Ferienorte mit Kultstatus

Sowjetische Frauen im Urlaub in der Stadt Jalta auf der Krim. Foto: Jurij Abramotschkin / RIA Novosti

Sowjetische Frauen im Urlaub in der Stadt Jalta auf der Krim. Foto: Jurij Abramotschkin / RIA Novosti

Fünf russische Touristenmagnete von Sibirien bis zum Schwarzen Meer, vom Westen bis zum Fernen Osten, die in der Sowjetzeit Kult gewesen sind und sich heute in einem neuen Gewand präsentieren.

Die Krim: Luxus der Hippies

In der Sowjetzeit waren die Krimkurorte der Traum eines jeden Bürgers, vom einfachen Arbeiter bis zum Staats- und Parteichef. Die größte Anziehungskraft ging von Jalta aus, einem Synonym für luxuriösen Urlaub in der UdSSR, und von Hursuf, dem Treffpunkt der sogenannten goldenen Jugend (Kinder reicher Eltern). Allerdings war Hursuf auch ein Geheimtipp unter den ersten sowjetischen Hippies. Sie reisten per Anhalter, trugen zerrissene Jeans, veranstalteten nächtliche Nacktschwimmen und zeigten moralische Freizügigkeit – zum Ärger manch anderer Urlauber. Heute aber fährt man wegen der Bergluft und des sauberen Meeres hierher - und aus Nostalgie. Außerdem ist ein Urlaub auf der Krim schonender für den Geldbeutel als im benachbarten Sotschi.

 

Sotschi-Erbe

Eine antike Amphora, die im Akropolis an der Küste des Schwarzen Meers zu Sowjetzeiten ausgegraben wurde. Foto: Jurij Abramotschkin / RIA Novosti

Glaubt man dem Fernsehen der Sowjetzeit, lagen die Sonnenhungrigen an den Stränden von Gelendschik und Anapa früher dicht gedrängt nebeneinander wie Sardinen in der Dose. Über 300 Sanatorien boten damals einen „Genesungsservice“ an.  In der postsowjetischen Zeit veränderte sich der Tourismus in der Region Krasnodar deutlich. Die hohen Preise für Pauschalangebote der Sanatorien und die niedrigen Einkommen der Bevölkerung in den ersten Jahren nach dem Zerfall der UdSSR führten in den 90ern zu einem Boom des Wildurlaubs an den Stränden der Region. Der Staat hielt sich damals mit Investitionen in den Fremdenverkehr noch deutlich zurück. Erst der Wirtschaftsboom in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre verbesserte langsam die Situation. Den Durchbruch brachten die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi, bei deren Vorbereitungen praktisch aus dem Nichts eine leistungsfähige Infrastruktur entstand: Sportplätze und Arenen, Hotels und Restaurants.

 

Nordkaukasus: Camping für Naturfreaks

In der Archyz-Schlucht. Foto: Alexej Buschkin / RIA Novosti

Für Jugendliche in der Sowjetunion war Aktivurlaub ohne großen finanziellen Aufwand sehr beliebt: in den Bergen wandern, im Zelt übernachten, gemeinsam zur Gitarre singen. Seit den 1960er Jahren steht diese Art von Erholung hoch im Kurs. Hunderte Touristen kamen hierhin, um durch das Naur-Tal bis zum Schwarzen Meer zu wandern. Die Route führte sie durch Nadelholzwälder und Schluchten,

an Bergflüssen, Wasserfällen und uralten Dolmen vorbei. Zum Essen gab es die einfachen Speisen der Bauern.

