Heilwasser und Kosakenlager: Eine Reise in das Omsker Gebiet

Foto: Lori / LegionMedia

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Abgelegene und mysteriöse Orte im Gebiet Omsk bieten exotische Routen für unerschrockene Reisende. Dabei gibt es sowohl kulturelle als auch natürliche Besonderheiten zu entdecken. Die Frage, ob Omsk tatsächlich das Zentrum Asiens ist, gerät bei so viel Schönheit beinahe in Vergessenheit.

In der ewigen Debatte, wo genau sich denn nun das Zentrum Asiens befinde, wird Omsk immer wieder erwähnt. Obwohl es nicht gleich weit von den Kontinentalküsten entfernt ist, wie es die Stadt Kyzyl in der Republik Tuwa von sich behauptet, und auch keinen so wichtigen Transportknotenpunkt darstellt wie Nowosibirsk, ist das Gebiet doch an Spiritualität und Schönheit kaum zu überbieten.

 

Okunjewo, ein Dorf außerhalb von Raum und Zeit

Die Einheimischen sagen, „man weiß nie, welchen Wundern man in Okunjewo begegnen kann“. Dieses entlegene urtümliche Dorf befindet sich 250 Kilometer nördlich von Omsk – zweieinhalb bis drei Stunden mit dem Auto oder fünf Stunden mit dem Bus – entfernt und zieht mit seiner entspannenden Atmosphäre zahlreiche Pilger und Reisende an, die hier das Gefühl für Zeit und Raum vollkommen verlieren. Der sibirische Ort ist bekannt dafür, eine starke Quelle mentaler Energie zu sein, was nicht zuletzt auf die Ähnlichkeit des Wortes „Om“ („Wahrheit“) mit seinem Namen zurückgeführt wird. Es gibt hier sogar einen sibirischen Aschram in Form einer Holzhütte im Dorf.

Der Legende zufolge fördern die vier Taiga-Seen in der Nähe des Dorfes – der Lynewo-, der Schtschutschjo-, der Danilowo- und der Schajtan-See – die Gesundheit. Ihre kinetische Energie kann sich angeblich auf all diejenigen übertragen, die es an ihre Ufer schaffen, um ein Schlammbad zu nehmen und im Heilwasser zu baden.

Sibirische Schamanen behaupten, dass diese Seen vom Himmel geschaffen wurden. Und dies ist gar nicht mal falsch, denn sie entstanden vor Tausenden von Jahren aus vier Meteorit-Bruchstücken, die auf dessen Flug durch den Weltraum abgebrochen waren. Die Seen sind durch einen unterirdischen Fluss mit einer Heilwasserquelle verbunden. Die Bewohner von Omsk glauben, dass das Trinken des „himmlischen“ Mineralwassers und das Schwimmen in den Seen unglaublich positiv auf die Haut, die Schilddrüse und andere Organe wirken.

 

Das Tote Meer des Omsker Gebiets

Der Ebejty-See, ein abflussloser Salzwassersee, befindet sich 150 Kilometer von Omsk entfernt. Er liegt in einem eiszeitlichen tektonischen Becken, der tiefsten Senke der ganzen Region. Das Becken ist so groß, dass es sich über drei Verwaltungsbezirke des Gebietes erstreckt.

Gelegen in einem kleinen Tal mit salzhaltiger Landschaft, die sich über viele Kilometer entlang der Küste erstreckt, wird dieser himmelblaue See von einer endlosen Steppe umgeben. Es gibt auch einige Schluchten, von denen die attraktivste die Amrinskaja-Schlucht ist (mehr Informationen finden Sie hier).

Der Ebejty-See ist der größte seiner Art in der Umgebung und seit fast dreißig Jahren ein hydrologisches Naturdenkmal. Er weist zwischen der Wasserscheide und dem Wasserspiegel einen Höhenunterschied von 80 bis 85 Metern auf. Der Schlamm des Sees soll heilend wirken. Aufgrund des unwirtlichen Terrains kann er nur bei sehr trockenem Wetter erreicht werden, da die Besucher ansonsten riskieren, im Treibsand zu versinken. Diejenigen, die den mühevollen Weg auf sich genommen haben, gelangen an einen See mit einer außergewöhnlichen Konzentration an Chloridsulfat, hoher Alkalität und überdurchschnittlich viel Natrium, Kalzium, Magnesium, Chlor, Wasserstoff, Bor und sogar Brom im Wasser. Die Kombination dieser Elemente ist ein wahres Wundermittel für viele körperliche Leiden.

Eine Reise zum Ebejty-See nimmt einen ganzen Tag in Anspruch, denn allein die Fahrt mit dem Auto von Omsk hierher dauert ungefähr drei Stunden. Es empfiehlt sich, genügend Trinkwasser und Lebensmittel mitzunehmen. Und an Mückenspray sollte gedacht werden, denn die kleinen Blutsauger kommen am Abend in großen Scharen hervor.

 

Generalowka, sibirischer Vorposten der Kosaken

Foto: RIA Novosti

Ob nun vom Zaren oder den russischen Generälen geäußert: Der Anspruch, geopolitisch betrachtet das Zentrum Asiens zu sein, hat stets bedeutet, den gesamten Kontinent kontrollieren zu wollen. In dieser Hinsicht hat Omsk immer schon eine bedeutende strategische Rolle gespielt. Kosaken richteten hier einst ihre sibirische Hauptstadt ein. Gegenwärtig aber befindet sich ihr Stabquartier im Dorf Generalowka, in der Nähe der Grenze zu Kasachstan, ungefähr eine Stunde Fahrt von Omsk entfernt. Lange Zeit war Russlands strategischer Vorposten in dieser Region nicht etwa Omsk, sondern eben dieses Dorf.

Dort kann man eine Farm besuchen, die sich einen Namen mit der Zucht sibirischer Jagdhunde gemacht hat. Diese Hunde sind für ihre Intelligenz und ihren ausgeprägten Jagdinstinkt berühmt. Eine Vorführung der Hunde erfolgt nur nach vorheriger Vereinbarung oder durch die hiesigen Kosaken. Es ist auch möglich, die Reitfertigkeit der jungen Kadetten der Militärschule in Kasatschij Rubjesch oder aber traditionelle Tänze und Lieder zu bestaunen. Die Schule befindet sich im Bezirk Odesskij, im Dorf Generalowka, in der Kosaken-Gasse 4.

Es gibt hier in der ethnografischen Sammlung auch eine Ausstellung zu den sibirischen Kosaken. Geht man die alte Straße weiter, die einst Moskau mit Sibirien verband, gelangt man in die Dörfer Stanowka und Forpost. Hier können sich Touristen in Lumpen kleiden und sich als Gefangene von Kosaken zu Pferde durch eine sumpfige Landschaft eskortieren lassen – ganz so, wie es vor fast 300 Jahren üblich war. Die „Neuzugänge“ können ganze Abschnitte des historischen Wegs ins sibirische Exil nachverfolgen und dabei die einheimische Fauna kennenlernen sowie traditionelle Speisen probieren.

Wem dies zu anspruchsvoll ist, sollte besser den ethnografischen Komplex in Bolscheretsche besuchen, um hier in aller Ruhe etwas über das Leben der Bauern und die hiesigen Traditionen zu erfahren. Nicht weit von dort entfernt befindet sich auch der einzige außerstädtische Zoo ganz Russlands.

 

Schauen Sie sich ein Video zum Leben der Kosaken im 21. Jahrhundert bei uns an. 

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