Baikonur-Touren: Der Staat guckt mit

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Bislang konnten Reiseveranstalter Ausflüge zum Weltraumbahnhof Baikonur nur über Beziehungen anbieten. Russlands Raumfahrtbehörde will das ändern – und die Reisen unter ihre Kontrolle stellen. Geboten werden atemberaubende Raketenstarts und ein vielseitiges Rahmenprogramm.

Ausflüge zum russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan werden bald von höchster Ebene kontrolliert: Roskosmos, die wichtigste Raumfahrtbehörde Russlands, bestimmt im Dezember Reiseveranstalter, die eine Lizenz für die Organisation von Touren nach Baikonur erhalten. Laut Igor Burenkow, einem Sprecher von Roskosmos, will die Behörde selbst keine touristischen Dienstleistungen erbringen. Ihre Aufgaben beschränkten sich auf die Bereitstellung der erforderlichen Infrastruktur und die Zeitplanung der Touren.

So soll es für Reiseveranstalter leichter werden, Gruppenreisen zum Raketenstartplatz zu organisieren. Roskosmos erhält die Möglichkeit, die Daten ausländischer Besucher kontinuierlich überprüfen zu können. Baikonur zählte schließlich einst zu den Top-Secret-Objekten der UdSSR und ist auch heute noch ein wichtiger strategischer Standort der russischen Luft- und Weltraumkräfte.

Staatlich kontrolliert statt privat organisiert

Zum weltweit bedeutendsten Weltraumbahnhof, was die Zahl der Raketenstarts betrifft, gelangten bisher nur Reiseveranstalter, die persönliche Beziehungen zu Vertretern von Roskosmos unterhielten oder Verträge mit Unternehmen abgeschlossen hatten, die an der technischen Umsetzung der Raketenstarts beteiligt waren. Nach Angaben der Mediengruppe RBK bieten heute etwa zehn Reiseveranstalter Touren zum Baikonur an. Auch ausländische Unternehmen verkaufen solche Reisen, treten aber nicht als Veranstalter auf.

Eines der beliebtesten Programmangebote für Touristen ist das Miterleben bemannter Raketenstarts aus nächster Nähe. Raketen mit Raumfahrern an Bord starten vier Mal im Jahr. Daneben werden auch Lasten-Raumschiffe ins All geschossen. Die allerdings seien bei Touristen weniger gefragt, sagt Tatjana Awgustinowitsch, Projektmanagerin der Spaceport Travel Agency (STA).

Ein solches Erlebnis kostet für ausländische Reisende 4 500 bis 5 000 US-Dollar (4 100 bis 4 600 Euro), für Russen 90 000 bis 95 000 Rubel (etwa 1 200 Euro). „Der genaue Betrag hängt von den Hotelpreisen ab. Es kann immer passieren, dass die Übernachtungskosten zu Zeiten bemannter Raketenstarts teurer werden“, erklärt Awgustinowitsch. Die von Roskosmos geplante Liste an Reiseveranstaltern werde weder die Preise noch die Formalitäten rund um eine solche Reise beeinflussen. Sie soll den gesamten Prozess lediglich transparenter machen. 

Für einen Besuch des Kosmodroms benötigen Ausländer ein russisches Visum. Die Bearbeitung eines entsprechenden Antrags dauert über zwei Monate. Die Unterlagen müssen daher mindestens 60 Tage vor der Reise eingereicht werden. Während des Besuchs des Kosmodroms wird eine Reisegruppe von einem Roskosmos-Vertreter begleitet. Früher erhielten die Gäste selbst einen VIP-Ausweis und gelangten quasi als Angehörige einer Delegation zum Startplatz. Ob die Initiative von Roskosmos daran etwas ändern wird, sei noch ungewiss, meint Ksenia Nikitonowa von Vegitel-Tours.

„Die Rakete sah sagenhaft schön aus“

Wie Reiseveranstalter berichten, sind Touren nach Baikonur weltweit sehr gefragt. Jede Gruppe besteht, so Nikitonowa, etwa zur Hälfte aus Ausländern. „Manchmal sind es auch 90 Prozent“, bemerkt die Expertin. „Die Touristen kommen aus den USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz, aus Japan, Indien und Australien“, fügt sie hinzu. STA hat zudem eine zunehmende Nachfrage von Touristen aus China festgestellt, wie Tatjana Awgustinowitsch ergänzt.

Die 35-jährige US-Amerikanerin Anne-Marie Corley aus dem texanischen Dallas hat den russischen Weltraumbahnhof bereits besucht. Sie erinnert sich mit Begeisterung an einen Raketenstart, den sie 2011 miterlebt hat. „Wir waren ganz nah dran und es war wirklich unglaublich zu sehen, wie diese gigantische Rakete in die Luft steigt! Der Start fand nachts statt, im Dunkeln sah die Rakete sagenhaft schön aus“, erzählt sie und fügt hinzu: „Ich erinnere mich, dass es sehr kalt war. Aber das hat uns nichts ausgemacht.“

Der Raketenstart war in ein Rahmenprogramm eingebettet, berichtet Corley. Es habe Gelegenheiten geboten, die Kultur vor Ort kennenzulernen, auf Kamelen zu reiten und die Sehenswürdigkeiten von Baikonur zu besuchen. „Ich habe es sehr genossen, mir die Stadt anzusehen. Besonders toll fand ich auch den Besuch eines Schwimmbads, das von den Raumfahrern für ihr Konditionstraining genutzt wird“, hebt die Amerikanerin hervor. Zudem wurde der Sommersitz des berühmten Kosmonauten Juri Gagarin sowie andere bekannte Orte im Herzen der russischen Geschichte der Raumfahrt besucht. Ihr Fazit: „Baikonur ist einen Besuch unbedingt wert!“

Baikonur: Geheimnisse des Weltraumbahnhofs

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