Wahrscheinlich wäre Archyz ein Ort für die sparsamen Trekking-Urlauber geblieben, wenn das Jahr 2013 nicht die Wende gebracht hätte. In der Archyz-Schlucht wurde mit dem Bau von vier neuen Tourismusresorts begonnen, von denen sich eines 1650 Meter über dem Meeresspiegel befindet und daher kurz den Namen Archyz-1650 erhielt. Umgerechnet 100 Millionen Euro hat der Bau diesesganzjährig geöffneten Komplexes gekostet. Entstanden sind zwei Hotels, ein Restaurant und einige Seilbahnen auf die Gipfel der umliegenden Berge. Allein im Sommer 2014 kamen mehr als 50 000 Menschen zu Besuch. Am Rande von Archyz-1650 gibt es mit dem Archyz Park einen attraktiven Campingplatz. Das Besondere: Er liegt sogar 1750 Meter über dem Meeresspiegel.

 

Kamtschatka: Wechselbäder für das Militär

Auf Kamtschatka kann man unter freiem Himmel in den Thermalquellen baden. Foto: Lew Garkawyj / RIA Novosti

Kamtschatka in Russlands Fernem Osten ist für seine schlafenden und aktiven Vulkane, für Wildlachs, Braunbären und Riesenkrabben bekannt. Hier befindet sich auch Paratunka, eine Art Oase inmitten tiefverschneiter Bergketten. Paratunka heißen ein Fluss und eine Siedlung etwa 70 Kilometer von Petropawlowsk-Kamtschatskij entfernt, der Hauptstadt der Halbinselregion. Das älteste Sanatorium des Ortes mit seinen berühmten heißen Quellen wurde ohne überflüssigen Prunk in der

Stalinzeit erbaut und Paratunka genannt. Anfänglich war ein Urlaub hier nur der sowjetischen Militärelite vorbehalten: U-Boot-Offiziere, Piloten, Kosmonauten. Später konnten auch werktätige Normalsterbliche eine Erholungsreise zu den Thermalbädern ergattern. 

Paratunka wird vom Erdinneren beheizt: Die heißen Quellen schießen mit einer Temperatur von bis zu 90 Grad aus dem Boden. Selbst im Winter, wenn ganz Kamtschatka meterhoch von Schnee bedeckt ist (und Schnee gibt es wirklich im Überfluss, sodass Straßen und Wege von zwei bis drei Meter hohen Schneewänden begrenzt werden), kann man unter freiem Himmel in den Thermalquellen baden. Besonders gesund und auch erheiternd sind die Wechselbäder: aus dem Schwimmbecken in den Schnee und zurück. 

Heute nennt sich die ganze Gegend Paratunka – der Ort, der Fluss, die Thermalquellen und die zahlreichen Erholungsheime, Sanatorien und Hotels. Insgesamt sind es etwa 30 an der Zahl. Mit dem Bus, Taxi oder Hubschrauber sind sie vom Flughafen Elisowo nahe Petropawlowsk-Kamtschatskij zu erreichen.

 

Altai-Therme

Während der Wasser-Behandlung in einem sowjetischen Sanatorium im Altai. Foto: Wiktor Tschernow / RIA Novosti

Die traditionsreiche Kurstadt Belakuricha, von Thermalquellen des Altaigebirges umgeben, ist als balneologischer Kurort in Sibirien seit den 1960er Jahren von Touristen sehr geschätzt. Früher kam man hierhin wegen des Mineralwassers, des milden Klimas und der gesundheitsfördernden Bergluft. Heute ziehen die Spa-Behandlungen, die Skipisten und die französische Küche in den Restaurants die Menschen an. Aus einem Forschungszentrum der Russischen Akademie der Wissenschaften mit Polikliniken und dampfenden Heilquellen entwickelte Belakuricha sich zu einem Erholungsnetzwerk, das nicht nur für jeden Geldbeutel etwas zu bieten hat, sondern es auch ermöglicht, Heilung, Genesung und Erholung im Altai individuell auf die Bedürfnisse der Besucher abzustimmen. An die 100 000 Erholungssuchende kommen jedes Jahr in den Kurort, weswegen Belakuricha auch als sibirisches Davos bekannt ist.

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