Verborgene Schätze im Kreml

Der Kreml ist Moskaus bekannteste Sehenswürdigkeit. Jedes Jahr wollen tausende Besucher den Glockenturm Iwan der Große, das Museum in der Rüstkammer oder den Geheimgangsturm besichtigen. Moskaus Machtzentrale hat aber noch mehr zu bieten. RBTH verrät vier Geheimtipps für ihren nächsten Kreml-Besuch.

Gefiederte Palastwache mit Spezialausbildung

Foto: Artjom Korotejew/TASS

Krähen sind der schlimmste Feind der goldglänzenden Kuppeln des Kremls in Moskau. Für sie sind die Dächer des russischen Regierungssitzes nicht mehr als ein Spielplatz, sie rutschen daran herunter als wäre es ein vereister Berg und hinterlassen dabei tiefe Kratzer im Gold. Nach einem langjährigen, zermürbenden Krieg gegen die gefiederten Vandalen wurde schließlich doch ein Ausweg gefunden: Die Kreml-Wache bekam eine ornithologische Sonderabteilung.

Seitdem wird der Amtssitz des Präsidenten auch von Falken, Habichten und einem großen Uhu bewacht, die die Krähenpopulation in einem natürlichen Gleichgewicht halten. Falken und Habichte leben auf dem Falkenhof im Tainizki-Garten. Sie überwintern in der Mauer des Kremls, zwischen Nabatnaja-Turm und Spasskaja-Turm. Die Vögel werden nach einer einzigartigen Methode, die von Mitarbeitern des Föderalen Schutzdienstes (FSO) entwickelt worden ist, für die Jagd ausgebildet und greifen die lästigen Krähen von allen Seiten an. Der Uhu lebt etwas abseits von den übrigen gefiederten Wächtern in einem eigenen Gehege und wirkt wie der Oberbefehlshaber der gefiederten Streitkräfte.

 

Ikonen aus dem Himmelfahrtskloster im Patriarchenpalast

Foto: Juri Kaplun/RIA Novosti

Zu Sowjetzeiten wurden alle klerikalen Bauwerke in Russland rücksichtslos zerstört und in Lagerräume, Museen oder Archive umgewandelt. Das Himmelfahrtskloster im Kreml war keine Ausnahme. Sein Abriss rief in der

Öffentlichkeit einen beispiellosen Protest hervor. Wichtige Persönlichkeiten der Kunstszene wandten sich in Briefen an Josef Stalin, doch vergeblich: Das Kloster wurde dem Erdboden gleichgemacht. An den früheren Standort erinnert heute nur noch ein leerer Platz neben dem Erlöserturm.

Doch nicht alles wurde damals zerstört. Was kaum jemand weiß: Obwohl nur wenig Zeit war, konnten die Angestellten der Rüstkammer eine Ikonenwand aus der ehemals letzten Ruhestätte der Großfürstinnen und Zarinnen retten. Damals wurde auch eines der wichtigsten Heiligtümer des Kremls vor der Vernichtung bewahrt, nämlich die sterblichen Überreste des Heiligen Alexios, Metropolit von Moskau und Wundertäter, die heute in der Epiphanien-Kathedrale ruhen. Die Ikonenwand aus der Kathedrale des Himmelfahrtsklosters kann heute im Patriarchenpalast bewundern werden.

 

Glockengeläut im Kremlpalast

Foto: Lori/Legion Media

Der Staatliche Kremlpalast wurde in den 1960er-Jahren errichtet und ist ein Veranstaltungsgebäude auf dem Kreml-Gelände. Neben sozial-politischen Foren finden hier Konzerte und Theateraufführungen statt oder Aufführungen des Kreml-Balletts. Jeden Winter wird dort außerdem für die russischen Kinder das größte Weihnachtsfest des Landes ausgerichtet.

Selbstverständlich hat auch der Kreml-Palast seine Geheimnisse. Kaum jemand weiß, dass unter seiner Bühne ein Glockenstuhl erhalten geblieben ist. Er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gegossen und dort aufgebaut. Seine Hauptglocke für das Festgeläut, die größte Glocke im traditionellen Geläut orthodoxer Kirchen, wiegt mehrere Tonnen.

 

Moderne Tontechnik hinter den alten Mauern des Dreifaltigkeitsturms

Foto: RIA Novosti

Der Dreifaltigkeitsturm im Moskauer Kreml beherbergt ein modernes Tonstudio und Probenräume für das Präsidentenorchester. Dieses spielt bei

offiziellen Veranstaltungen auf Staatsebene und bei der Amtseinführung der russischen Präsidenten. Es ist eines der wenigen Militärorchester weltweit, dem auch Symphoniker angehören. Seine Solisten kennen alle Nationalhymnen der Welt.

Das Präsidentenorchester ist experimentierfreudig und schon mit Musikern wie Ken Hensley und seiner früheren Band Uriah Heep, der deutschen Gruppe Scorpions und Arija, einer der ersten Heavy-Metal-Bands der Sowjetunion, aufgetreten. Das Orchester hat die Musik für 40 Filme, Theaterinszenierungen und Sportveranstaltungen, unter anderem auch zu den Olympischen Spielen 1980 in Moskau, eingespielt.

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