Saratow: Heimat der Wolgadeutschen

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Saratow an der Wolga gilt als bedeutendes kulturelles Zentrum Russlands. Grund hierfür ist die lange Geschichte. Architektonische Schmuckstücke aus verschiedenen Epochen und Museen laden Besucher zu einer Reise durch Russlands Seele ein.

Saratow liegt in der Nähe von Ukek, einer der ältesten Städte der Goldenen Horde, die der Mongolenfürst Tamerlan im Jahre 1395 zerstörte. Saratow wurde 1590 gegründet und war ein Knotenpunkt für Reisende von Asien nach Europa. Die Stadt liegt 858 Kilometer in südöstlicher Richtung von Moskau entfernt. Neben Wolgograd und Samara gehört die Stadt zu jenen drei Zarenfestungen, die in der Zeit zwischen 1586 und 1590 gegründet wurden, um die damals neu eroberten Territorien sowie die äußere Grenze des Russischen Kaiserreichs zu verteidigen. Das moderne Saratow wurde beinahe über Nacht errichtet. Ursprünglich lag die Stadt weiter nördlich. Die hölzernen Gebäude wurden abgebaut und am heutigen Platz wieder errichtet.

Bis Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Saratow zu einem bedeutenden Handelsplatz am Wolgastrom. 1870 kam die Eisenbahn dazu. Während des Zweiten Weltkriegs erlebte die Stadt dann einen wahren Aufschwung: Hierher wurden nämlich viele wichtige Fabriken sowie Institutionen verlegt. Bald darauf wurde die Stadt auch zu einem bedeutenden militärischen Zentrum. In Saratow gab es zu Sowjetzeiten eine Flugzeugfabrik.

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Heimat der Wolgadeutschen

Saratow und die benachbarte Stadt Engels bilden heute eine an den Ufern der Wolga gelegene Metropolregion mit mehr als einer Million Einwohner. Hier lebten vom 18. bis zum 20. Jahrhundert mehrere Tausend Deutsche, die einst von den russischen Zaren hierher eingeladen wurden, um die Landwirtschaft in der Region voranzubringen. Die so genannten Wolgadeutschen besetzten in beiden Städten wichtige Positionen, doch während des Zweiten Weltkriegs wurden sie nach Zentralasien und Sibirien deportiert. In den 1980er Jahren wanderten viele von ihnen nach Deutschland aus.

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Die Städte Saratow und Engels sind seit 1965 durch die Brücke von Saratow miteinander verbunden, die mit 2 826 Metern damals die längste Brücke Europas war. Saratow beeindruckt durch eine facettenreiche Architektur, besonders im Uferbereich. Hier stehen luxuriöse Appartements neben nicht weniger luxuriösen Blockhütten. Besonders sehenswert ist unter anderem das Gebäude des ehemaligen Kurheilbades. Die Wolgapromenade lädt zu langen Spaziergängen und zahlreiche Cafés zum Verweilen ein. In der uliza Nabereschnaja Kosmonawtow 7a können Flusskreuzfahrten gebucht werden, zum Beispiel nach Astrachan im Wolgadelta oder in nördliche Richtung bis nach Sankt Petersburg. In Moskau kann man dann einen Zwischenstopp einlegen. Flussschiffsaison ist von Anfang Mai bis Mitte September. 

Wer sich mehr für Raumfahrt als für Schifffahrt interessiert, dem gefällt sicher das Denkmal von Juri Gagarin, der als erster Mensch ins All reiste. Gagarin lebte ab 1951 in Saratow und studierte an der dortigen Technischen Universität Gießereitechnik. Nebenbei lernte er dort das Fliegen und arbeitete im Hafen.

