Eiskalt und unvergesslich: Die fünf frostigsten Städte Russlands

Die kalte Stadt Dudinka ist für die Rentierrennen bekannt.

Die kalte Stadt Dudinka ist für die Rentierrennen bekannt.

Sevolen.ru
Temperaturen von minus 30 Grad Celsius? In einigen russischen Orten ist das im Winter geradezu mildes Wetter. Ziehen Sie sich warm an und begleiten Sie uns in fünf der kältesten Städte Russlands.

Das Leben im Norden Sibiriens gleicht einem ewigen Winter. Unter den Füßen knirscht der Schnee, die Polarnächte sind lang und dunkel. Am Tag schweift der Blick über die zugefrorenen Buchten Walenki und Unty. Warme Stiefel aus Filz und Pelz sind unverzichtbare Begleiter in dieser Region, in der auch diese fünf eiskalten russischen Städte liegen.

Jakutsk: Mammuts und Diamanten

Foto: RIA Nowosti/Anatoli Falamow

„Bei meiner Ankunft am Flughafen in Jakutsk fühlte ich mich so, also ob mich Hunderte Blicke durchbohren würden. Und das nicht etwa wegen meines Aussehens, sondern, ich glaube, weil die Menschen dort sehen wollten, wie der einzige ‚Tourist‘ angezogen war, um jener Kälte zu trotzen, mit der die Menschen aus dieser Gegend täglich zu kämpfen haben“, schreibt der schweizerische Fotograf Steeve Iuncker über eine Fotoreise nach Jakutsk. Tatsächlich sollte man nicht ohne eine gute wintertaugliche Ausrüstung dorthin fahren. Denn 4 880 Kilometer von Russlands Hauptstadt Moskau entfernt ist es kalt. Richtig kalt. Die Durchschnittstemperatur in der Hauptstadt der Republik Sacha liegt zwischen minus 40 und minus 50 Grad Celsius. Die tiefste hier je gemessene Temperatur war minus 64 Grad.

Trotz der extremen Lebensbedingungen wohnen in der Stadt der Diamanten, der typischen Pfahlbauten, die in den Permafrostboden gerammt wurden, und der Mammuts rund 300 000 Menschen. Und die haben kreative Ideen, damit ihnen warm wird, zumindest ums Herz: Ein Pärchen aus Jakutsk hält den Rekord des längsten Kusses bei minus 30 Grad Celsius: immerhin 22 Minuten.

Wer Jakutsk unbedingt im Winter besichtigen will, dem empfiehlt sich eine Museumstour. Als erste Station bietet sich das Mammut-Museum an, wo gigantische Skelette gezeigt werden. Weiter geht es zum Museum des ewigen Eises. Dort erfährt man alles Wissenswerte rund um gefrorenes Wasser. Anschließend machen Sie sich auf den Weg ins Maultrommel-Museum der Weltvölker. Zum Abschluss sollte man noch einen Abstecher in einen Juwelierladen machen und vielleicht einen Diamanten kaufen, bevor man den Tag in einem Restaurant bei einem köstlichen Stück frischer Maräne, Hirsch- oder Pferdefleisch ausklingen lässt. Stilecht und der Witterung angemessen gekleidet sind Sie mit Warenki, den russischen Gummistiefeln.

Norilsk: Wertvoller Boden

Foto: Anna Grusdewa

 

Norilsk im Norden der Region Krasnojarsk liegt rund 2 878 Kilometer von Moskau entfernt. Der Ort ist sehr begehrt wegen seiner Bodenschätze. Hier werden Palladium, Platin, Gold, Silber, Nickel, Kobalt und Kupfer abgebaut. Die Temperaturen liegen im Winter um die minus 30 Grad, steigen aber im Sommer auf bis zu plus 30 Grad Celsius an. Außer Bodenschätze hat die schöne und interessante Stadt Norilsk aber noch einiges mehr zu bieten.

Bei einem Spaziergang durch die Stadt sollte man unbedingt das Heimatkundemuseum besuchen und dort die erhalten gebliebenen Briefe von Häftlingen des Arbeitslagers in Norilsk durchlesen. Zu sehen gibt es auch seltene Fundstücke wie Kleidung von Schamanen, Ewenken oder Nganasanen. Um sich nach einem so kalten Spaziergang zu stärken, empfehlen sich Pelmeni mit Hirschfleisch. Und dazu genießen Sie am besten die im vergangenen Jahr von World Press Photo ausgezeichnete Fotostrecke von Elena Tschernyschowa „Days of Night – Nights of Day“.

