Perm im Ural – Stadt der Erinnerung und Kultur

Ein Stadtteil von Perm. Foto: Geo Photo

Ein Stadtteil von Perm. Foto: Geo Photo

Die Millionenstadt Perm im Ural war und ist eine bedeutende Industriestadt. Stadtplaner und Politiker versuchen den Imagewandel zum kulturellen Zentrum. Ein Reisebericht.

In der Stadt Perm im Ural steht ein kurioses Denkmal, das Ohren-Denkmal. Es erinnert an die früheren Bewohner von Perm, die laut einer Erzählung so viele Salzsäcke schleppen mussten, dass davon ihre Ohren salzig wurden. Perm liegt nämlich in der Nähe einiger der größten Metall- und Salzminen Russlands. Heutzutage versucht die Millionenstadt den Imagewandel: von der Industriemetropole zur Kulturhauptstadt.

Der Name Perm stammt von den Komi-Permjaken, einem finnougrischen Volk, das im Ural siedelte und bedeutet so viel wie „weites Land“. Mit Perm wird zudem ein geologisches Zeitalter bezeichnet. Der englische Geologe Sir Roderick Impey Murchison prägte diesen Begriff, nachdem er im 19. Jahrhundert seine Forschungen im Uralgebiet durchgeführt hatte.

Der Ural galt im Mittelalter als das Tor zu Russlands „Wildem Osten“, Sibirien. Die dort vermuteten nahezu unbegrenzten Bodenschätze zogen zahlreiche Forscher und Händler an. Als Minerale und Edelmetalle im Ural entdeckt wurden, gründete Peter der Große im Jahre 1723 die Stadt Perm. Während der Sowjetzeit wurde Perm nach Joseph Stalins Außenminister und rechter Hand, Wjatscheslaw Molotow, in Molotow umbenannt. Perm bekam seinen ursprünglichen Namen nach dem Tode Stalins wieder zurück.

Belogorskij Kloster im Permer Gebiet. Foto: GeoPhoto

Perm befindet sich im Wandel von der Industrie- zur Kulturstadt. Städteplaner und einheimische Politiker investieren große Summen in das kulturelle Leben der Stadt. Neue Theater und Kunstgalerien sprießen wie Pilze aus dem Boden – und prägen das Bild der Uferpromenade entlang des Flusses Kama.

 

Dr. Schiwago kommt aus Perm

Perm soll dem russischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Boris Pasternak als Vorlage für die Stadt Juriatin in seinem Roman „Dr. Schiwago“ gedient haben. Pasternak besuchte Perm oft und lebte 1916 einige Monate ganz in der Nähe. Ein Spaziergang durch Perm könnte daher mit einem Besuch der Puschkin-Bibliothek in der Ul. Petropawlowskaja 25 beginnen. Das auffällige gelbe Gebäude beherbergt eine kleine Ausstellung über Pasternak in einem Zimmer, das dem Zimmer in der Bibliothek von Juriatin nachempfunden ist, in dem Schiwago seine Geliebte Lara getroffen habe soll.

Landesmuseum Perm. Foto:Geo Photo

Etwas weiter nördlich, oberhalb der Lenin-Straße, befindet sich im Gebäude einer ehemaligen Schiffsanlegestelle, das PERMM, das Permer Museum für Moderne Kunst (Ul. Ordschonikidse 2). Das PERMM ist berühmt für seine zeitgenössischen und häufig auch umstrittenen, wechselnden Kunstausstellungen. Weiter östlich an der Kama befindet sich in der ehemaligen Kathedrale der Verklärung des Herrn die Staatliche Permer Kunstgalerie (Prospekt Komsomolskij 4). Hier wird eine eindrucksvolle Sammlung von Bildern und Holzskulpturen der finnougrischen Völker der Region gezeigt.

In Perm tritt eines der besten Ensembles der Ballets Russes auf. Die Stadt Perm widmete dem  berühmten russischen Ballett-Impresario Sergej Diagiljew ein eigenes Museum (Ul. Sibirskaja 33). Mit etwas Glück bekommt man Karten für eine Vorführung am Tschajkowskij-Theater für Oper und Ballett (Ul. Petropawlowskaja 25), das unter anderem dank einer Spende von Diagiljews Großvater errichtet werden konnte.

Perms Veranstaltungskalender ist stets voll. Im Juni findet das Fest der Weißen Nächte statt. Wenn die russische Sonne nahezu rund um die Uhr am Himmel steht, gibt es einen Monat lang Kunst und Konzerte. Das Kamwa-Fest beginnt jeweils im Juli und ist sowohl ein Festival der zeitgenössischen Kunst und Musik, als auch der künstlerischen Traditionen der hier ansässigen Völker.

Die meisten Orte in Perm können übrigens bequem zu Fuß erreicht werden.

 

Das Gulag Perm-36: Erinnerung an eine dunkle Zeit

Kyn-Ufer in der Nähe vom Dorf "Kyn-Zavod". Foto: Geo Photo

Außerhalb der Stadt liegt Perm-36, der einzige Gulag in Russland, der offiziell für Besucher geöffnet ist. Während der repressiven Jahre der Stalinzeit wurden Tausende von Dissidenten und Intellektuellen in dieses Arbeitslager deportiert. Noch immer ist das Gelände von Stacheldrahtzaunrollen umgeben. Auf dem Gelände gibt es ein Museum. Der Besuch des ehemaligen Gulags ist eine bewegende Reise in das finsterste Zeitalter des Landes. Der einheimische Reiseveranstalter Permtourist (Ul. Lenina 58, im Hotel Ural) und auch andere örtliche Veranstalter bieten Ausflüge nach Perm-36 an. Die Preise beginnen ab 75 Euro pro Person. Auf der Internetseite des Museums gibt es Tipps, wie Anreise und Führung preiswert auf eigene Faust organisiert werden können (www.perm36.ru).

Auch für abenteuerlustige Reisende hat Perm einiges zu bieten. Rafting, Trekking, Skifahren, Reiten – alles ist in Perm und im Umland möglich. Empfehlenswert ist eine 7-tägige Rafting-Entdeckungsreise (550 bis 750 Euro, abhängig von der Gruppengröße). Der Reisveranstalter Krasnow ist bei der Organisation behilflich.

 

Anreise

Direktflüge täglich zwischen Perm und Moskau (Hin-und Rückflug unter 150 Euro) oder Perm und St. Petersburg (etwa 185 Euro). Perm liegt an der Trasse der Transsibirischen Eisenbahn. Abfahrt ab Jaroslawskij-Bahnhof in Moskau am Nachmittag beinahe im Stundentakt (einfache Fahrt etwa 40 bis 90 Euro, Fahrtzeit bis Perm etwa 20 bis 26 Stunden).

Unterkunft

Das Hotel Ural (Ul. Lenina 58) ist sehr schön am zentralen Platz von Perm gelegen (Zimmerpreise ab 75 Euro).