Nikola-Leniwez: Land-Art-Kolonie in der russischen Provinz

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Nicht weit von Moskau liegt Europas größter Landschaftspark – Inspiration für zahlreiche Künstler aus dem In- und Ausland. Wie es dazu kam und warum sich gerade jetzt ein Besuch lohnt.

Die Installation "Bobur" wurde 2013 vom Land-Art-Künstler Nikolai Polisski erbaut. Sie ist eine Anspielung auf das Centre national d’art et de culture Georges-Pompidou in Paris. Die Belüftungsröhre, die auffällig an den Außenseiten des Centre Pompidou angebracht sind, wurden hier zum Hauptmotiv der ganzen Komposition. Pressebild.Die Installation "Bobur" wurde 2013 vom Land-Art-Künstler Nikolai Polisski erbaut. Sie ist eine Anspielung auf das Centre national d’art et de culture Georges-Pompidou in Paris. Die Belüftungsröhre, die auffällig an den Außenseiten des Centre Pompidou angebracht sind, wurden hier zum Hauptmotiv der ganzen Komposition. Pressebild.

Vor 25 Jahren war Nikola-Leniwez noch ein halb verlassenes Dorf im Gebiet Kaluga 220 Kilometer von Moskau entfernt. Es hätte wohl kaum jemand von diesem Ort erfahren, wenn nicht 1994 der Moskauer Künster ­Nikolai Poliss­ki, einer der Begründer der zeitgenössischen russischen Land Art, hierher gezogen wäre. 

Er schickte sich an, massive Kunst­objekte aus den vorhandenen Naturmaterialien – Zweige, Bäume und Tannenzapfen – zu schaffen, 2002 entstand der „Holzkorb“, 2003 der „Mediaturm“ und 2004 der berühmte 18 Meter hohe Leuchtturm am Ugra-Fluss. Die ungewöhnlichen Skulpturen zogen die Aufmerksamkeit anderer Künstler und Szenekenner aus der Hauptstadt auf sich. Und so fand bereits 2006 in ­Nikola-Leniwez das erste Festival für Landschaftsobjekte – Archstojanije – statt und machte das kleine Dorf im gesamten Land bekannt. Im Juli öffnet die Archstojanije zum elften Mal ihre Pforten. 

Kunst und Komfort 

Mitarbeiter von Nikola-Leniwez bei der Aufbau des "Large Hadron Collider" von Nikolai Polisski. Pressebild.Mitarbeiter von Nikola-Leniwez bei der Aufbau des "Large Hadron Collider" von Nikolai Polisski. Pressebild.

Ungeachtet der vielen Kunstfreunde, die sich die beeindruckende Kombination aus surrealen Skulpturen und pastoraler Landschaft ansehen möchten, war Nikola-Leniwez bis vor Kurzem kaum den Besucherströmen ­gewachsen. Übernachtungsmöglich­keiten gab es nur im Zelt und für Lebensmittel musste man in den Nachbarort fahren. Die Situation änderte sich 2010, als der Moskauer Milliardär Maxim Nogotkow Grundstücke im Umland des Dorfes aufkaufte und das Projekt auf kommerzielle Füße stellte. Es gibt nun ein Café, mehrere Künstlerhäuser, einige Hotels, Fahrradverleih, Ferienlager für Kinder, Hos­tel und Campingplatz. Das Festival Archstojanije ist mittlerweile eine internationale Veranstaltung und zieht pro Jahr um die 6000 Besucher an. Zwar zog sich Nogotkow vor zweiJahren aus dem Projekt zurück, Niko­­la-Leniwez hat aber seitdem nichts von seiner touristischen Anziehungskraft verloren: Die Hotels sind auf Monate ausgebucht. 

Was hat Nikola-Leniwez diesen Sommer zu bieten? 

Feldpagode. Die Pagode ist in Harmonie mit der Natur. Per Videomapping werden Bilder auf ihre Oberflu00e4che projiziert.PressebildFeldpagode. Die Pagode ist in Harmonie mit der Natur. Per Videomapping werden Bilder auf ihre Oberflu00e4che projiziert.
Komet. Das Objekt kann durch seine Eigenu00adart erschrecken und jene anziehen, die seinem Geheimnis auf der Spur sind.PressebildKomet. Das Objekt kann durch seine Eigenu00adart erschrecken und jene anziehen, die seinem Geheimnis auf der Spur sind.
Bewohnte Skulptur. Dieses Zufluchtsort wurde aus Polymeren, Kompositen, Polyester und Glasfaser gebaut.\nPressebildBewohnte Skulptur. Dieses Zufluchtsort wurde aus Polymeren, Kompositen, Polyester und Glasfaser gebaut.\n
Bru00fccke. Die Bru00fccke lu00e4sst sich in alle Richtungen verlu00e4ngern und bietet einen perfekten Platz zum Entspannen.PressebildBru00fccke. Die Bru00fccke lu00e4sst sich in alle Richtungen verlu00e4ngern und bietet einen perfekten Platz zum Entspannen.
 
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Heutzutage erstreckt sich Europas größter Landschaftspark über 600 Hektar Felder und Wälder. Auf der ganzen Fläche sind mehrere Dutzend Kunstobjekte zu besichtigen und mit jedem neuen Festival werden es noch mehr. Zu den Residenten gehören über 20 führende Künstler, Architekten und Architekturbüros aus Russland und aus dem Ausland. Der beste Anlass, in die Künstlerkolonie zu kommen, ist zweifellos ein Besuch der Archstojanije (22. – 24. Juli) oder am 4. Juli die Nacht für digitale Kunst und neue Medien. Bei Letzterer kann man übrigens eine Internetshow vor dem Hintergrund der umliegenden Wälder und des Sternenhimmels erleben. 

Der Park ist das ganze Jahr über für Besucher geöffnet und hat eine Reihe touristisch interessanter Sehenswürdigkeiten zu bieten. Allen voran die gigantischen Kunstobjekte, vor denen sich Besucher vorzugsweise fotografieren lassen. Und wer es sportlicher will, erkundet das Gelände per Fahrrad und entspannt sich danach in einer warmen Banja – oder nimmt ein erfrischendes Bad in der Ugra. 

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