Moskauer Metro: Der Weg ist das Ziel

Die Moskauer U-Bahn wird touristenfreundlicher. Foto: Wladimir Pesnja/RIA Novosti

Die Moskauer U-Bahn wird touristenfreundlicher. Foto: Wladimir Pesnja/RIA Novosti

Die Moskauer Regierung sucht nach neuen Wegen, wie man Touristen die Navigation in der Stadt erleichtern kann. Ein erster Schritt sind Wegweiser auf dem Boden der wichtigsten Metro-Stationen sowie Informationsstände an den Ausgängen der Metro.

In vielen Moskauer Metro-Stationen sind mittlerweile Wegweiser auf dem Boden zu finden, die in russischer und englischer Sprache die richtige Richtung für den Umstieg zwischen den Bahnlinien anzeigen. Zuvor mussten sich ausländische Besucher an russischsprachigen Wegweisern orientieren, egal, ob sie der russischen Sprache mächtig waren oder nicht.

Allerdings hat die neue Lösung einen wesentlichen Nachteil, wie Konstantin Trofimenko, Leiter des Moskauer Forschungszentrums für Verkehrsprobleme, feststellt: In der Metro seien die neuen Wegweiser auf dem Boden nur zu sehen, wenn wenige Menschen unterwegs sind. Im Berufsverkehr werde die Navigation deutlich erschwert. Ein weiteres großes Problem ist nach wie vor die fehlende Übersetzung der Stationsnamen. Bislang gibt es dazu seitens des Moskauer Verkehrsressorts keinerlei Ideen, wie dieses Problem in Zukunft gelöst werden könnte. Zumindest in den Metro-Zügen selbst hängen die Streckenpläne mittlerweile auch in englischer Sprache aus.

 

Infostände an den Metro-Ausgängen

Eine weitere wichtige Maßnahme sind die Infostände an den Ausgängen der wichtigsten Metro-Stationen wie „Ochotnyj rjad", „Teatralnaja", „Ploschshad Rewoluzii", „Lubjanka" und „Kusnezkij most". Hier hat die Stadtregierung bunte Infostände installiert, die den Touristen Informationen über die Sehenswürdigkeiten der Stadt und die unmittelbare Umgebung liefern. Diese Infopoints wurden gemeinsam mit den britischen Experten von City ID und Billings Jackson Design konzipiert. Die beiden Architektenbüros haben in der Vergangenheit einige Projekte dieser Art in New York und London umgesetzt.

Das Design der Infostände wurde von den meisten Experten sehr positiv aufgenommen. Für Aleksej Nowitschkow vom Designlabor an der Wirtschaftshochschule Moskau entsprechen Farbwahl, Schrift, Layout und Piktogramme der Stände den geltenden internationalen Standards. Allerdings haben die neuen Infostände auch einige Nachteile. „Sehr fraglich ist zum Beispiel, warum die Umgebungskarten, die an den Infoständen angebracht sind, auf eine Ausrichtung nach Norden verzichten. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass sich die meisten herkömmlichen Reiseführer und Karten nach Norden orientieren", merkt Nowitschkow an.

Bei den Bürgern und Gästen der Stadt kommen die neuen Maßnahmen der Stadtverwaltung jedoch sehr gut an. Die meisten finden insbesondere die Idee, alle Metro-Ausgänge zu nummerieren, gut. Dadurch wird die Orientierung deutlich erleichtert, insbesondere in den Stationen, die zwei oder mehr Ausgänge haben. Dazu zählt unter anderem die stark frequentierte Station „Kitaj-gorod", die über mehr als zehn Ausgänge verfügt.

Früher unterschieden sich diese Ausgänge allein durch Straßennamen und Sehenswürdigkeiten, zu denen sie führten. Jetzt aber kann man ein Treffen anstatt mithilfe einer langen Beschreibung wie „Wir treffen uns am Ausgang

in die Soljanka-Straße" einfach unter Angabe der entsprechenden Ausgangsnummer vereinbaren. „Ich wohne schon seit sieben Jahren in Moskau, weiß aber trotzdem nicht immer, welchen Weg ich wann nehmen muss. Deswegen finde ich das neue System super", sagt Angelika, die ursprünglich aus Woronesch stammt.

Viele ausländischen Besucher achten zudem auch auf andere Details. Florentina, eine Szenaristin aus Wien, merkt an: „Gut, dass an den neuen Informationsständen QR-Codes zu finden sind, die mit einem Smartphone ausgelesen werden können." Jedoch sei die englische Schrift auf den Plakaten viel zu klein. „Man muss schon richtig dicht rangehen, um alles zu entziffern", bemängelt sie. Dennoch findet es die Österreicherin schade, dass es die neuen Infopoints nicht an allen Metro-Stationen gibt. „Als ich einmal an der Station ‚Zarizino' ausstieg und das gleichnamige Schloss suchte, erwies sich meine Suche als sehr schwierig. Dort gab es keinerlei Übersichtskarten oder Wegweiser in der

englischen Sprache. Und auch die Passanten, denen ich bei meiner Suche begegnete, konnten mir nicht helfen, weil sie kein Englisch verstanden."

Die Moskauer Regierung verspricht, die innerstädtische Navigation Schritt für Schritt zu verbessern. Nach Angaben von Darija Tschuwaschewa vom Pressedienst des Moskauer Verkehrsressorts wird der Ausbau etappenweise umgesetzt: „Bis Ende 2014 wird das neue System in allen Metro-Stationen der Kolzewaja-Linie eingesetzt. Bis Ende 2015 planen wir den Einsatz dann an allen wichtigen Haltepunkten der Metro."

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