten. Die meisten Listen, die beschreiben, was man im Winter alles nach Russland mitnehmen sollte, führen einen Badeanzug jedoch nicht auf, wohl aber Mützen, Handschuhe, einen langen Mantel und Stiefel. Viele Russen halten sich in den kalten Monaten des Jahres mit Pelzmänteln warm, die man hier – wenn auch nicht günstig – problemlos kaufen kann. Eine Alternative für Tierfreunde sind Fleece- und Wolljacken.

Shaun Walter, Moskau-Korrespondent der britischen Zeitung „Independent", berichtete in einer Reportage über seine Reise nach Jakutsk, der kältesten Stadt in Sibirien, auch von seiner Kleidung: „Ich erzähle euch von unten, also angefangen bei meinen Füßen, aufwärts, was ich alles anhabe: ein Paar Wollsocken, darüber ein Paar Thermosocken. Dann trage ich noch ein Paar kniehoher Gore-Tex-Stiefel." Die Liste geht weiter mit Thermounterwäsche, einer wattierten Jacke und einer wattierten Mütze, dann „ein Paar dünne Wollhandschuhe, damit ich, wenn ich das andere Paar ausziehe, um Fotos zu schießen, meine Hände nicht der Kälte aussetzen muss" und darunter „ein weiteres Paar Handschuhe aus Wolle und Thinsulate". In dieser Montur bleibt der Brite jedoch nicht länger als dreizehn Minuten unter freiem Himmel. Für Moskau befindet Walter hingegen einen „guten und soliden Wintermantel" als ausreichend.

 

Ausrüstung

Bei Graden weit unter Null ist ein voll aufgeladener Handy-Akku doppelt wichtig. Die Moskauer Studentin Sewa Ardow erinnert sich in diesem Zusammenhang an eine Geschichte, die einem ihrer Freunde aus Spanien

passierte: „Seine Wimpern waren nach einem kurzen Spaziergang bei minus 30 Grad komplett mit Raufrost bedeckt. Außerdem hatte er vergessen, sein Handy aufzuladen, sodass er mich um sieben Uhr nicht anrufen konnte, um nach dem Weg zu meinem Haus zu fragen. Er musste deshalb darauf warten, bis der örtliche Kiosk öffnete, um dort sein Handy aufladen zu können."

Man kann überall in Moskau auch Schlittschuhe und Ski kaufen oder leihen. Diejenigen, die die Stadt und ihre Parks zu Fuß erkunden möchten, werden aber unweigerlich mit einem glatten Problem zu kämpfen haben: zugefrorene Straßen und Gehwege. Spaziergänger können sich vor Stürzen auf den glatten Straßen schützen, indem sie sich entweder ein Paar Yaktrax-Ketten, also Spikes, die man an die Sohlen seiner Schuhe oder Stiefel anbringt, oder Nordic-Walking-Stöcke besorgen.

Ironischerweise ist allerdings keiner der beiden Ausrüstungsgegenstände leicht in Moskau zu besorgen, weswegen man sich auch überlegen sollte, schon im Vorhinein diese kleine Investition zu tätigen. Für diejenigen, die planen, in den Wald zu gehen, gibt es einen weiteren Tipp: Hundepfeifen sind sehr praktisch, wenn es darum geht, sich herumstreunende Hunde vom Leib zu halten.

Die britische Fotografin Henrietta Challinor, die schon seit Längerem in Moskau lebt, empfiehlt zudem: „Eine Uhr, die viel aushält, ist sehr wichtig, da man sich so nicht in der Zeit irren kann, wenn es um zehn Uhr vormittags immer noch dunkel ist. Ach ja, eine Kamera, die gut versiegelt ist und Temperaturen unter minus 25 Grad standhält, ist ebenfalls sehr praktisch." Denn viele Leute können Horrorgeschichten über ihre teuren Kameras erzählen, die in der klirrenden Kälte plötzlich einen Sprung in der Linse hatten. Deswegen sollte man sich diesen gesunden Ratschlag zu Herzen nehmen, wenn man plant, die wunderschönen Schneelandschaften zu fotografieren.

 

Essen, Trinken und die richtige Einstellung

In den teureren Lebensmittelgeschäften von Moskau findet man beinahe alles, was das kulinarische Herz begehrt. Allerdings sollte man damit rechnen, dass man in ihnen im Vergleich zu den Preisen in

Lebensmittelgeschäften zu Hause oft das Doppelte oder gar Dreifache für einen Einkauf zahlen muss. Die ehemalige Moskauerin Sara Morris-Jordan erinnert sich scherzhaft: „Meerrettich-Wodka hilft dabei, sich von innen warm zu halten" und empfiehlt des Weiteren dazu „etwas Bitterschokolade, um den Geschmack zu neutralisieren".

Das Nonplusultra für eine gelungene Reise nach Moskau im Winter sind vor allem Vorfreude und Abenteuerlust. Man sollte außerdem aufgeschlossen sein sowie die Bereitschaft mitbringen, die Stadt zu erkunden. Ebenso sollte man eine Prise Humor mitbringen, wenn man auf die unausweichlichen Herausforderungen stößt, die mit einer Reise nach Moskau im Winter verbunden sind. Dann kann man Moskau auch im Winter als wunderschöne und spektakuläre Stadt erleben.

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