Dudinka: Nördlichste Stadt Russlands

Dudinka wurde 1951 offiziell zu einer Stadt erklärt. Foto: Anna Grusdewa

Dudinka wurde 1951 offiziell zu einer Stadt erklärt. Foto: Anna Grusdewa

Dudinka, die nördlichste Stadt Russlands, bietet einen hervorragenden Einblick in das Leben hinter dem Polarkreis. Die Stadt auf der Halbinsel Taimyr hat etwa 24 000 Einwohner, die fünf Ethnien entstammen. Sie ist ein bedeutender Meer- und Flusshafen am Jenissei.

Dudinka, die nördlichste Stadt Russlands, befindet sich auf der Halbinsel Taimyr. Vom Flughafen Alykel aus gelangt man zu ihr über eine leblose, schneebedeckte und eisige Tundra-Straße, entlang schier unendlicher Stromleitungen, die ab und an von Lärchenbäumen umgeben sind. Die Temperaturen in der Schneewüste haben sich derzeit bei minus 30 Grad Celsius eingependelt – das ist für die Halbinsel Taimyr als angenehm warm zu bezeichnen.

Die Entstehung der Stadt Dudinka ist stark mit der Eroberung und Kolonialisierung des Nordens Sibiriens verknüpft. Mitte des 17. Jahrhunderts stellte die Stadt Mangaseja das Zentrum der Halbinsel Taimyr und der ihr angrenzenden Gebiete dar. Mangaseja diente damals nicht nur Jägern als Ausgangspunkt für ihre Reisen, sondern auch Steuereintreibern, die sich auf den Weg zu neu angegliederten nordischen Völkern machten und dort die Abgaben in Form von Naturalien einkassierten. So entstand im Jahr 1667 auch das Dorf Dudinka, das sich im 18. und 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Zentrum und Umschlagplatz auf dem Chatangskij-Trakt oder der „russischen Straße", wie diese Handelsroute, auf der russische Waren in die Tundra transportiert wurden, noch genannt wird, entwickelte.

Doch Dudinka, das am östlichen Ufer des Flusses Jenissei liegt, ist nicht nur ein Handelszentrum. Auch viele Expeditionen zum Nordpol sowie Forschungsarbeiten haben hier ihren Anfang gefunden. Dennoch blieb Dudinka bis Anfang des 20. Jahrhundert ein kleines nordisches Dorf, in dem viele überwinterten. Selbst heute, da Dudinka eine für den Norden Sibiriens große Industriehafenstadt darstellt, kann man innerhalb weniger Stunden die ganze Stadt erkunden. Und an Tagen, an denen das Wetter äußerst „rau" ist, schafft man es sogar in nur einer Stunde, alle wichtigen Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

 

Kampf gegen die polare Depression

„Ich liebe dich, Sweta!" Diese in grüner Farbe niedergeschriebene Liebesbotschaft auf der Wand eines fünfstöckigen Wohnhauses erinnert an die fernen Sommermonate. Denn jetzt im Winter werden diese anmutenden Worte beinahe vollständig von einem Schneehaufen verdeckt. Etwas frischer und aktueller ist wohl die einen halben Meter darüber in roter Farbe verfasste Warnung: „Achtung, Eiszapfen!"

Foto: Anna Grusdewa

Wer in Dudinka auf der Suche nach Holzgebäuden aus früheren Jahrhunderten ist, wird leider nicht fündig werden. Diese konnten der ewigen Kälte des hohen Nordens einfach nicht standhalten. Dafür trifft man in Dudinka, das erst 1951 offiziell zu einer Stadt erklärt wurde, auf vierstöckige Wohnhäuser, die aufgrund des Dauerfrostbodens auf Pfählen gebaut wurden. Die ersten dieser architektonischen Wunder entstanden in

den 1960er-Jahren. Das moderne Antlitz der Stadt jedoch wurde in den 1970ern bis 1990ern geformt, als zahlreiche Mikrostadtviertel mit vielstöckigen Wohnsiedlungen gebaut wurden. Eine Besonderheit von Dudinka sind zudem die überirdisch verlaufenden Versorgungsleitungen, die aufgrund der harten Winter nicht in der Erde verlegt werden konnten. Das Stadtbild ist somit durch riesige silberne Rohre geprägt, die quer durch die ganze Stadt verlaufen.

Die Polartage und -nächte bringen im hohen Norden so manch ungewöhnliche Lichtphänomene zum Vorschein. Doch trotz ihrer Schönheit löst dieses Naturwunder bei den Bewohnern der Halbinsel Taimyr eine „polare" Depression aus, deren Symptome Schläfrigkeit, Müdigkeit und Niedergeschlagenheit sind. Im Zuge eines Programms zur Behandlung dieser Depressionen wurden in den 1990er-Jahren die unansehnlichen Wohnbauten von Dudinka in kräftigen Farben wie blau, rosa, grün und gelb bemalt. Doch mit der Zeit ist dieser neue Anstrich in der starken Julisonne verblasst.

