Gelbe Karte für Hiddink, Bilic und Co.

 Der Präsident des Russischen Fußballverbands Nikolai Tolstych. Foto: RIA Novosti

Der Präsident des Russischen Fußballverbands Nikolai Tolstych. Foto: RIA Novosti

Ab der kommenden Saison wird von russischen Fußballklubs, die einen ausländischen Trainer beschäftigen, eine Sonderabgabe erhoben. In der russischen Fußball-Öffentlichkeit stößt die Neuregelung auf Kritik, Vertreter von Klubs und Experten sprechen von einer „Strafabgabe“.

Das Exekutivkomitee des Russischen Fußballverbands (RFS) fasste am 5. April eine für den russischen Fußball weitreichende Entscheidung: Ab der nächsten Saison werden alle Klubs der Premjer-Liga, die einen ausländischen Trainer beschäftigen, eine Sonderabgabe in Höhe von etwa

123 000 Euro entrichten müssen. Derzeit betrifft das sieben der 16 Erstligisten. Zu den ausländischen Trainern in Russland zählen Koryphäen des Weltfußballs wie Luciano Spalletti, Guus Hiddink, Dan Petrescu und Slaven Bilić.

Die aus dieser Abgabe fließenden Mittel sollen für die Nachwuchsförderung und zur Qualifizierung russischer Trainer verwendet werden. Von der Neuregelung ausgenommen sind Trainer, die vor der Saison 2013/14 unter Vertrag genommen wurden. „Die Abgabe fällt einmalig bei Vertragsabschluss mit dem Trainer an. Sie betrifft nur die Haupttrainer innerhalb des Liga-Systems", erklärte der Präsident des RFS Nikolai Tolstych.

Der RFS hofft, mit der neu eingeführten Abgabe auf ausländische Trainer, sein angeschlagenes Budget zu sanieren. Tolstychs Vorgänger Sergej Fursenko, der im Sommer vergangenen Jahres sein Amt niederlegte, ließ einen mit rund 18 Millionen Euro verschuldeten Verband zurück. Bis heute hat der RFS keinen Generalsponsor.

Michail Gerschkowitsch, der Vorsitzende der Vereinigung russischer Trainer, auf dessen Initiative das Exekutivkomitee des russischen Fußballverbands die Einführung der Sonderabgabe verabschiedete, setzt nicht nur auf den finanziellen Nutzen der Neuregelung. „Die Idee gab es schon lange. In Russland sind mehr als 50 hochqualifizierte Trainer mit PRO-Lizenz ohne Vertrag, die Premjer-Liga hat derweil zunehmend Profis aus dem Ausland angeworben. Die Politik unseres Staates zielt auf den Schutz der heimischen Produzenten. Meine Initiative wurde heute auf einer Sitzung des Exekutivkomitees des RFS einstimmig angenommen – dieses Ergebnis spricht wohl für sich."

Die Reaktionen der russischen Fußball-Öffentlichkeit auf die Initiative des RFS sind gespalten. Der Verwaltungsratschef von Anschi Machatschkala Konstantin Remtschukow erklärte gegenüber der Zeitung „Kommersant", der Beschluss des RFS habe den „Beigeschmack sowjetischer Zwangsabgaben" und könne als eine Art „Strafmaßnahme" angesehen werden. „Wenn wir einen Fußballklub als Wirtschaftsunternehmen verstehen, dann müssen wir alles dafür tun, dieses Unternehmen in jeder Hinsicht zu optimieren. Wenn du zigmillionen Euro für Spieler ausgibst, aber keinen erstklassigen Trainer hast, dann sinkt die Qualität des gesamten Kaders", so Remtschukow.

Sehr kritisch kommentierte die neue Trainer-Abgabe der Präsident und Eigentümer des Klubs Krasnodar, der russische Unternehmer Sergej Galizki, auf Twitter. „Nennen wir diesen Beschluss beim Namen: Er ist ein Zusatzeinkommen für Gerschkowitsch. Unser Klub wird eine solche Abgabe nicht leisten", erklärte Galizki.

Mit Ironie twitterte der für bissige Erklärungen bekannte Mittelfeldspieler der russischen Nationalmannschaft und des Petersburger Klubs Zenit, Roman Schirokow: „Wo bleibt die Abgabe auf ausländische Spieler, warum geht es nur um die Trainer? Und was ist mit den sportlichen Leitern?"

 

Anhand von Materialien der Zeitung „Kommersant" und der Nachrichtenagentur RIA Novosti zusammengestellt.