Fünf goldene Regeln der Formel 1

Oxana Kossatschenko: In der Formel 1 geht man mit seinem Privatleben nur ungern an die Öffentlichkeit. Foto: ITAR-TASS

Oxana Kossatschenko: In der Formel 1 geht man mit seinem Privatleben nur ungern an die Öffentlichkeit. Foto: ITAR-TASS

Für die Zuschauer ist es reines Vergnügen, für die Fahrer hartes Business: Die Welt der Formel 1 wimmelt von Regeln und Vorschriften. Im Vorfeld des Grand Prix von Monaco spricht die Managerin des Rennstalls Caterham, Oxana Kossatschenko, über die ungeschriebenen Regeln der Formel 1.

1. „Der Grand Prix von Monaco ist für jeden Piloten die Stunde der Wahrheit."

Der Grand Prix von Monaco hat eine besondere Atmosphäre. Die ganze Stadt, das ganze Land, alle Einwohner und Gäste widmen sich in diesen Tagen voll und ganz dem bevorstehenden Rennen. Die Formel 1 nimmt den gesamten knappen Raum Monacos ein. Die Strecke ist umgeben von einer Luxuswelt aus Jachten und teuren Autos.

Dabei ist allen bewusst, dass Monaco eigentlich keine ideale Umgebung für ein Formel-1-Rennen bietet. Der kleinste Fahrfehler endet sehr schnell in

Oxana Kossatschenko

 

Oxana Kossatschenko ist Russlands bekannteste Managerin im automobilen Rennsport.

Nach Abschluss der philologischen Fakultät der Moskauer Staatsuniversität arbeitete sie zunächst beim Fernsehen als Sportkommentatorin. „Zunächst wusste ich rein gar nichts über die Rennen“, gesteht Kossatschenko, „aber ich befand mich in einer exklusiven Umgebung. Die Menschen um mich herum waren Feuer und Flamme für ihre Ideen, und der Funke ist auf mich übergesprungen.“

Die Welt des Autosports eignete sich Kossatschenko schnell an und setzte sich bald sogar selbst ans Steuer eines Formel-1-Wagens. 2001 wurde sie Managerin des damals 16-jährigen Witalij Petrow. Sie schickte den talentierten Nachwuchspiloten zu Trainings in Italien, wo sie gleichzeitig als seine Dolmetscherin fungierte.

Parallel arbeitete sie an der Promotion für Petrow und schloss hochdotierte Sponsoring-Verträge ab. 2010 bis 2012 fuhr ihr Zögling in der Königsklasse des Rennsports, die ersten zwei Jahre für Renault, 2012 für Caterham. Seit 2013 ist Kossatschenko kaufmännische Leiterin des Rennstalls Caterham.

Laut Kossatschenko sei die Formel 1 kein Business für schwache Nerven: „Ich arbeite 16 Stunden am Tag und reise in der ganzen Welt herum. Mein Ex-Mann sagte zum Abschied: ‚Wir müssen uns trennen. Ich passe nicht in deinen Koffer.‘“

den Sicherheitsabsperrungen. Die Strecke stellt höchste Anforderungen an die Piloten, weshalb sie nicht bei allen Rennfahrern beliebt ist. Für die Fahrer schlägt spätestens hier die Stunde der Wahrheit.

 

2. „Hier wird nicht über das Privatleben geredet."

In der Formel 1 geht man mit seinem Privatleben nur ungern an die Öffentlichkeit. Niemand spricht gerne darüber. Für gewöhnlich reden die Piloten nur mit Sportjournalisten, die spezifische Fragen über den Rennbetrieb stellen. Lifestyle-Journalisten sprechen in erster Linie mit den Teamleitern oder den Renningenieuren.

 

3. „Big Brother is watching you."

Klar, alle Teams versuchen möglichst viel übereinander in Erfahrung zu bringen. Am einfachsten geht das, wenn die Rennwagen an der Startlinie stehen und die verschiedenen Mannschaftsvertreter die Modelle der Konkurrenz begutachten dürfen. Dies ist die erste und einzige Möglichkeit, auffällige Neuerungen bei der Konkurrenz zu registrieren.

Gegenseitige Besuche in den Boxen und Werkstätten sind durch das Reglement verboten – alles, was sich auf dem eigenen Territorium befindet, ist vertraulich und darf nur von Teammitgliedern betreten werden. Die Einhaltung dieser Regel wird durch Überwachungskameras streng kontrolliert.


4. „Ecclestone hat die Formel 1 praktisch aus dem Nichts erschaffen."

In der Formel 1 geht es nicht um Freundschaft, sondern um Business. Zu sagen, ich hätte in der Formel 1 viele Freunde, wäre Heuchelei. Aber ich habe dort sehr viele Geschäftspartner, mit denen ich mich gerne unterhalte.

Bernie Ecclestone ist der wichtigste. Er ist ein harter Geschäftsmann. Er war es, der die Formel 1 praktisch aus dem Nichts erschuf. Aus einem kleinen Wettkampf, an dem etwa zehn Autos teilnahmen, machte er die einträglichste Sportveranstaltung der Welt. Und dieser Sport dreht sich ganz um Ecclestone.

 
5. „Das Firmenlogo auf dem Auto ist nicht das Wichtigste."

Die Werbung der „Kaspersky Labs" auf Formel-1-Autos ist das erste

positive Beispiel einer klassischen Werbepartnerschaft mit einer russischen Firma. Die „Kaspersky Labs" arbeiten mit dem Fiat-Konzern zusammen. Teilweise bezahlt Fiat Dienstleistungen des Softwareunternehmens mit der Bereitstellung von Werbeflächen auf den Ferrari-Autos.

Für das entsprechende Kleingeld kann im Prinzip jeder seine Werbung auf einem Formel-1-Wagen platzieren. Daraus auch einen Profit zu generieren, ist dagegen die weitaus größere Kunst.