Foto: Anna Grusdewa

Das Zentrum der Stadt bildet die Straße Sowjetskaja uliza, welche sich entlang des Flusses Jenissei erstreckt. Hier befindet sich auch die Uferpromenade von Dudinka, die mit Anlegestellen für Fracht- und Passagierschiffe gesäumt ist. Der erste Anlegeplatz wurde bereits 1936 errichtet, als die Nordostpassage erschlossen und das Kupfer- und Nickelkombinat in Norilsk gebaut wurde. Heute ist Dudinka der nördlichste internationale Hafen Russlands.

 

Moltebeeren mit Zucker

Aksinja Iwanowna bringt uns, nachdem sie sich eine Pelzweste umgeworfen hat, gefrorene Molte- und Heidelbeeren, die sie großzügig mit Zucker aus

einer Dose, auf der ein Eisbär abgebildet ist, bestreut. In ihrem Laden „Mukustur" findet man so viele für diese Region typische Souvenirs, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Auf dem Regal thronen sorgfältig aufgestellte, handgeschnitzte Figuren aus Mammutelfenbein, daneben liegt kunstvoller Schmuck aus Perlen und Leder. Wolfs- und Vielfraßpelze verzieren die Wände und unter diesen stehen echte Hirschfellstiefel und Pelzhausschuhe.

Aksinja Iwanowna gehört dem Volk der Dolganen an. Dieses zählt zu den wenigen indigenen Völkern, welche die Halbinsel Taimyr besiedelten, lange bevor die ersten russischen Schiffe am Ufer des Jenisseis anlegten. Gemeinsam mit den Nenzen, Enzen, Nganasanen und Eweken bevölkerten sie die Halbinsel bereits zu einer Zeit, als die Bodenschätze Sibiriens noch nicht industriell erschlossen worden waren.

Die indigenen Völker leben noch heute im Nordsibirien. Foto: Anna Grusdewa

Die indigenen Völker leben bis heute im Norden der Region Krasnojarsk. Allerdings hat sich die Größe der Stämme stark verringert: Heute leben nur noch 3 500 Nenzen und etwa 5 500 Dolganen, die tungusische, jakutische und russische Wurzeln haben, auf der Halbinsel. Ihren traditionellen Lebensstil und ihre Rentierzucht führen sie heute in den Dörfern Wolotschanka, Nosok, Tuchard, Potapowo und einigen weiteren Ortschaften fort.

Kehrt man wieder in das Stadtzentrum zurück, sollte man unbedingt das „Haus der Volkskunst" besuchen, welches sich auf der Matrosow-Straße befindet. Der Eintritt kostet 21 Rubel, was etwa 0,50 Euro entspricht. Nach dem Eingang, der in Form einer Spitzjurte gebaut wurde, eröffnet sich den Besuchern eine Ausstellung mit Gemälden des berühmten Künstlers Boris Moltschanow, der seine Kunstwerke auf Leder malte. In einem großen Souvenirladen lassen sich dann nach einem Rundgang günstige Hirschanhänger oder kostbare, handgeschnitzte Figuren aus Mammutstoßzahn erwerben.

Im Hafen von Dudinka. Foto: Anna Grusdewa

Auch im Laden „Mukustur", der sich unter der Adresse Uliza 40-let-pobedy, 2 befindet, lassen sich unzählige Souvenirs entdecken. Das Besondere an „Mukustur" ist seine Werkstatt, in der Hirschfellstiefel, Pelzkleidung und unterschiedlichster traditioneller Schmuck hergestellt werden. Wer mehr über die schwierige Herstellungsart dieser Schuhe und Kleidung erfahren möchte, kann den Meistern hier übrigens auch gerne zusehen.

 

Anreise

 

Die Reise vom Festland aus nach Dudinka ist lang und kostspielig. In der Stadt gibt es zwar einen Flughafen, doch Flugzeuge fliegen vor hier aus nur selten in die Dörfer der Region Taimyr. Am schnellsten und bequemsten ist es daher, zum Norilsker Flughafen Alykel zu fliegen und von dort aus die 65 Kilometer nach Dudinka mit dem Taxi zu fahren (Kosten: je nach Fahrgastanzahl etwa 20 bis 100 Euro).

Vom Flughafen Alykel aus fliegen regelmäßig Flugzeuge nach Moskau und in andere russische Großstädte. Bei schlechten Wetterverhältnissen kann die Straße von Norilsk nach Dudinka jedoch gesperrt sein und Flüge können ausfallen.

Von Juni bis Anfang Oktober kann man auch auf einem Passagierschiff von Krasnojarsk aus nach Dudinka fahren. Die Reisezeit beträgt hierbei etwa 3,5 Tage.

 

Unterkunft

Das Hotel „Sewernoe sijanie“ in der Matrosow-Straße 14 ist das beliebteste Hotel Dudinkas. Ein Einzelzimmer kostet etwa 50 Euro und ein Luxus-Zimmer etwa 112 Euro.

Etwas günstiger hingegen ist das Hotel „Walentina“ in der Gorkij-Straße 67. Ein Schlafplatz in einem Zweibettzimmer kostet dort 38 Euro und ein Luxus-Einzelzimmer etwa 88 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland

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