Strandfußball: Magier aus dem verschneiten Land

2011 feierte die russische Strandfußball-Mannschaft ihren ersten großen Sieg. Foto: AFP / East News

2011 feierte die russische Strandfußball-Mannschaft ihren ersten großen Sieg. Foto: AFP / East News

Strandfußball aus einer Weltgegend, die nicht eben bekannt ist für Meer und weite Strände? – das scheint reichlich exotisch. Ausgerechnet in dieser Sportart ist Russland Trendsetter.

Ravenna im September 2011 – Finale der Strandfußballweltmeisterschaft. Die Nationalmannschaft der Russischen Föderation deklassiert den Favoriten Brasilien 12:8 und wird Weltmeister.

Das Finale auf italienischem Boden bildete den Auftakt zu einer neuen Ära des russischen Strandfußballs. Die „Beachsoccers" hatten es geschafft, sich in gerade mal sechs Jahren von Amateurkickern zu einem führenden Team zu entwickeln. Laut Nikolaj Pissarew, einst Fußballnationalspieler und heute erster Trainer der Strandfußballerauswahl im Land, hätten seine Schützlinge 2005 ganz von vorne angefangen: „Zunächst mussten sie sich erst einmal daran gewöhnen, überhaupt barfuß im Sand zu spielen. Dann mussten sie die Regeln von Grund auf erlernen."

„Am Anfang waren wir nur begeisterte Amateure", erinnert sich der Kapitän der Nationalmannschaft Ilja Leonow. „Als man dann anfing, uns im Fernsehen zu zeigen, war das für uns alle eine große Überraschung!"

Bereits 2007, im Jahr der ersten Teilnahme an der Euro-Beachsoccer-League (EBSL), gelang es der Mannschaft, Bronze zu erringen. Damit verdiente sie sich ihre Fahrkarte zur FIFA-Beachsoccer-Weltmeisterschaft 2007, wo sie immerhin den zwölften Platz errang. 2008 und 2009 schaffte

es das Team dann schon ins Viertelfinale. Und bei der Weltmeisterschaft 2011 erlebte es einen wahrhaften Triumph. Das Turnier gipfelte in dem historischen Sieg über die Nationalmannschaft Brasiliens.
„Ich erinnere mich, wie die Journalisten in Brasilien ständig fragten: ‚Wie seid ihr Weltmeister geworden?'", erzählt Leonow. „Wir hatten eine eingespielte Mannschaft, verfügten über ausreichend Erfahrung und verstanden einander ohne Worte. Und natürlich waren wir auch in sehr guter körperlicher Verfassung."

Das hervorragende Zusammenspiel der Mannschaft lässt sich leicht erklären: Nahezu alle Spieler stammen aus dem Moskauer Fußballklub Lokomotive. Eine Landesmeisterschaft im Strandfußball wird in Russland seit 2005 veranstaltet. An dem Turnier nehmen 16 Mannschaften teil, aber um den Meistertitel kämpfen traditionell die beiden Moskauer Vereine Lokomotive und Strogino. In der Hauptstadtbefindet sich auch die einzige

Kindersportschule für Strandfußball. Über eine überdachte Halle verfügt sie allerdings nicht – zwischen Oktober und Mai findet deshalb das Training an der Schwarzmeerküste oder in St. Petersburg statt, wo eine entsprechend präparierte Halle vorhanden ist.

Zwar hat die „richtige" Fußballnationalmannschaft weit weniger Triumphe zu feiern, ist aber wesentlich populärer. Immerhin: Der WM-Sieg machte die Beachsoccers in einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Auch beim Einkommen liegen Welten zwischen den beiden Mannschaften. „Für den WM-Sieg bekamen wir 420 000 Rubel pro Nase (etwa 10 000 Euro)", erzählt Leonow. „Das war das höchste Preisgeld in meiner gesamten Laufbahn."

Im September 2013 findet auf Tahiti die nächste WM statt – Leonow & Co. sind optimistisch, den Titel zu verteidigen.

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