Die gruseligsten Orte Russlands

Einst war dort das Leben zu Hause, heute könnte so mancher verlassener Ort in Russland nur noch als Kulisse für einen Gruselfilm herhalten. RBTH stellt fünf verlassene Orte vor, die es nicht verdienen, in Vergessenheit zu geraten.

Das Wohnzimmer von Tschuchloma

Foto: andrew_qzmn

In Zentralrussland, etwa acht Kilometer von dem 5 000-Seelen-Dorf Tschuchloma entfernt, steht eine Villa, die einst einen stattlichen Anblick geboten haben muss. Heute erinnert sie eher an ein Spukhaus aus einem russischen Horrorfilm.

Ein reicher Geschäftsmann ließ die Villa in der Kleinstadt Ostaschewo für seine zweite Frau, eine Einwohnerin des Ortes, bauen. Im 20. Jahrhundert fiel Ostaschewo dem rabiaten sowjetischen Urbanisierungsprozess zum Opfer. Heute ist die Stadt ausgestorben und die Villa verlassen. Einige enthusiastische Blogger sammeln Geld, um sie wieder instand zu setzen. Das Haus hat ein sehenswertes Wohnzimmer in einem pseudorussischen Stil, einer ungewöhnlichen Mischung aus slawischer und byzantinischer Architektur.

Von Moskau aus gibt es eine Zugverbindung ins 550 Kilometer entfernte Galitsch im Gebiet Kostroma. Von dort aus verkehrt ein Bus nach Tschuchloma. Die Villa ist zu Fuß zu erreichen. Den Weg sollte man sich von den Einheimischen beschreiben lassen.

 

Der Getreidespeicher von Tscheljabinsk

Foto: archnest.ru

Im Stadtzentrum von Tscheljabinsk im Ural, fast 1 800 Kilometer von der russischen Hauptstadt entfernt, steht ein zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbauter Getreidespeicher. Ursprünglich befand er sich am Stadtrand. Durch den Bau der Transsibirischen Eisenbahn wurde Tscheljabinsk zu einem wichtigen Handelsknotenpunkt zwischen den östlichen und westlichen Teilen des Landes. Die Stadt wuchs und so wurde aus dem Außenbezirk das Stadtzentrum. Der achtgeschossige Getreidespeicher ist ein Wahrzeichen der Stadt, der inmitten der ein- und zweigeschossigen Wohnhäuser, die ihn umgeben, fast wie ein Wolkenkratzer wirkt.

Heute wird das Gebäude nicht mehr genutzt und ist weitgehend verfallen. Nur der mittlere und obere Teil sind baulich noch in einem passablen Zustand. Der Speicher steht heute auf dem Gelände eines bewachten Parkplatzes und ist für Besucher nur schwer zugänglich.

Tscheljabinsk ist von Moskau aus mit dem Flugzeug oder der Transsibirischen Eisenbahn erreichbar.

 

Das Krankenhaus im Gebiet Wladimir

Foto: Lana Star

Ein Anziehungspunkt für alle, die die Faszination für verlassene Orte gepackt hat, ist das Gebäude eines Krankenhauses im Gebiet Wladimir, 186 Kilometer östlich von Moskau gelegen. Das Gebäude entstand am Ende des 18. Jahrhunderts als Krankenhaus für Soldaten des Vaterländischen Kriegs gegen die Armee Napoleons. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde es als Geburtsklinik genutzt. Im Jahr 2009 wurde die Klinik für die Durchführung von Sanierungsarbeiten geschlossen und ist nicht wieder geöffnet worden.

Der Grundriss dieses zweigeschossigen Gebäudes, das einen Keller und einen Speicher hat, ist dem russischen Buchstaben „П" nachempfunden. Die Wände sind über fünf Meter hoch. Obwohl das Bauwerk schon seit fünf Jahren leer steht, ist es noch immer relativ sauber. Sogar die Zentralheizung funktioniert noch.

 

Die Villa Brusnizyn in Sankt Petersburg

Foto: Roman Wesenin 

Versteckt vor neugierigen Blicken liegt die Villa Brusnizyn im Industriebezirk der Wassiljewski-Insel von Sankt Petersburg. Erbaut wurde sie von Nikolai Brusnizyn, Eigentümer einer örtlichen Gerberei. Um die Villa rankt sich eine wahrhaft gruselige Geschichte.

Hier soll ein Spiegel versteckt sein, der aus einem venezianischen Palazzo stammt, in der Graf Draculas Asche lagern soll. Kurz nach dem Eintreffen des Spiegels in der Villa verstarb unerwartet die Enkelin der Hausherren. Nach der Revolution schaffte man den Spiegel zum Petersburger Kirow-Kulturpalast, später kehrte er wieder in die Villa zurück. Nach zwei weiteren mysteriösen Todesfällen von Bewohnern des Hauses beschloss man, den Spiegel an einem geheimen Ort in dem Gebäude zu verstecken. Bis heute hat ihn niemand gefunden.

Die Villa befindet sich in Sankt Petersburg, Koschewennaja Linija 27.

Das gotische Schloss von Sudoga

Foto: Sergej Muchamedow / nedosmi.ru

Der russische Holzfäller Wladimir Chrapowizki entdeckte während einer Frankreich-Reise im Jahr 1880 seine Liebe zur Gotik. Nach seiner Rückkehr schloss er eine Wette ab, er würde ein gotisches Schloss im Gebiet Wladimir bauen. Tatsächlich ließ er einige Jahre später ein großes Schloss im Stil der französischen Gotik errichten, das umgeben war von einem Park mit Brücken, Kaskaden und Gärten. Nach Chrapowizkis Tod stand das Schloss zunächst leer. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bezog eine Maschinenbau-Schule die Räumlichkeiten. Mitte des 20. Jahrhunderts diente das Schloss als Ferienzentrum. Doch dann zerstörte ein Brand in der Küche das Dach des Gebäudes und einige Teile des Gemäuers komplett. Heute ist das Schloss verlassen.

Das Schloss steht nahe der kleinen Stadt Sudogda, 200 Kilometer von Moskau entfernt.

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