Zu schwach für Kadyrow: Grosny-Mannschaft Terek wieder ohne Chef-Trainer

Ramsan Kadyrow ist noch nicht zufrieden: Der exzentrische Präsident der tschetschenischen Mannschaft "Terek" hat bereits eine beachtliche Zahl Trainer „verheizt". Foto: Reuters

Ramsan Kadyrow ist noch nicht zufrieden: Der exzentrische Präsident der tschetschenischen Mannschaft "Terek" hat bereits eine beachtliche Zahl Trainer „verheizt". Foto: Reuters

Der Präsident der Autonomen Republik Tschetschenien und des Fußballklubs Terek, Ramsan Kadyrow, hat wieder einmal den Chef-Trainer der Mannschaft entlassen.

Die russische Fußballmeisterschaft ging vergangene Woche zu Ende, aber die Gemüter sind noch immer nicht zur Ruhe gekommen. Diesmal liegt es am Verein Terek aus Grosny und seinem Ehrenpräsidenten Ramsan Kadyrow. Bei einer Begegnung mit russischen Journalisten berichtete das Oberhaupt der Autonomen Republik Tschetschenien über neue Einzelheiten zu seinen Korruptionsvorwürfen im russischen Fußball.

„Der Schiedsrichter sprach mich vor dem Spiel an und sagte: ‚Bezahlen Sie mich und alles wird normal ausgehen'. Ich antwortete ihm: ‚Ich zahle nichts'. Und er pfiff gegen uns – alle wissen das", verkündete Kadyrow. Der russische Fußballverband bat Kadyrow um weitere Einzelheiten und die namentliche Nennung des Schiedsrichters. Der Fußballgemeinschaft ist natürlich bewusst, welcher Schiedsrichter hier so schwer beschuldigt wird.

Auf Youtube kursierte im März dieses Jahres ein Video, in dem der Schiedsrichter Michail Wilkow aus Nischni Nowgorod dem Kapitän der tschetschenischen Mannschaft, Riswan Uzijew, die Rote Karte zeigt und daraufhin vom Oberhaupt der Autonomen Republik der Korruption bezichtigt wird – über das Stadionmikrofon der Achmat-Arena.

Aufgrund des Fehlverhaltens ihres Ehrenpräsidenten musste die Mannschaft aus Grosny ein Spiel auf neutralem Boden austragen. Allerdings wurde der Achmat-Arena auf Beschluss des Exekutivkomitees des russischen Fußballverbands später das Recht auf Austragung des russischen Pokalfinales zugesprochen. Das Finale fand allerdings ohne Terek statt, da die Mannschaft ihren Traum vom Titel bereits im Viertelfinale beenden musste.

 

Tschertschesow muss gehen

Der Verein aus der tschetschenischen Region belegte den achten Platz in der russischen Premierliga, das beste Ergebnis, das Terek jemals erzielt hat. Allerdings konnte auch dieses solide Resultat dem russischen Coach Stanislaw Tschertschesow nicht den Trainerstuhl retten. Der ehemalige russische Nationaltorwart galt als der Wegbereiter des Erfolgs der Tschetschenen. Viele Fußballexperten bezeichneten den 49-Jährigen sogar als besten Trainer des Jahres.

Tschertschesow selbst nannte als Grund für seinen Rauswurf die Tatsache, dass der Mannschaft während der Saison die Zielvorgaben geändert

wurden. Die Mannschaft kletterte in der Tabelle immer höher, und Ramsan Kadyrow war der Meinung, dass der Klub es auch unter die ersten sechs schaffen und damit in der UEFA Europa League mitspielen könne.

Zu guter Letzt warf Kadyrow Tschertschesow mangelndes Vertrauen in die tschetschenischen Fußballspieler und Missachtung der lokalen Traditionen vor. So behauptete Kadyrow, der Trainer habe seinem tschetschenischen Spieler Tagilow nicht die Hand gereicht.

 

Der „heiße" Trainerstuhl von Terek

Der exzentrische Präsident der tschetschenischen Mannschaft hat bereits eine beachtliche Zahl Trainer „verheizt". Keinem von ihnen gelang es, längere Zeit auf Tereks Trainerstuhl zu sitzen.

Der spanische Trainer Víctor Muñoz hielt bei Terek gerade einmal einen Monat durch und wurde von Kadyrow mit der Formulierung: „Er wollte die Mannschaft nicht nur trainieren, sondern den ganzen Verein managen" entlassen. Etwas länger arbeitete die Legende des internationalen Fußballs, der Holländer Ruud Gullit, in Grosny. Ramsan Kadyrow war mit Gullits Arbeitsmoral äußerst unzufrieden – statt das Team zu trainieren, hatte der mehr Zeit in Bars und Diskotheken verbracht. Es heißt, Gullit habe für die Auflösung seines Zweijahresvertrags eine Ablösesumme in einer solchen Höhe erhalten, dass er bis heute Urlaub machen kann.

Nach Gullits Rauswurf drohte der Mannschaft der Abstieg in die Zweite Liga, aber der Nachfolger des Holländers, der Russe Stanislaw Tschertschesow, rettete der Mannschaft nicht nur den Verbleib in der Premierliga, sondern verbesserte auch die Position des Klubs deutlich.

Der ehemalige Verteidiger von Spartak und der russischen Nationalmannschaft, der Olympiasieger Sergej Gorlukowitsch, glaubt, dass

der ständige Trainerwechsel über kurz oder lang nicht zu besseren Ergebnissen führen wird: „Dem Trainer muss man vertrauen, nur dann kann er positive Ergebnisse liefern." Der Fußballer meint, auch Alex Ferguson und Arsène Wenger hätten ihre Mannschaften Manchester United und Arsenal London erst allmählich zu Spitzenklubs geformt. Resigniert sagt er: „Tschertschesow hätte sogar das Potenzial gehabt, aus Terek einen Titelgewinner zu machen. Aber die Vereinsführung traf eine andere Wahl. Es bleibt abzuwarten, welchen Platz Terek am Ende der nächsten Saison belegen wird".

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