Von Moskau in die Umgebung: Russlands Unesco-Welterbe

Die Basilius-Kathedrale am Roten Platz.

Die Basilius-Kathedrale am Roten Platz.

Lori/Legion Media
Entdecken Sie per Mausklick einige der weltweit größten Denkmäler der Architektur in Russlands Hauptstadt und ihrer Umgebung. Die Orte stellen Meilensteine des historischen, religiösen und kulturellen Erbes von Russland dar.

In dieser Serie führt RBTH seine Leser zu den Natur- und Kulturwundern, die Russlands 26 Unesco-Welterbestätten von Ost nach West bilden. Das Welterbestätten-Programm der Unesco will natürliche und kulturelle Wahrzeichen von globaler Bedeutung bewahren. Wir haben den eurasischen Kontinent schon beinahe vollständig abgewandert. Teil fünf der Serie ist den Welterbestätten in Moskau und seinem Umland gewidmet. 

Kreml und Roter Platz, Moskau (1990)

Foto: Shutterstock/Legion Media

Wenn irgendeine Stätte der Russland-Liste der Unesco keiner Einführung bedarf, dann diese. Russlands berühmtester Ort wird mit seinen majestätischen Toren, turmhohen Kuppeln, kunstvoll gestalteten Sinnbildern und dem sagenumwobenen Glockenturm mit Turmuhr keine Erwartungen enttäuschen. Als Zentrum der russischen Macht vom 13. Jahrhundert bis zur Gründung von Sankt Petersburg Anfang des 18. Jahrhunderts war der Kreml ein bedeutendes religiöses Zentrum und Residenz des russischen Großfürsten. Die meisten Objekte entstanden aus einer Zusammenarbeit ausländischer und heimischer Architekten vom 14. bis zum 17. Jahrhundert und sollten die Betrachter beeindrucken. Sie haben ihre imposante Wirkung bis heute erhalten. Dieser Ort ist mit architektonischen, historischen und religiösen Wunderwerken dicht bestückt. Ein Tag dürfte für seine Besichtigung kaum reichen, auch wenn viele das versuchen.

Die Basilius-Kathedrale, die den Roten Platz architektonisch beherrscht, ist mit ihren in den Himmel ragenden bunten Zwiebeltürmen vielleicht Russlands bekanntestes Wahrzeichen. Die Türme wurden einem Lagerfeuer nachempfunden. Iwan der Schreckliche ließ Mitte des 15. Jahrhunderts dieses Bauwerk, einst das höchste von Moskau, errichten, um den militärischen Siegen über Astrachan und Kasan ein Denkmal zu setzen. Der Rote Platz trennt das bauliche Ensemble des Kremls vom Rest der Stadt. Er gilt als Moskaus wichtigster Platz. Hier laufen alle Straßen der Altstadt zusammen.

Die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale wurde im späten 15. Jahrhundert errichtet und diente dem Zaren als Hauskirche. Sie ist das Werk eines russischen Architektenteams und weicht daher im Stil von den beiden anderen orthodoxen Kathedralen des Kremls ab, die nach italienischen Entwürfen gebaut wurden. Die Fassade der Kathedrale ist aus weißem Kalkstein, neun goldene Kuppeln verleihen dem Kirchenbau seine charakteristische Wirkung. Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, geweiht im Jahr 1479, war von 1547 bis 1896 Ort der Zaren-Krönung. Viele berühmte Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche wurden hier beigesetzt. Die Erzengel-Michael-Kathedrale, im Jahr 1508 fertiggestellt, diente als Ort militärischer Siegesfeiern und bis zur Regentschaft von Peter dem Großen als Begräbnisstätte russischer Zaren und Großfürsten.

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Neben zahlreichen anderen historischen Orten befinden sich hier der Glockenturm Iwan der Große, der als exaktes Zentrum von Moskau gilt, der Große Kremlpalast mit seiner Hauskirche Gottesmutter-Geburtskirche und dem Terem-Palast, der Rüstkammer und dem Zeughaus.

