Zenit, Anschí und ZSKA im Kampf um den Titel

ZSKA Moskau ist nach dem Halbsaison an der Tabellenspitze. Auf dem Bild: Die ZSKA-Spieler Alan Dsagojew,Keisuke Honda und Ahmed Musa. Foto: RIA Novosti

ZSKA Moskau ist nach dem Halbsaison an der Tabellenspitze. Auf dem Bild: Die ZSKA-Spieler Alan Dsagojew,Keisuke Honda und Ahmed Musa. Foto: RIA Novosti

Am 8. März beginnt in Russland die Rückrunde der Fußballmeisterschaft. Den russischen Vereinen, die ihre Teams in der Winterpause zum Teil spektakulär verstärkt haben, steht die entscheidende Phase um die Meisterschaft bevor.

Die Meisterschaft der Saison 2012/13 in Russland geht ihrem Finale entgegen: Nach der langen Winterpause, die in Russland aufgrund des harten Winters sogar länger als die Pause zwischen der alten und der neuen Saison ist, werden die besten Vereine des Landes wieder um die Meisterschaftsschale kämpfen. Zu den Titelanwärtern dieses Jahr gehören der Moskauer ZSKA, Anschí aus Machatschkala und der St. Petersburger Zenit.

Die Herbstperiode der Meisterschaft zeichnete sich durch markante und sehenswerte Spiele, aber auch durch spektakuläre Skandale aus. Am

häufigsten im vergangenen russischen Fußballherbst füllte Zenit die Titelseiten der Boulevardpresse. Den St. Petersburger Verein sahen viele Experten als Favoriten für den Meistertitel. Als größte Vorzüge der Mannschaft wurden das eingespielte und erfahrene Team, der europäische Trainer und die finanzielle Unterstützung durch den Sponsor Gazprom angesehen.

Diesmal jedoch bereitete gerade das Geld Zenit Probleme. Vor Saisonbeginn erwarb der St. Petersburger Verein zwei Fußballstars: den brasilianischen Stürmer Hulk vom FC Porto und den belgischen Mittelfeldspieler Axel Witsel von Benfica Lissabon. Für die beiden Spieler wurde die, nicht nur für russische Verhältnisse, rekordverdächtige Ablösesumme von 95 Millionen Euro gezahlt.

Die astronomischen Gehälter der Neuzugänge stießen bei den russischen Mitspielern der Mannschaft auf wenig Verständnis: Der Kapitän von Zenit und der russischen Nationalmannschaft Igor Denisow weigerte sich als Zeichen des Protests gegen die – seiner Meinung nach – ungerechte Verteilung des Geldes im Verein, bei der Begegnung mit Krylja Sowjetow aufzulaufen, wofür er vom Trainer Luciano Spalletti auf die Ersatzbank verbannt wurde. Und ungeachtet dessen, dass Denisow sich bald darauf für sein Verhalten entschuldigte und er in die A-Auswahl zurückgeholt wurde, war die Atmosphäre in der Mannschaft eindeutig gestört.

Die internen Auseinandersetzungen hielten Zenit wohl davon ab, sein volles Leistungsvermögen zu zeigen, was einen wenig überzeugenden Auftritt sowohl in der Meisterschaft als auch in der Champions League zur Folge hatte. „Honoriert" wurde das Ganze mit einem dritten Platz zur Winterpause und einem Scheitern in der Champions League – das entsprach eindeutig nicht den Erwartungen der Geschäftsführung des Vereins vom Newa-Ufer.

Im Frühjahr wird Zenit nun erneut unter Beweis stellen müssen, dass es einen Anspruch auf den Status eines europäischen Top-Vereins hat. Die Chancen auf den Titel bestehen immer noch, es sind nur fünf Punkte Rückstand auf ZSKA.

Den Zoff bei Zenit machte sich Anschí aus Machatschkala zu Nutzen. Die Mannschaft hat sich mittlerweile auch in Europa einen Namen gemacht. Unter der Führung Guus Hiddinks, der vor Kurzem noch die Nationalmannschaft Russlands trainierte, boten sie in der Vorrunde eine äußert überzeugende Leistung. Der Verein zeigte zwischendurch keine Schwächen und vermied es, Punkte in den Begegnungen mit den „Kellermannschaften" der Liga abzugeben. Das wurde mit einem zweiten Platz in der Tabelle und realen Chancen auf den Gewinn der Meisterschaft belohnt.

