Edelsteinen auf der Spur

Im Ural werden Touristen zu Schatzsuchern. Foto: Lori/Legion Media

Im Ural werden Touristen zu Schatzsuchern. Foto: Lori/Legion Media

Im Ural gibt es die größten Edelstein-Vorkommen Russlands und zahlreiche Goldminen. Vor 150 Jahren begann hier der große Goldrausch. Auch heute noch können Schatzsucher ihr Glück versuchen. RBTH stellt die fünf besten Ausflugsziele für Hobbygeologen vor.

Das kleine Städtchen Beresowskij liegt gerade einmal 15 Kilometer von Jekaterinburg, der geschäftigen Metropole des Urals, entfernt und doch hat man den Eindruck, als sei die Zeit stehen geblieben. Niedrige Häuser säumen die Straßen, unter denen sich Hohlräume befinden. In dem Schacht, den wir besuchen und der uns zehn Meter in die Tiefe führt, haben unsere Handys keinen Empfang mehr. Schon im Jahr 1745 wurde hier eine Goldader entdeckt. Das Beresowskij-Goldbergwerk ist bis heute das am längsten ununterbrochen betriebene Bergwerk der Welt.

 

Eine Reise in die Unterwelt

Unsere Entdeckungsreise in die Unterwelt Beresowskijs beginnt mit einer Sicherheitseinweisung. Zur Ausrüstung gehört eine schwere Atemschutzmaske, wie sie auch Bergungstaucher tragen. Im Ernstfall soll die Maske den Träger bis zu vier Stunden mit Sauerstoff versorgen. Dazu gibt es noch eine Pfeife für akustische Signale. Ein Pfiff bedeutet „Stopp!", zwei Pfiffe bedeuten „Vorwärts!"

Ural bedeutet in den Turksprachen „Gürtel": Die Berge des Urals bilden einen mehr als 2 000 Kilometer langen Gebirgsgürtel. Unter Zar Peter I. entstanden in dieser Region die ersten russischen Fabriken und Bergwerke. Der Ural ist reich an Mineralien und zieht seit dem 18. Jahrhundert Wissenschaftler und Hobbygeologen aus aller Welt an. Von den etwa 4 000 Mineralien, die es auf der Erde gibt, kann man 1 000 im Ural finden. Überall gibt es Vorkommen an Eisen-, Kupfer-, Magnesit- und Nickelerz, Gold und Platin.

In einem Bergwerk. Foto: Tatjana Andrejewa

Erst Anfang 2014 wurde in der im Zentralural gelegenen Mariinskij-Mine, in der Smaragde und Berylle gefördert werden, ein sensationeller Fund gemacht: Ein bis dahin unbekannter Halbedelstein von leuchtend grüner Farbe wurde entdeckt. Nach seinem Fundort heißt der Stein Mariinskit. Optisch gleicht er einem Diamanten und er zeichnet sich durch einen sehr hohen Brechungsindex aus, der etwa dem von Smaragden entspricht.

 

Ewige Jugend unter Tage

Seit einiger Zeit hat der Tourismus die Faszination der Mineralogie für sich entdeckt. Touristen können einen noch genutzten Schacht bis zu einer Tiefe von 512 Metern besichtigen. Einheimische glauben, unter Tage finde

sich das Geheimnis ewiger Jugend und verweisen auf die alten Bergleute von Beresowskij, die dreißig Jahre jünger aussehen, als sie sind.

Noch fehlt es an einer gut ausgebauten touristischen Infrastruktur. Dafür kann man hier das Lebensgefühl der ersten russischen Goldschürfer nachempfinden und sich ein bisschen wie ein Abenteurer fühlen. Und der Tourismus entwickelt sich.

Im September 2014 soll in Beresowskij ein Ethno-Festival zum 200. Jahrestag der Entdeckung des Seifengoldes in dieser Region stattfinden. Im örtlichen Gold-Museum ist eine Büste des berühmten Bergmanns Lew Brusnizyns zu besichtigen, der als Erster Gold im Ural entdeckte und eine eigene Fördertechnik entwickelte. So wird Geschichte in Beresowskij lebendig. Zu verdanken ist dies dem Unternehmer Walerij Lobanow, der die Ur-Ur-Urenkelin Brusnizyns zur Exhumierung von Brusnizyns Leichnam bewegen konnte, sodass es eine Vorlage für die Büste gab.

