Aktionstage in Moskau: Private Villen öffnen ihre Türen

Evgeny Biyatov/RIA Novosti
In diesem Monat hat Moskau eine besondere Sehenswürdigkeit zu bieten: historische Villen, die für gewöhnlich für die Öffentlichkeit geschlossen sind. Für einige Tage sind die architektonischen Perlen zu besichtigen.

Bis Ende Mai richtet Moskau anlässlich der Tage des historischen und kulturellen Erbes mehr als 100 Veranstaltungen aus – darunter öffentliche Vorträge, abenteuerliche Missionen und Touren in sonst unzugängliche historische Gebäude. Ein Highlight in diesem Jahr sind Häuser, in denen heute diplomatische Vertreter anderer Staaten ihre Residenz haben.

1. Ein Haus wie die Eremitage

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Das städtische Anwesen der Familie Morosow (Podsossenski pereulok 21-1) ist eine Villa der Sankt Petersburger Architektur und erinnert an die Eremitage. Hellgrüne Atlanten stützen den Balkon über dem Haupteingang. Der letzte Besitzer des Anwesens, Alexei Morosow, war ein begeisterter Kunstsammler und ließ die Innenausstattung des Anwesens nach seinem Geschmack gestalten. Dazu beauftragte er Fjodor Schechtel, Michail Wrubel und Sergej Konenkow. In den 1920er-Jahren wurde das Eigentum der Kaufleute Morosow verstaatlicht, die Sammlungen aufgelöst und an verschiedene Museen übergeben.

2. Haus mit Theater

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Das Anwesen der Familie Simin (Degtjarni pereulok 8-3) wurde im Jahr 1896 von dem Architekten Edmund Judizki entworfen. Dieses Gebäude gilt als eines der am besten erhaltenen Häuser aus dem ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Der Auftrag kam von Nikolai Simin, einem Tabakproduzenten. Das Anwesen wurde im Stil des späten Historismus errichtet. Seine Fassade ist geschmückt mit Risalit und toskanischen Säulen. Im Haus ist ein eigenes Theater untergebracht. In den 1920er-Jahren beherbergte das ehemalige Haus der Familie Simin die Verwaltung der kommunistischen Universität J. M. Swerdlow. Bis 2015 war es Sitz des Gerassimow-Instituts für Kinematographie.

3. Das Anwesen, in dem Schaljapin sang

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Das städtische Anwesen von Wassiltschikowa, Obolenski und von Meck (Gogolski bulwar 14-1) wurde in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts im Barockstil errichtet. Damals bildete es eines der musikalischen Zentren Moskaus. Berühmtheiten wie Fjodor Schaljapin, Sergej Rachmaninow oder Alexander Glasunow waren hier zu Gast. Zu Sowjetzeiten beherbergte das Haus den obersten Gerichtshof, später war es ein Wohnhaus für politische Migranten. Seit 1956 ist das Anwesen Treffpunkt der russischen Schachwelt.

4. Kathedrale ohne Säulen

Die Alte Kathedrale (Donskaja ploschad 1-19) befindet sich mitten im südlichen Teil des Donskoi-Klosters. Erbaut wurde sie zwischen 1591 und 1593, vermutlich von dem Moskauer Architekten Fjodor Kon. Typische Elemente wie Säulen gibt es im Inneren der Kirche nicht – sowohl das Gewölbe als auch die Kuppel werden allein von den äußeren Wänden getragen. Diese Architektur war für das 16. Jahrhundert einzigartig – Kathedralen ohne Säulen gab es damals sonst nicht. Bis vor Kurzem war die Kathedrale für die Öffentlichkeit schwer zugänglich. Gottesdienste finden überwiegend in der Großen Kathedrale des Donskoi-Klosters statt. „Die Kleine“, wie die Alte Kathedrale auch genannt wird, konnte man nur an bedeutenden kirchlichen Feiertagen besuchen.

5. Europäischer Barock im Zentrum Moskaus

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Das Anwesen des Duma-Schriftführers Awerki Kirillow (Bersenewskaja nabereschnaja 20) ist ein kleineres rotes Gebäude, das mit weißer Verzierung an der Fassade und einem Zwischengeschoss im Barockstil alle Blicke auf sich zieht. Historiker glauben, dass das Holzhaus mit seinem Erdgeschoss aus Stein bereits seit dem 15. oder 16. Jahrhundert existiert. Doch erst seit dem 17. Jahrhundert lassen sich die Eigentümer nachweisen. Das Architekturensemble, das bis heute erhalten ist, entstand unter dem letzten Besitzer aus der Familie Kirillow, eben jenem Duma-Schriftführer. Seit 1870 gehört dieses Haus zum Zentrum für den Schutz des kulturellen Erbes in Russland. Hier entstand die Kaiserliche Archäologische Gesellschaft. Heute hat das Russische Institut für Kulturforschung hier seinen Sitz.

Die Touren finden bis 30. Mai zweimal die Woche statt und sind kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich.

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