Dreifaltigkeitskloster von Sergijew Possad (1993)

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Das etwa 70 Kilometer nordöstlich von Moskau, auf dem Weg nach Jaroslawl gelegene Serijew Possad wurde als bemerkenswertes Beispiel eines aktiven Klosters in die Unesco-Liste aufgenommen. In seiner Hauptkirche, die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, befindet sich die Grabstätte von Boris Godunow, dem ersten Herrscher nach dem Ende der Dynastie der Rurikiden. Sein Tod im Jahr 1605 leitete die Zeit der Wirren ein, eine Epoche großen nationalen Chaos. Hier befindet sich auch die Ikone der Dreifaltigkeit, das wohl berühmteste Werk von Andrei Rubljow, das Maßstäbe setzte für die Ikonografie des gesamten orthodoxen Glaubens.

Während das Kloster ursprünglich in den 1330er-Jahren gegründet wurde, entstanden seine heutigen Strukturen zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert. Sie sind weitgehend von dem Charakter der klösterlichen Wehranlagen jener Zeit geprägt. Sergejew Possad war ein wichtiger Bestandteil des Moskauer Verteidigungssystems, das seit Mitte des 16. Jahrhunderts auch mit Festungsanlagen ausgestattet war. 

Christi-Himmelfahrts-Kirche, Kolomenskoje (1994)

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Die Kirche wurde auf einem Landsitz der Moskauer Herrscher in der Nähe von Moskau im Jahr 1532 erbaut – heute befindet sie sich innerhalb der Moskauer Stadtgrenzen –, um der Geburt des Thronfolgers zu gedenken, des späteren Zaren Iwan des Schrecklichen. Das Bauwerk dürfte auch heute noch den Fokus der Aufmerksamkeit der Besucher von Kolomenskoje bilden, damals aber war es schier revolutionär: Es war Russlands erster zeltförmiger Kirchenbau in Stein und von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der orthodoxen Architektur auf dem Weg zu einer Art russisch-nationalem Stil. Die Kirche mit nur einer kleinen Kuppel stellte einen markanten Bruch mit der herkömmlichen Kirchenbauweise dar, die fünf Kuppeln auf vier Pfeilern vorsah. Ihre Wände sind mehrere Meter dick, die hohen Decken aber verleihen der Kathedrale eine großzügige Wirkung.

Nowodewitschi-Kloster (2004)

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Das im Moskauer Barockstil im 16. und 17. Jahrhundert im Südwesten von Moskau erbaute Kloster fügte sich in eine Reihe ähnlicher strategischer Bollwerke, die die Stadt vor feindlicher Invasion schützen sollte. Großfürst Wassili III. hatte es in den 1520er-Jahren errichten lassen, um die Rückeroberung der Stadt Smolensk und seine Eingliederung in das Moskauer Reich zu feiern. Die Innenräume des Klosters sind berühmt für seine edlen Fresken, die als schönste Wand- und Deckenmalereien Moskaus gelten. Das Ensemble umfasst zahlreiche Kirchen, die 1524 bis 1525 fertiggestellte Smolensker Kathedrale mit ihren fünf Kuppeln jedoch ist die bekannteste. Ihr 72 Meter hoher Glockenturm war das höchste Bauwerk im Moskau des 18. Jahrhunderts.

Das Kloster ist Schauplatz in einigen großen Arbeiten von Lew Tolstoi, es spielte außerdem eine historische Rolle in der Niederlage Napoleons im Jahr 1812. Dieser hatte erfolglos versucht, das Kloster zu sprengen. Das Gelände diente bis 1917 auch als Nebenresidenz des Zaren und wurde von den weiblichen Angehörigen der Zarenfamilie genutzt. Eine Reihe enger Verwandter des Zaren wurde auf dem Klosterfriedhof beigesetzt. Heute haben dort viele namhafte Persönlichkeiten der russischen Geschichte ihre letzte Ruhestätte, unter anderem Anton Tschechow, Ljubow Orlowa, Sergei Eisenstein,Nikita Chruschtschow, Soja Kosmodemjanskaja, Michail Bulgakow, Juri Nikulin und Boris Jelzin.

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