Vom Baikalsee zu den Goldenen Bergen des Altai: Russlands Naturschätze in Sibirien

Joe Crescente bereist die 26 Unesco-Welterbestätten in Russland und durchquert dabei das Land von Ost nach West. Im zweiten Teil unserer Serie entdeckt er die Schönheit des einzigartigen Baikalsees, des wilden Putorana-Gebirges und des malerischen Altai.

Für RBTH bereist Joe Crescente die 26 Unesco-Welterbestätten in Russland und durchquert dabei das Land von Ost nach West. Die Unesco ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die sich zum Ziel gesetzt hat, Frieden und Sicherheit durch internationale Zusammenarbeit zu fördern. Die Welterbekonvention möchte Natur- und Kulturstätten, die von globaler Bedeutung sind, erhalten. Der zweite Teil dieser Serie beginnt mit einem der bekanntesten Naturdenkmäler Russlands: dem Baikalsee.

 

Der Baikalsee – Unesco-Weltnaturerbe seit 1996

Foto: Shutterstock/Legion Media

Der größte Süßwassersee der Welt, der Baikalsee, gehört ganz oben auf die Liste der russischen Naturwunder. Er ist mit 1 642 Metern nicht nur der tiefste See der Welt, sondern gilt auch als einer der klarsten und ältesten. Sein Alter wird auf 25 Millionen Jahre geschätzt. In einem Grabenbruch gelegen wächst der Baikal noch heute ein bis zwei Zentimeter pro Jahr. Hinsichtlich seiner Oberfläche ist er der siebtgrößte See der Welt. Er enthält mehr Wasser als alle fünf großen Seen Nordamerikas zusammengenommen.

Die reiche und ungewöhnliche Artenvielfalt des Baikalsees ist seine Visitenkarte. Tausende Pflanzen- und Tierarten leben in oder in der Nähe des Sees und viele von ihnen sind nirgendwo anders auf der Welt beheimatet. Die Liste enthält Seehunde, durchscheinende Fische und wirbellose Tiere, darunter Würmer, Krebse und Plankton, Schnecken und Schwämme. Zu den bekanntesten einheimischen Tieren gehören die Baikalrobbe, eine seltene Süßwasserrasse, der Baikal-Omul, ein Lachsfisch, der von den Baikalbewohnern mit Vorliebe geräuchert verspeist wird, und der Baikal-Stöhr, ein gefährdeter Fisch, der am Nordufer lebt.

Anreise: Mit dem Flugzeug oder Zug bis Irkutsk oder Ulan-Ude; ab Irkutsk sind es etwa 65 Kilometer bis zum Baikal, ab Ulan-Ude etwa 250 Kilometer. Der Baikalsee kann von beiden Städten aus leicht mit dem Taxi oder Bus erreicht werden.

 

Putorana-Gebirge – Unesco-Weltnaturerbe seit 2010

Foto: Lori/Legion Media

Etwa 100 Kilometer nördlich des Polarkreises am nordwestlichen Rand des Mittelsibirischen Berglandes in der Region Krasnojarsk gelegen, ist das Gebiet um das Putorana-Gebirge ein klassischer unberührter Landschaftszug der Taiga, Tundra und der Polarwüste. Es verfügt über arktische und subarktische Ökosysteme isoliert durch eine Bergkette. Im Umland befinden sich 25 000 Seen und ist damit Russlands zweitgrößtes Süßwasservorkommen nach dem Baikal. Das Gebiet ist auch geprägt von tiefen Schluchten, Kaltwasserflüssen, Tausenden Wasserfällen und einer fjordähnlichen Landschaft.

Eine der weltweit letzten erhaltenen Wanderrouten von Rentieren führt durch das Gebiet. Zudem leben das Puroana-Schneeschaf sowie isolierte Unterarten des Bergschafes hier. Das Gebiet ist nahezu unberührt, die nächste Siedlung Hunderte von Kilometern entfernt. Das Putorana-Gebirge wurde für seine große Pflanzenvielfalt in einer arktischen Umgebung in die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen.

