Südkurilen: Unberührte Natur und fesselnde Landschaften

Iwan Dementjewskij
Ein wenig Glück und Geduld braucht man schon, wenn man die Südkurileninseln Kunaschir, Schikotan oder Iturup besuchen will, denn nicht immer spielt das Wetter mit. Wer es geschafft hat anzukommen, den erwartet unberührte Natur – Vulkanausbrüche, Tsunamis und wilde Bären inklusive.

Die Südkurilen bestehen aus Dutzenden kleinen Inseln. Das Leben folgt dort seinem eigenen, natürlichen Rhythmus: Robben rasten auf Steinen, Tausende Vögel brüten in Kolonien, Bambus schwankt im Takt des Windes und Geysire simmern auf kargem Vulkangestein.

Foto: Iwan Dementjewskij

Die Kurilen liegen 10 417 Kilometer östlich von Moskau und sind eine Inselkette, die aus 56 vulkanischen Inseln bestehen, die sich über eine Distanz von 1 200 Kilometern erstrecken. Die Kurilen verbinden die russische Halbinsel Kamtschatka mit der japanischen Insel Hokkaidō und trennen das Ochotskische Meer vom Pazifik. Südlich des Inselbogens verläuft die Grenze zwischen der Russischen Föderation und Japan.

Die Inseln formen zwei parallel verlaufende Straßen: die Großen Kurilen und die Kleinen Kurilen, welche zur russischen Oblast Sachalin gehören. Über die südlichen Inseln des Archipels Iturup, Kunaschir, Schikotan und Habomai herrscht Streit mit Japan, welches diese zur Präfektur Hokkaidōs zählt.

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Die Inselkette liegt in einem Gebiet mit hoher seismischer Aktivität, was sich an der Vielzahl an Vulkanen zeigt, von denen über die Hälfte aktiv sind. Zudem finden sich auf den Inseln zahlreiche heiße Mineralquellen. Tsunamis sind eine regelmäßige Erscheinung, der letzte überflutete die Inselkette im Jahr 2006.

 

Eine Reise voller Überraschungen

Das Wetter auf den Kurilen ist unbeständig, das sollte man bei den Reisevorbereitungen berücksichtigen. Für die Anreise empfiehlt es sich, nach Iturup oder Kunaschir zu fliegen. Seit 2014 hat Iturup einen neuen, modernen Flughafen. Bis dahin landeten Flugzeuge auf einer Piste, die noch aus Zeiten der japanischen Herrschaft stammte. Sie lag in einem Gebiet, in dem oft dichter Nebel herrschte, sodass dort tagelang kein Flugzeug starten oder landen konnte. Der Flughafen auf Kunaschir hingegen ist schon etwas in die Jahre gekommen. Auch hier herrscht oft starker Nebel, der schon vielen Reiselustigen einen Strich durch ihre Pläne gemacht hat. Einheimische scherzen, man könne sich schon glücklich schätzen, wenn man den Abflug nur ein bis zwei Mal verschieben müsse.

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Möglich ist auch eine Rundreise per Schiff. Wenn das Wetter es zulässt, läuft das Schiff mehrmals pro Woche aus, aber wann genau, das weiß niemand. Einen Fahrplan gibt es nicht, und auch Fahrscheine können nicht im Voraus gekauft werden. Man trägt sich einfach auf einer Liste ein und dann geht es der Reihe nach. Wenn es dann so weit ist, bestimmt wieder das Wetter den Kurs. Der beste Ort, um die Rundfahrt zu beginnen, ist Sachalin (9 400 Kilometer von Moskau entfernt). Dann ist das Schiff noch leer – was sich allerdings schnell ändern wird.

Auf die dritte Insel der Großen Kurilen-Straße, Schikotan, gelangt man nur mit einem Motorschiff. Dieses läuft entweder in Iturup oder in Kunaschir aus. Da nicht viele Menschen diese Insel besuchen, findet sich immer genug Platz auf dem Schiff. Informieren Sie sich unbedingt vorher über die Einreisebestimmungen.

 

Zelten mit Bären in freier Wildbahn

Da der Tourismus auf den Kurilen kaum entwickelt ist, gleicht eine Rundreise eher einer Abenteuerreise. Doch die örtliche Bevölkerung hilft gerne dabei, dieses Abenteuer zu bestehen. Sie können ein gutes Gespräch mit dem Leuchtturmwärter führen und für wenig Geld sogar bei ihm übernachten. Fünf-Sterne-Standard sollten Sie natürlich nicht erwarten, doch dafür werden Sie viele interessante Geschichten erzählt bekommen, die in keinem Reiseführer der Welt nachzulesen sind. Vielleicht dürfen Sie auch mit einem der Fischer aufs Meer hinausfahren und dort Pazifischen Makrelenhecht fangen. Spezielle Scheinwerfer locken diese in der Nacht in Scharen an – dann verwandeln sie das Wasser in ein Silbermeer.

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Auf der Insel Schikotan, die im Vergleich zu Kunaschir und Iturup eher klein ist, leben keine Bären. Dort kann man auch im Freien zelten. Auf Kunaschir und Iturup hingegen ist das nicht zu empfehlen, denn die Bären können hier vor allem zu Zeiten, in denen es wenig Fisch gibt, zu einer ernsthaften Bedrohung für den Menschen werden.

Die Südkurilen liegen sehr nahe an Japan, das bis heute Anspruch auf die Inseln erhebt. Immer wieder gab es Auseinandersetzungen um die Inselgruppe. Um für einen Angriff der Japaner gewappnet zu sein, wurden auf den Inseln Feldbunker errichtet und Panzertruppen stationiert. Auf der Insel Schikotan wurde so die gesamte Küstenlinie des Dorfes Krabowij mit Panzern gesäumt, denn diese Küste bildete eine gut geschützte Bucht, in der häufig Gefechte stattfanden. Davon zeugen noch immer zahlreiche Einschusslöcher.

Foto: Iwan Dementjewskij

Nach dem Zerfall der Sowjetunion in den Neunzigerjahren wurden diese Militärposten jedoch aufgegeben. Da ein Abtransport der gänzlich veralteten Ausrüstung aber viel zu aufwendig und kostspielig gewesen wäre, ließ man diese einfach zurück. So finden sich auf den Ansichtskarten der Inseln heute auch Panzer, Kanonen und die Überreste dieser Stützpunkte. Reisende können noch mehr Unerwartetes entdecken, beispielsweise japanische Friedhöfe und japanisch geprägte Orte aus Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg, als noch Japaner die Inseln bevölkerten.

In Bildern: Die Südkurilen: Land der Vulkane am Rande der Erde

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