 

Architektonische Highlights im Stadtzentrum

Die Hauptschlagader der Stadt ist die Uliza Moskowskaja, die an der Wolga beginnt und sich quer durch die Stadt erstreckt. Das Herz der Stadt ist der Prospekt Kirowa, der zu den ersten Fußgängerzonen Russlands zählt. Bis 1917 hieß die prächtige Straße noch Nemetskaja uliza – wegen der vielen Deutschen, die einst hier lebten. Am Straßenrand gibt es viele Bars und

Anreise

 

Saratow ist gut mit dem Zug erreichbar. Von Moskau aus startet man am besten am Paweletskij Bahnhof und nimmt den Nachtzug um 17:50 Uhr, der am nächsten Morgen um 8:50 Uhr in Saratow ankommt.

Wer es schneller möchte: Bis zu sechs Mal am Tag fliegt Saratow Airlines vom Moskauer Flughafen Domodedowo nach Saratow.

Restaurants. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören verschiedene Statuen, wie die eines Mannes, der auf einem Akkordeon spielt oder die eines jungen Mannes, der mit Blumen in der Hand auf seine große Liebe wartet und dabei vom Lied über Saratow inspiriert wurde.

Am Prospekt Kirowa 1 liegt malerisch schön das Staatliche Leonid-Sobinow-Konservatorium, ganz in der Nähe vom Eingang zum Park Lipki, der einen ganz besonderen Charme hat. Anfang der 1910er Jahre wurde das damals erst dritte Konservatorium Russlands gebaut. Saratow war zu diesem Zeitpunkt die drittgrößte Stadt des Landes, heute belegt sie noch Platz 16 der größten Städte. 

Für leuchtende Kinderaugen sorgt garantiert ein Besuch im Zirkus von Saratow, wo es Clowns und Tiger gibt. Der Zirkus hat seinen festen Platz in der Stadt. Er wurde von den Brüdern Nikitin gegründet, die Zirkusartisten und Unternehmer waren. Der Zirkus liegt am Prospekt Kirowa.

Das Staatliche Leonid-Sobinow-Konservatorium in Saratow. Foto: Shutterstock/Legion Media

Gleich gegenüber liegt der Kryty Rynok, ein überdachter Markt, der bereits 1916 erbaut wurde, hinter ihm findet man das alte sowjetische Kino Pobeda. Interessant ist auch die Geschichte des Kinos Pioner (Prospekt Kirowa 11). An seiner Stelle stand einst eine Kirche für die Deutschen von Saratow. Die Sowjets ließen das Gebäude fast vollständig abreißen und errichteten das

Kino. Von der ehemaligen Kirche ist nur noch ein Stück Wand erhalten. Weitere architektonische Highlights entlang des Prospekt Kirowa sind eine Reihe gut erhaltener Kommunalgebäude aus den zwanziger Jahren.

Ein Block weiter, parallel zum Prospekt Kirowa, am Platz Teatralnaja ploschad, steht ein in ganz Russland bekanntes Opern- und Balletthaus, das im Jahre 1875 erbaut wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes befindet sich das Radischtschew-Kunstmuseum – eines der bedeutendsten Kunstmuseen Russlands und zudem das erste, das für die breite Öffentlichkeit zugänglich war. Es wurde nach dem im 17. Jahrhundert umstrittenen Schriftsteller Aleksandr Radischtschew benannt, der unweit des Museums lebte und dessen Enkelsohn dem Museum die erste Kunstsammlung stiftete. Heute gehören zur Sammlung unzählige Werke bekannter Künstler, darunter Werke Repins, Schischkins und Falks.

Unterkunft

 

Das Hotel Slovakia bietet neben preiswerten Zimmern (Standardzimmer im sowjetischen Stil etwa 2 600 Rubel/ etwa 45 Euro) auch eine gute Aussicht auf die Wolga. Ganz in der Nähe liegt die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit aus dem Jahr 1675. Ein weiteres architektonisches Juwel ist die Kirche „Lindere mein Leid“ (Utoli moi petschali), die von der Basilius-Kathedrale in Moskau inspiriert wurde und 1906 fertiggestellt wurde. Sie liegt in der uliza Wolschskaja 36.

Zentral gelegen ist auch das Business Hotel Irbis (Maksima Gorkowo 9). Eine Übernachtung kostet ab 2 400 Rubel (etwa 42 Euro). 

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