Die Hobbygeologen bei der Arbeit. Foto: Tatjana Andrejewa

Ein Tipp für Goldsucher ist das Flüsschen Pyschma, in dem bis heute immer noch Gold gefunden werden kann. Um zehn bis 15 Gramm Gold zu finden, müsste man allerdings an die 3 000 Schürfkübel aussieben. Etwas leichter zu finden ist Pyrit, das sogenannte Katzengold, das aus Eisen und Schwefel besteht und fast genauso aussieht und glänzt wie echtes Gold.

Rund um Beresowskij gibt es aber noch weitere interessante Ausflugsziele für Hobby-Geologen.

 

Die Top 5 der geologischen Ausflugsrouten im Ural

Beresowskij

Beresowskij kann als „Heimat des russischen Goldes" bezeichnet werden. Der erste Goldrausch der Welt begann nicht etwa in Klondike, Alaska,

sondern 150 Jahre zuvor zu Beginn des 19. Jahrhunderts hier im Ural. Seit 260 Jahren wird im Bergwerk Beresowskij ununterbrochen Gold gefördert.

In Beresowskij gibt es zwei Gold-Museen, ein privates und ein staatliches. In einer der Ausstellung kann man die vor über hundert Jahren üblichen Ausrüstungsgegenstände der Goldschürfer besichtigen, die Karten des Goldhandwerks aus der Mitte des 19. Jahrhunderts kennenlernen und eine sehr umfassende Mineralien- und Golderz-Sammlung bestaunen. Im Anschluss kann ein Lehrschacht besucht werden, hierfür ist eine Sicherheitseinweisung obligatorisch. Abenteurer können nach Voranmeldung auch den noch aktiven Schacht Sewernaja, der bis zu 512 Meter tief ist, erkunden.

 

Die Smaragdmine Mariinskij

Die einzigartigen Smaragd- und Beryll-Vorkommen in der Nähe des Dorfes Malyschewo, 50 bis 60 Kilometer von Jekaterinburg entfernt, sind die größten in Russland und Europa und die drittgrößten in der Welt nach den brasilianischen und kolumbianischen Smaragdvorkommen.

Foto: Tatjana Andrejewa

Führungen für Touristen gibt es zu stillgelegten Smaragdfeldern. Das typische Ausflugsprogramm beinhaltet den Besuch des Fundorts des ersten Smaragdes, einen Spaziergang auf die Aussichtsplattform des Tagebaus und einen Workshop in der Edelsteinschleiferei. Anschließend kann man sich mit einer Spitzhacke bewaffnet auf den Weg zur Halde des Mariinskij-Vorkommens machen und selbst schürfen. Mit etwas Glück findet man hier Berylle, Smaragde oder Alexandrite.

 

Das mineralogische Naturschutzgebiet Resch

Resch ist das geografische Zentrum des Edelsteingürtels des Urals. Der beeindruckendste Ort in dieser Region ist das mineralogische Naturschutzgebiet, in dem sich mehr als 60 ehemalige und gegenwärtige mineralogische Gruben befinden. Im Inneren der Erde schlummern Rauchquarze, Chromglimmer, Brauneisenstein, Opale, Achate, Berylle, Amethyste, Topase, Smaragde, Turmaline und andere Edelsteine.

 

Das Topas- , Beryll- und Turmalin-Vorkommen Mursinskoje

Am Flüsschen Mursinka befindet sich die Geburtsstätte des russischen Steinschneide- und Steinschleiferhandwerks. Hier kann man Berylle,

Topase, Turmaline, Amethyste, Morione, Cordierite, Korunde, Rubine, Aquamarine, Granate und Bergkristalle finden. Die Schatzsucher fahren normalerweise zu den Edelsteinminen, zum Beispiel zu jenen, in denen früher Amethyste gefördert wurden, und besuchen nebenbei auch noch das mineralogische Fersman-Museum, in dem nahezu alle Arten der im Ural vorkommenden Edelsteine ausgestellt sind. Hier kann man das Gestein ausschlämmen und – wenn man Glück hat – selbst einen wertvollen Stein finden.

 

Der Asbest-Tagebau

Der Asbest-Tagebau ist der größte in Europa und erinnert eher an einen mystischen Mondkrater als an eine Industrieanlage. Selbst die großen Güterzüge erinnern hier an eine Spielzeugeisenbahn. Die Chrysotil-Lagerstätte Baschenowskoje, die hier erschlossen wird, ist die größte der Welt. Asbest ist übrigens das einzige Gestein, aus dem man ein Seil flechten kann.

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