Dikson: Die Hauptstadt der Arktis

Foto: Lori/Legion-Media

 

Dikson ist die nördlichste Ortschaft Russlands. Auch Dikson liegt in der Region Krasnojarsk, genauer an der Küste der Karasee – etwa 2 729 Kilometer von Moskau entfernt. Schon in der Sowjetunion wurde der Ort die „Hauptstadt der Arktis“ genannt. Damals befand sich hier der größte Hafen Russlands. Wer sich Dikson anschauen möchte, sollte das besser im Sommer machen. Denn dann lässt sich die Stadt bequem per Boot über den Fluss Jenissei erreichen.

Das Klima in Dikson ist rauer als in Norilsk: Die Polarnächte sind pechschwarz und die permanenten Minusgrade beginnen schon im September. Wer darauf wartet, dass der Schnee schmilzt, muss sich meistens bis Juni – manchmal sogar noch länger – gedulden. Skisportveranstaltungen finden hier noch bis in den Mai hinein statt.

Ein weltweit einzigartiges Klimaphänomen sind die „schwarzen Schneestürme“ mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 40 Metern pro Sekunde. Oft arten diese Stürme auch in Orkane aus. Dann, so sagen die Bewohner der Stadt, fliegen hier sogar Haushunde und Fässer, von denen es an der Küste sehr viele gibt, durch die Lüfte. Trotz des rauen Klimas kann man in dieser Stadt die Arktis in ihrer vollen Pracht erleben: Die Kraft der Karasee ist spürbar und es gibt Belugawale, Walrösser und die Polarlichter zu bestaunen.

Werchojansk: Der kälteste Ort der Menschheit

Foto: TASS/Denis Kozhewnikow

 

In der kleinen Ortschaft Werchojansk, die 4 675 Kilometer von Moskau entfernt liegt, leben etwas mehr als 1 000 Menschen. Die Ortschaft ist zudem dafür bekannt, dass Meteorologen und andere Wissenschaftler immer noch darüber streiten, welche der beiden Orte der wahre Kältepol aller bewohnten Gebiete der Erde ist – Werchojansk oder Oimjakon. Beide Städte liegen in Jakutien. Den Bewohnern der beiden abgelegenen Städte ist dieser Streit ziemlich egal, denn zwei oder drei Grad ändern nichts an der Tatsache, dass es im Winter einfach eiskalt ist – der Rekord der Stadt Werchojansk liegt bei minus 69,8 Grad Celsius.

Deswegen ist auch nicht erstaunlich, dass man nach Werchojansk im 19. Jahrhundert alle Revolutionäre, Aufständischen und Dekabristen verbannte. In den beiden Ortschaften lebte beispielsweise Wacław Sieroszewski, ein polnisch-russischer Ethnograf und Sibirienforscher, zwölf Jahre lang in der Verbannung. Doch unterkriegen ließ sich Sieroszewski davon nicht. Er heiratete eine Jakutin, nahm ethnografische Forschungen auf und schrieb sein Werk „Die Jakuten. Der Versuch einer ethnografischen Untersuchung“. Was sollte man auch sonst in den langen Polarnächten dieser Region machen?

Dudinka: Hochburg der Rentiere

Foto: Anton Petrow

 

Wer die 2 801 Kilometer lange Reise von Moskau nach Dudinka wagen möchte, der sollte sich auf keinen Fall den offiziellen Tag der Rentierzucht entgehen lassen. Dieser Festtag findet jedes Jahr im März in Dudinka und den benachbarten Siedlungen Syndassko, Potapowo und Popigaj statt. An diesem meist eiskalten Tag kleiden sich die Nenzen, Ewenken, Dolganen, Nganasanen und Enzen in ihren schönsten Nationaltrachten und veranstalten Rentierrennen. Ein derartiges Spektakel sieht man sonst nirgendwo auf der Welt, leben diese indigenen, nomadischen Völker doch nur in den abgelegenen Gebieten der Tundra.

Doch Dudinka ist nicht nur für die Rentierrennen bekannt. Hier kann man sich außerdem in der Werkstatt Mukustur und im Haus der Volkskunst prachtvolle, mit nationalen Mustern bestickte Stiefel aus Rentierfell kaufen, deren Qualität im rauen Klima der Region praxiserprobt ist. Wie in Jakutsk gibt es auch in Dudinka wunderschönen und einzigartigen Schmuck, etwa Broschen und andere wertvolle Gegenstände, aus Mammutelfenbein zu kaufen. Sie erinnern auch dann noch an die kalten Weiten, wenn man schon längst wieder zu Hause im Warmen sitzt.

Die Top-Sechs-Aktivitäten, wenn es in Russland kalt ist

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