Anreise: Das Gebiet wird von der Industriestadt Norilsk, die sich 200 Kilometer westlich des Gebirges befindet, verwaltet. Es ist zwar kompliziert, aber dennoch möglich, das Gebiet zu besichtigen. Genehmigungen und Führungen sind notwendig, da auch zumindest ein Helikopterflug eingeschlossen ist. Die folgende Webseite beschreibt einige Routen und Hindernisse.
 

 

Uws-Nuur-Becken – Unesco-Weltnaturerbe seit 2003

Foto: Lori/Legion Media

Diese Sehenswürdigkeit ist Teil einer ganzen Reihe von Becken in Zentralasien, von denen das Uws-Nuur-Becken das einzige in Russland befindliche ist. Hier läuft der südlichste Teil der Taiga mit dem nördlichsten Teil der Wüste zusammen. Der stark salzhaltige und sehr flache See ist ein Überbleibsel des Salzwassermeeres, das vor Tausenden von Jahren ein viel

größeres Gebiet bedeckt hat. Heute teilen sich die russische Republik Tuwa im Süden Sibiriens und die Mongolei, wo sich etwa 90 Prozent des Sees befinden, die Grenze.

Die Landschaft ist von Steppe und Wüste geprägt. Hier ist eine große Artenvielfalt von Süß- und Salzwasser, Laub-, Nadel- und Auwäldern sowie Restgletschern und Gletscherseen vorzufinden. Es ist eines der größten intakten Wasserscheiden in Zentralasien und verfügt über knapp 40 000 archäologische Stätten, in denen die Geschichte der Nomadenstämme, die durch die Steppe zogen, erforscht wird. In einem Kalenderjahr können die Temperaturen bis zu 100 Grad zwischen Kalt und Warm schwanken. Trotzdem nennen über 100 Vogelarten, der vom Aussterben bedrohte Schneeleopard, die Wildschafe namens Argali sowie der asiatische Steinbock (Wildziege) dieses Gebiet ihr Zuhause.

Anreise: Kysyl, die Hauptstadt der Republik Tuwa, verfügt über einen kleinen Flughafen, aber es ist vermutlich sinnvoller, mit dem Zug oder Flugzeug in eine der beiden nahegelegenen Städte Krasnojarsk oder Abakan zu reisen und von dort aus den Bus oder ein Taxi nach Kysyl zu nehmen. Danach können Sie sich um eine Exkursion zum See kümmern oder einfach mit dem Taxi dorthin fahren.

 

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Die Goldenen Berge des Altai – Unesco-Weltnaturerbe seit 1998

Foto: Lori/Legion Media

Eine der malerischsten Ecken Russlands bildet das Altaigebirge, das mit dem Fluss Ob eine Wasserscheide zwischen Zentralasien und dem Nordpolarmeer bildet. Hier entspringt der Ob und fließt dann weiter Richtung Norden. In dieser Region kann man viele verschiedene Landschaftszüge wie beispielsweise bergige Taiga, Steppe, Seebecken, Täler und Bergwiesen

sehen. Es gibt fast 1 500 Gletscher, die das Ergebnis fünf verschiedener Eiszeiten sind. Auch die Tierwelt ist mit mehr als 70 Säugetieren und 300 Vogelarten vielfältig und einzigartig.

Das Gebiet wurde im 18. Jahrhundert in das Russische Kaiserreich eingegliedert. Doch zuvor war es bereits über eine Million Jahre lang das Zuhause von Siedlern gewesen, die paläolithische Siedlungen in der Nähe von Gorno-Altaisk, der Hauptstadt der Region, zurückließen. Das Gebiet ist heute von Russen und Altaiern, eine Gruppe turksprachiger Stämme, die sich traditionell auf die Landwirtschaft, Viehzucht und Jagd konzentriert, dünn besiedelt.

Anreise: Gorno-Altaisk verfügt über einen kleinen Flughafen mit Flugverbindungen aus Moskau, Nowosibirsk und Krasnojarsk. Hier können Sie den Flugplan einsehen. Alternativ können Sie nach Nowosibirsk reisen und von dort aus den Bus oder ein Taxi nehmen.

Joe Crescente ist freiberuflicher Wirtschafts- und Reisejournalist, Autor und Redakteur bei Russia Beyond The Headlines.

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