Der Sieg in den beiden Begegnungen gegen Hannover 96 in der Zwischenrunde der Europa League im Februar unterstreicht die Leistungsfähigkeit der Mannschaft, die aufgrund der Sicherheitslage im fernen Dagestan ihren Stützpunkt in der Nähe von Moskau hat. Ungeachtet dessen, dass der Verein seinen Innenverteidiger Christopher Samba verloren hat, ist Hiddinks Kader immer noch ausreichend stark. Zur Unterstützung der internationalen Stars Samuel Eto'o und Lassana Diarra konnte der Verein den Mittelfeldspieler Willian von Schachtjor Donezk kaufen. Der Brasilianer, für den Anschí 35 Millionen Euro auf den Tisch legen musste, ist dazu berufen, die ohnehin schlagkräftige Angriffsformation der Mannschaft zu verstärken.

Als lachender Dritter erwies sich etwas unerwartet der Moskauer ZSKA. Der russische Trainer Leonid Sluzkij konnte das Maximum aus seiner Mannschaft herausholen und erreichte die Herbstmeisterschaft, auch wenn das Team mit einer Vielzahl Verletzungen zu kämpfen hatte. So musste der Armeeverein bereits zu Saisonbeginn auf alle seine Stürmer verzichten. Sluzkij war gezwungen, den nigerianischen Mittelfeldspieler Ahmed Musa im Angriff einzusetzen. Der kam mit der neuen Rolle aber ausgezeichnet zurecht und schoss acht Tore in 19 Spielen.

Die treibende Kraft der Mannschaft war jedoch Keisuke Honda, Japans Star-Nationalspieler. Während Alan Dsagojew, das größte russische Talent, eine in Teilen noch unreife Spielweise an den Tage legte, war es gerade eben Honda, der die Zügel in die Hand nahm. Er schoss Tore, bereitete Treffer vor, schuf eine Vielzahl günstiger Situationen und war der effektivste Spieler auf dem Platz. Auch die Verteidigung wurde ihren Aufgaben gerecht sowie auch der Torhüter Igor Akinfejew. In der Herbstsaison kassierte ZSKA im Durchschnitt weniger als ein Gegentor pro Spiel.

Während der Winterpause versuchte die Vereinsführung von ZSKA ihr größtes Problem zu lösen – den schwachen Angriff. Schlussendlich kehrte Vágner Love, der Liebling des Armeevereins, dem brasilianischen Flamengo den Rücken und kehrte nach Moskau zurück. Sein starkes Spiel sicherte ZSKA 2005 den Sieg im UEFA-Cup. Die Rückkehr Vágner Loves gestattet es ZSKA, sich Chancen auf den Meistertitel zu machen, auch wenn die Mannschaft sich dafür noch mächtig anstrengen muss: Der Zweitplatzierte Anschí liegt den Moskauern mit zwei Punkten Rückstand dicht auf den Fersen.

Als großer Verlierer der Herbstmeisterschaft erwies sich Spartak Moskau. Die beliebteste russische Mannschaft vermochte es nicht, seine erfolgreiche Spielweise regelmäßig zu zeigen. Der erst im Sommer verpflichtete Trainer Unai Emery konnte den Erwartungen der Vereinsführung und der Fans nicht gerecht werden, und wurde nach einer Reihe von Niederlagen sowohl in der Meisterschaft als auch in der Champions League gefeuert. Seine Stelle übernahm Walerij Karpin, der die Mannschaft bereits in der letzten Saison trainiert hatte.

Während der Winterpause ergänzte Spartak seinen Kader durch den italienischen Verteidiger Salvatore Bocchetti, der bisher bei Rubin Kasan gespielt hat, sowie den besten Mittelfeldspieler des Kiewer Dynamo, den Kroaten Ognjen Vukojević. Die Neuzugänge haben die Aufgabe, die Verteidigung der Rot-Weißen zu stärken. Das ist auch bitter nötig, schloss der Verein die Herbstmeisterschaft doch mit 30 Gegentoren in 19 Begegnungen ab – zu viel für eine Mannschaft, die sich solch hohe Ziele gesteckt hat.

Chancen auf den Titel hat auch noch Lokomotive aus Moskau, die vor Saisonbeginn den äußerst vielversprechenden kroatischen Trainer Slaven Bilić gewinnen konnten. Aber auch Rubin Kasan kann sich noch Hoffnungen machen. Der Verein vollzog in diesem Winter den in Russland wohl spektakulärsten Transfer, indem er Stade Rennes' Mittelfeldstar und französischen Nationalspieler Yann M'Vila kaufte. Mit dem talentierten 23-Jährigen hat Rubin noch Größeres vor. Jedoch muss er seiner neuen Mannschaft im März erst einmal bei der Aufholjagd helfen: Der Rückstand zum Tabellenersten beträgt elf Punkte, eine anspruchsvolle Aufgabe.

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